Gestern Abend öffnete die Bastei Lübbe in Köln-Mülheim ihre Pforten für die “Ladies Crime Night XXL” im Rahmen der Crime Cologne.

Die Krimi-Autorinnen Simone Buchholz, Gisa Klönne und Romy Fölck stellten ihre neusten Kriminalromane vor und unterhielten sich, moderiert von Margarete von Schwarzkopf, über das Krimi-Genre, das Schreiben und die Entwicklung ihrer Protagonisten.

Direkt zu Beginn wurde auf die Geschichte des Kriminalromans eingegangen, der seine Ursprünge ja in Großbritannien hat. Die sogenannten Mystery Novels wie Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes oder Agatha Christies Romane, waren da schon früh als – ich nenne es mal “vollwertige” Literatur – anerkannt, während Krimis in Deutschland lange nur in die “Unterhaltungs-Ecke” gedrängt wurde. Und unterhaltsam passte in Deutschland irgendwie nicht mit intellektuell zusammen. Der Krimi gehörte lange nur zur Trivial-Literatur. Bloß “unterhaltsam” zu sein, sei in Deutschland ein Urteil, das Autoren nicht gerne in Feuilletons über ihre Bücher lesen würden…

Ich fand das sehr interessant, da auch für mich Krimis immer vor allem unterhaltsam sein müssen – richtig schön spannend eben.
Aber Krimis sind heute viel mehr als das und das war das Thema, um das sich das weitere Gespräch drehte. Es ginge in heutigen Kriminalromanen nicht mehr nur um die ultimative Krimi-Frage “Who dunnit?” sondern vielmehr “What happend?” und vor allem “Why?”. Die Figuren rücken in den Vordergrund. Es sind oft gebrochene Charaktere. Dabei viel mir auf, dass ich tatsächlich mittlerweile bei Kriminalromanen immer häufiger von den tiefgründigen und authentischen Charakteren begeistert bin. Das traf auch auf den letzten Krimi, den ich gelesen habe zu: “Totenweg” von der gestern ebenfalls anwesenden Romy Fölck (zur Rezension).

Es ginge bei Krimis darum, die Charaktere stolpern zu lassen, sie Extremsituationen auszusetzen und ihre Reaktion darauf zu beleuchten. Das hob Simone Buchholz hervor und erklärte daher abschließend, dass es wichtig für einen Krimi-Charakter sei, dass er auch stolpern könne. Es muss sich also um einen Charakter handeln der Abgründe hat und dann, so empfiehlt sie, müsse man ihn noch schubsen.

Ich fand den Abend insgesamt sehr inspirierend, da ich merkte, dass ich noch nie so richtig über dieses Genre, das zweifelsohne zu meinen Lieblingsgenres gehört, nachgedacht habe. Was es bedeutet, einen Krimi zu schreiben, auf was man achten muss und was vor allem heutzutage alles dazugehört. Es ist nämlich nicht mehr einfach nur der Weg zur Antwort auf die Frage Who dunnit?
Es werden dunkle Ecken der Gesellschaft, die Abgründe der Menschen, familiäre Strukturen und vieles mehr ausgeleuchtet. Es geht um moralische Entscheidungen und Bewertungen. Ich war lange der Ansicht, ein Krimi brauche keine Aussage, da es einfach um ein Verbrechen geht, das aufgeklärt wird. Eine Geschichte mit dem Zweck der spannenden Unterhaltung.
Motive waren lange nur ein Hinweis auf den Täter, aber jetzt rücken diese Motive in den Vordergrund. Der Krimi endet nicht mit der Antwort auf die Frage Wer war’s? Die Motive spiegeln psychologische Abgründe, moralische Debatten und gesellschaftskritische Themen. Außerdem bietet ein Kriminalroman eine perfekte Grundlage um tiefgründige Charaktere zu erschaffen, da sie hier unweigerlich mit existenziellen Problemen konfrontiert werden. Themen wie Leben, Tod, Liebe, Leidenschaft, Trauer, Rache, Angst, Verzweiflung sind in fast jedem Roman dieses Genres anzutreffen. Dass man daraus durchaus tiefgründige Literatur erschaffen kann, ist eigentlich nicht verwunderlich.

Die Veranstaltung hat mir einen ganz anderen Blick auf das große Feld der Kriminalromane gegeben auf Dinge, die ich lange schon wahrgenommen, aber nie so sehr auf eine Entwicklung eines literarischen Genres bezogen habe. Es war zudem unglaublich interessant zu erfahren, wie die Autorinnen ihre Protagonistinnen gewählt haben, wie diese sich entwickelten und wie sie immer mehr mit ihnen zusammengewachsen sind.

Ich war auf jeden Fall begeistert und werde sicherlich nächstes Jahr wieder auf einige Veranstaltungen der Crime Cologne gehen.

