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[Seriensamstag] “The Haunting of Hill House” – Serie und Roman

Spuk in Hill House ist im Oktober auf Netflix erschienen und hat direkt eine breite Zuschauerschaft angezogen. Auf imdb hat sie bereits einen unglaublichen Score von 8,9/10! Auch ich war so begeistert, dass ich mich entschied, endlich mal wieder einen Seriensamstag-Beitrag zu verfassen, um euch diese Serie ans Herz zu legen. Aber wir wären ja hier nicht auf Ricy’s READING Corner, wenn ich nicht wenigstens kurz auf die Romanvorlage von Shirley Jackson, die ich im September gelesen habe, eingehen würde.

“No live organism can continue for long to exist sanely under conditions of absolute reality; even larks and katydids are supposed, by some, to dream. Hill House, not sane, stood by itself against its hills, holding darkness within; it had stood so for eighty years and might stand for eighty more. Within, walls continued upright, bricks met neatly, floors were firm, and doors were sensibly shut; silence lay steadily against the wood and stone of Hill House, and whatever walked there, walked alone.”

– The Haunting of Hill House, Shirley Jackson, S.3

Ich traue mich ja kaum, es zu sagen, aber ich muss tatsächlich zugeben, dass mir in diesem Fall die Serie besser gefiel, als das Buch…

Das Buch

Das Buch hatte ich zufälligerweise als Klassiker für den September ausgewählt und las es gerade, als ich zum ersten Mal Werbung für die Serie sah. Das gab mir dann nochmal etwas mehr Motivation, das Buch möglichst schnell zu lesen, denn wirklich überwältigt und mitgerissen hatte mich das Buch bis dahin nicht.
Ich hatte zuvor schon We have always lived in the Castle von der Autorin Shirley Jackson gelesen und, da mir das wirklich ausgesprochen gut gefallen hatte, entsprechend hohe Erwartungen an diesen Klassiker unter den Spukhaus-Geschichten.

“As nearly perfect a haunted-house tale as I have ever read.”

Stephen King über The Haunting of Hill House

Im Buch wird die Geschichte aus der Sicht von Eleanor erzählt – einer jungen Frau, die sich ziemlich alleine in der Welt fühlt und daher sehr froh ist, in einer kleinen Gruppe an einer Art Forschungsaufenthalt des an paranormalen Phänomenen forschenden Dr. Montague im mysteriösen Hill House teilnehmen zu dürfen. Dort angekommen verwandelt sich das Experiment schnell in einen Albtraum, den mindestens einer nicht überleben wird.

Was in der kurzen Inhaltsangabe so spannend klingt, war bei der tatsächlichen Lektüre für mich eher eine zähe Geschichte, die erst im letzten Drittel etwas an Fahrt aufnimmt und mir mit einem subtilen Horror zum Ende hin doch noch einen kleinen Schauer den Rücken hinunterlaufen ließ.

Ich liebe Shirley Jacksons Schreibstil und die Protagonistin Eleanor ist ein durchaus interessanter Charakter, deren Veränderung in Hill House auf eine unterschwellige unheimliche Art deutlich werden. Zwischendurch entstehen auch Situationen die etwas gruselig oder vielmehr surreal wirken, aber der richtige Horror kam für mich einfach nicht rüber. Viel zu sehr sind die Charaktere damit beschäftigt, sich gegenseitig klar zu machen, dass sie keine Angst haben. Gegruselt habe ich mich jedenfalls nicht wirklich.

Die Serie

Dieser subtile Horror, der in Shirley Jacksons Roman erst am Ende seine volle Wirkung zeigt, ist hingegen in der Serie ab der ersten Minute zu spüren.
Die Geschichte hat jedoch auch kaum noch mit der Romanvorlage zu tun. Lediglich einige Namen und Szenen, diese jedoch in die neue Geschichte verpackt,  und grundlegende Elemente, wie die Beschreibung des Hauses, sind übernommen.
Die Serie spielt auf zwei Zeitebenen. Die erste spielt in den 80ern und zeigt,  ein Ehepaar, das mit seinen fünf Kindern in das Hill House zieht, um dieses zu renovieren und dann weiterzuverkaufen. Schnell wird jedoch klar, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Die zweite Zeitebene spielt in der heutigen Zeit und zeigt wie diese Familie – oder das, was von ihr übrig ist – noch heute versucht mit den Erlebnissen in Hill House zurechtzukommen…und so ganz hat auch das Haus sie noch nicht losgelassen…
In der Serie wird durch die wunderbar schaurige Atmosphäre eine ständige Spannung aufgebaut. Es passieren zwar tatsächlich einige Schockmomente, ich will gar nichts anderes behaupten, aber man erwartet diese eigentlich noch viel häufiger! Ihr kennt es, dieses Gefühl, wenn man einfach ständig mit etwas unheimlichem rechnet…
Für eine Horrorserie spart The Haunting of Hill House zudem an grausamen, gewalttätigen oder blutigen Bildern und Szenen…es wird dafür sehr viel mit der düsteren Atmosphäre den verschiedenen Zeitebenen gearbeitet, sodass der Zuschauer nur langsam und häppchenweise erfährt, was genau sich in Hill House zugetragen hat und auch die jeweiligen Zeitebenen verlaufen nicht chronologisch gradlinig sonderen springen immer wieder zu früheren Zeitpunkten zurück, wodurch dem Zuschauer dann wiederum neue zusätzliche Informationen gegeben werden.

