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[Rezension] “Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz” von Andrew David MacDonald

Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz!

…ist wirklich so, oder? War mein erster Gedanke bei diesem Titel. Irgendwie kämpft man sich so durch, durch diese Schlacht namens Leben.
Doch für die 21-jährige Protagonistin Zelda, hält das Leben noch ganz andere Herausforderungen bereit.
Sie leidet an einer fetalen Alkoholsprektrumsstörung (FASD), einer Behinderung, die bei Kindern auftreten kann, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol konsumiert hat. Anders als bei vielen anderen Menschen mit dieser Behinderung, sieht man ihr diese in keiner Weise an, da sie nicht die für die Erkrankung typischen Gesichtsmerkmale aufweist. Und dennoch benötigt sie besondere Unterstützung dabei, sich im Alltag zurechtzufinden.
Sie besucht das Stadtteilzentrum, in dem sie mit anderen Menschen mit Behinderungen bestimmte Alltagskompetenzen lernt, Sport treibt und einfach Zeit verbringt. Dort hat sie auch Marxy kennengelernt, mit dem sie jetzt zusammen ist. Sie wohnt bei ihrem älteren Bruder, der sich rührend um sie kümmert, seit sie bei ihrem schrecklichen Onkel ausgezogen sind, und der versucht, ihr mit klaren Regeln die Strukturen im Alltag zu geben, die sie braucht und ihr jede mögliche Hilfe zukommen zu lassen. Doch auch er hat seine Probleme und die nehmen immer mehr Platz ein…

Zeldas besonderes Interesse gilt der Kultur der Wikinger, deren Kultur und Werte sie versucht in ihrem Leben wiederzufinden und zu erschaffen. Ihr Therapeut Dr. Laird, ermutigt sie dazu, ihre eigene Legende zu erschaffen, die Heldin in ihrer Geschichte zu sein. Das spornt sie an und gibt ihr Selbstvertrauen…
Als sie merkt, dass ihr Bruder, in üble Kreise gerät und seine College-Kurse schleifen lässt, macht sie es sich zum Ziel, ihn da raus zu holen und wieder mit seiner Ex-Freundin AK47 (die sie so nennen, weil sie so schnell spricht wie ein Maschinengewehr, wenn sie sich aufregt) zusammenzubringen, die wie eine beste Freundin für Zelda ist. Auch wenn das bedeutet, ihre sicheren Regeln und Strukturen hinter sich lassen und sich sogar in echte Gefahr begeben zu müssen.

Als Leser*in begleitet man diese besondere junge Frau, die einerseits so anders ist, als andere Frauen in ihrem Alter und die trotzdem die gleichen Dinge beschäftigen. Zelda ist verliebt und denkt darüber nach, das erste Mal Sex zu haben. Sie möchte einen eigenen Job haben und ihren Bruder unterstützen, während die meisten von ihr erwarten, dass sie diejenige ist, die Unterstützung und Schutz benötigt. Zelda überlegt, was zu jeder wichtigen Legende der Wikinger gehört und beginnt, ihre eigene zu leben. Stück für Stück wird sie selbstständiger.

Zelda ist wirklich eine außergewöhnliche Protagonistin. Genauso wie ihr Alltag, folgen auch ihre Gedanken festen Strukturen. Sie hat ihren geregelten Tagesablauf, ihre Rituale und die Wikinger, deren Leben und Bräuche ihr helfen, das, was sie selbst erlebt, einzuordnen. Ich habe selten so eine ungewöhnliche, aber interessante und liebevolle Perspektive in einem Roman erlebt. Es wird nichts beschönigt. Zelda erlebt unangenehme Situationen, schreckliche Vorurteile, Grenzüberschreitungen und sogar Übergriffe. Sie weiß, dass viele Menschen sie für nicht normal halten und auf sie herabschauen, aber sie ist fest entschlossen ihr Möglichstes zu geben, um ihre eigene Heldin zu sein und ihre Legende zu leben.
Auch wenn die Geschichte es sich mit dem Ende vielleicht in bisschen einfach macht, hat sie mir insgesamt sehr gut gefallen. Der Fokus liegt für mich jedoch sowieso auf Zeldas Gedanken und ihrer Entwicklung.
Ein Buch, das einen leicht durch die Seiten trägt, obwohl Zeldas Geschichte alles andere als leicht ist. Ihr Mut und unermüdlicher Optimismus zeigen, dass man viel mehr schaffen kann als das, was die Welt und man selbst vielleicht von einem erwarten, wenn man es wagt, seine eigene Legende zu leben.

Vielen Dank an den dtv-Verlag für die Bereitstellung meines Rezensionsexemplars!

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Titel: Jeder Tag ist eine Schlacht mein Herz
Autor: Andrew David MacDonald
Übersetzung: Sophie Zeitz
erschienen am: 23.03.2021
Verlag: dtv Verlag
Seiten: 368
ISBN: 978-3-423-28243-7
Preis (gebunden): 20,00€
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