Ich möchte euch noch kurz die neusten Bücher der gestern anwesenden Autorinnen vorstellen. “Totenweg” von Romy Fölck habe ich ja bereits gelesen und nun auch Lust auf die Reihen von Simone Buchholz und Gisa Klönne bekommen :)

“Totenweg” – Romy Fölck

Totenweg


Titel:
 Totenweg
Autorin: Romy Fölck
Verlag: Weltbild Premiere (Originalausgabe: Bastei Lübbe ab dem 23. Februar 2018 erhältlich)
erschienen am:  05.01.2017
Seiten: 382
ISBN: 978-3-95973-259-8
Preis: 10,99 €
Hier geht’s zum Buch. …und hier nochmal zu meiner Rezension!

Klappentext
In einer Herbstnacht wird der Vater der Polizistin Frida brutal niedergeschlagen und liegt im Koma. Ein Mordanschlag?  Sie kehrt in ihr Heimatdorf in der Elbmarsch zurück, auf den Obsthof ihrer Eltern, mit denen sie kaum Kontakt hat. Auf dem Hof trifft sie Kriminalhauptkommissar Haverkorn wieder. Beinahe zwanzig Jahre sind seit ihrer letzten Begegnung vergangen, seit dem Mord an Fridas bester Freundin Marit, die im alten Viehstall am »Totenweg« erdrosselt wurde. Der Täter wurde nie gefunden.  Frida fällt die Rückkehr ins Dorf fällt schwer: die Herbststürme, die Abgeschiedenheit, das Landleben zwischen Deichen, Marsch und Reetdachhäusern. Ihre alte Schuld scheint sie hier zu erdrücken: dass sie Marits Mörder kennt, aber niemandem davon erzählte …

“Beton Rouge” – Simone Buchholz

betonr
Titel: Beton Rouge
Autorin: Simone Buchholz
Verlag: Suhrkamp
erschienen am: 07.08.2017
Seiten: 227
ISBN:  978-3518467855
Preis: 14,95 € (Broschiert)

Hier geht’s zum Buch.

 

Klappentext
Ein scheinbar Irrer sperrt mitten in Hamburg Manager nackt in Käfige, und Staatsanwältin Chastity Riley, die von ihren Chefs hin und wieder von der Leine gelassen wird, muss ran. Ihre Ermittlungen führen sie in die Welt der Verlagshäuser und Kaderschmieden. Ihr Freundeskreis führt sie in den Wahnsinn, denn ausgerechnet die paar Menschen, die ihr im Leben Halt geben, erweisen sich plötzlich durch die Bank als wankelmütige Gesellen.
Ein ungewöhnlich warmer Septembermorgen auf St. Pauli. Der Regen der letzten Nacht ist noch nicht verdunstet, und vor dem Gebäude eines großen Zeitschriftenverlags steht ein Käfig, darin der Chef der Personalabteilung. Nackt, bewusstlos und offensichtlich misshandelt. Drei Tage später steht der nächste Käfig vorm Verlag, diesmal liegt der Geschäftsführer drin. Riley und ihr neuer, undurchsichtiger Kollege Stepanovic glauben zunächst an einen Racheakt der Verlagsmitarbeiter – seit Jahren werden Leute entlassen, während sich die Führungskräfte dicke Boni in die Taschen stopfen. Als dann ans Licht kommt, dass alle drei Opfer nicht nur ihr Status, sondern auch eine mehr als zweifelhafte Vergangenheit verbindet, verschwindet der Vorstandsvorsitzende …

“Die Toten, die uns suchen (Judith Krieger-Krimis, Band 6)” – Gisa Klönne

DietotenKlönne


Titel:
 Die Toten, die dich suchen (Judith Krieger-Krimis Bd. 6)
Autorin: Gisa Klönne
Verlag: Piper
erscheint am: 02.10.2017
Seiten: 432
ISBN:  978-3492312233
Preis: 10,00€ (Taschenbuch)

Hier geht’s zum Buch.

 

Klappentext
Keine Toten mehr! Mit diesem Vorsatz kehrt Hauptkommissarin Judith Krieger nach Köln zurück. Als Chefin der Vermisstenfahndung, nicht mehr als Mordermittlerin. Doch gleich der erste Tag führt sie zum Schauplatz eines grausamen Mordes an einem seit Wochen verschwundenen Mann. Die Jagd nach dem Täter bringt Judith an die Grenzen der Legalität und auf die Spur einer zweiten Vermissten. Ist die junge Kolumbianerin Inez ein weiteres Opfer oder eine eiskalte Rächerin? Schritt für Schritt enthüllt Judith Krieger eine dramatische Geschichte von Flucht, Vertreibung, Gewalt und betrogener Sehnsucht …

 

Alle drei Autorinnen waren mir auf Anhieb sympathisch und konnten mich mit ihrer Faszination für abgründige Charaktere und für das unglaublich breite und abwechslungsreiche Krimi-Genre absolut mitreißen!

Lest ihr auch so gerne Kriminalromane wie ich? Was sind eure Lieblingskrimis?

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