Was mich aber noch viel mehr begeisterte als diese unterschwellige Spannung und die geschickte Vernetzung der zwei Zeitebenen, war aber die Familiengeschichte! Man könnte die Serie meiner Meinung nach fast auch unter die Kategorie psychologisches Familiendrama fassen.
Die Charaktere sind unglaublich interessant und facettenreich! Da sind zunächst die Geschwister: der Horror-Autor Steve, der mit der Geschichte um Hill House und vielen weiteren Geister-Stories Karriere gemacht hat und selbst jedoch eigentlich nicht an Geister glaubt, sondern das, was seine Famileie erlebt hat, mit psychischen Störungen erklären möchte. Shirley hat ein Bestattungsunternehmen gegründet. Theodora wurde Psychologin. Nur die Zwillinge Luke und Nell haben diese Ereignisse von damals offinsichtlich noch fest im Griff: Luke ist drogenabhängig und ständig im Entzug und Nell ist in der ersten Folge auf dem Weg zum Hill House, um sich dort das Leben zu nehmen…
Die Mutter Olivia starb in der Nacht, in der der Vater mit den Kindern fluchtartig das Hill House verließen und Vater Hugh hat heute kaum Kontakt zu seinen Kindern, da diese ihm nie verziehen haben, die Mutter zurückgelassen zu haben und ihnen vor allem nie die Wahrheit über jene Nacht erzählt zu haben.

Ohne weitere Erläuterungen hat diese Konstellation ja wohl schon ein erkennbares Konfliktpotenzial.

Mein Fazit?

Das Buch ist natürlich ein Klassiker und alleine wegen des Endes lesenswert. Als Hintergrund zur Serie ist es ebenfalls ganz nett, da man hin und wieder Parallelen und Anspielungen erkennt, aber ansonsten muss ich ganz einfach gestehen, habe ich mir vom Buch mehr erhofft.
Die Serie hingegen hat mich positiv überrascht!

Schaut euch die Serie an, falls ihr es noch nicht getan habt!
…aber lasst vielleicht dabei das Licht an.

Habt ihr die Serie schon gesehen? Wie hat sie euch gefallen? Habt ihr auch das Buch gelesen?




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2 Kommentare

  1. Hallöchen! Ich mag sowohl das Buch als auch die Serie als auch den Film (mit Catherine Zeta-Jones). Nur den ganz alten Film kenne ich nicht. Ich finde alle drei haben ihren eigenen Reiz. Allerdings war ich noch nie ein Freund von Buch-Film-Vergleichen, weil mal hier so unterschiedliche Medien vergleicht, dass man auch Äpfel mit Birnen vergleichen könnte. Bei dem Buch und der neuen Serie kommt erschwerend hinzu, dass beide Storys wirklich nicht viel miteinander zu tun hat. Das hattest du ja auch erwähnt. Ich fand es aber spannend zu entdecken, wie kleine bekannte Details hier in einen neuen Kontext gebracht werden. Gerade die Kleinigkeiten entdeckt man aber bloß, wenn man das Buch gut kennt. Also unbedingt lesen, sag ich dazu nur. Ansonsten kann ich die Serie nur loben. Da wurde eine tolle eigene Geschichte geschaffen, die von den Schauspielern großartig und glaubwürdig inszeniert wurde.

    LG Sandy

    • Hallo Sandy,

      die Filme kenne ich alle leider noch gar nicht.
      Ich fand das Buch auch nicht schlecht, sondern habe glaube ich einfach mehr erwartet, weil ich “We have always lived in the castle” so klasse fand…und da kommt es meiner Meinung nach nicht ran.
      Ich finde eigentlich schon, dass man Bücher und ihre Verfilmungen miteinander vergleichen kann, da ihnen ja dieselbe Idee bzw. Story zugrunde liegt und eben unterschiedlich umgesetzt ist, bedeutet man kann die Umsetzungen und den jeweiligen Stil miteinander vergleichen.
      Da hier die Serie eine ganz neue Geschichte spinnt, ist die Sache natürlich etwas komplizierter.
      Ich fand die Serie einfach großartig, da sie meiner Meinung nach spannendere Charaktere zeichnet und einen besseren Spannungsbogen aufbaut, beim Buch hat mir einfach etwas gefehlt. Die Verfilmung, die du nennst, werde ich mir aber auf jeden Fall auch noch anschauen!

      Liebe Grüße

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