Ricy's Reading Corner

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Was mich an Dystopien so sehr fasziniert…

Wer schon etwas länger meinem Blog folgt, der hat bestimmt bereits gemerkt, dass ich immer wieder für gute Dystopien zu haben bin. Nun möchte ich mir endlich mal die Zeit nehmen, meine Gedanken zu diesem Thema zusammenzufassen und zu erklären, was mich besonders daran fasziniert.

Zum ersten mal richtig als Genre bewusst geworden, sind sie mir, als wir im Englisch Leistungskurs Brave New World von Aldous Huxley gelesen haben. Und ja, das war bevor dieses Genre durch den Erfolg diverser Jugendbuch-Dystopien so einen Hype erlebte. Ich fand also nicht, wie viele Jugendliche heute, erstmalig mit Die Tribute von Panem oder Die Bestimmung zu diesem Genre, sondern durch Klassiker wie 1984, Fahrenheit 451 und eben das oben genannte Werk von Aldous Huxley. Wobei ich zugeben muss, dass ich von 1984 und Fahrenheit 451 lange nur Ausschnitte aus dem Englisch-Unterricht kannte, bis ich dann irgendwann nach der Schulzeit endlich die kompletten Bücher gelesen habe.

Um dem Kern, dem Wesen dieser Geschichten auf den Grund zu gehen und herauszuarbeiten, was daran besonders faszinierend ist, macht es Sinn, sich erst einmal mit den Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen.

Was sind Dystopien eigentlich genau? Erst einmal stellen sie einen Gegenentwurf zu Utopien dar. Utopien sind laut Wikipedia (ja, wenn ich schon über ein Thema schreibe, das mich schon während der Schulzeit faszinierte, dann zitiere ich auch, wie in der Schulzeit, Wikipedia!):

Eine Utopie ist der Entwurf einer fiktiven Gesellschaftsordnung, die nicht an zeitgenössische historisch-kulturelle Rahmenbedingungen gebunden ist.
Der Begriff bezieht sich auf „Nicht-Ort“; aus altgriechisch οὐ ou- „nicht-“ und τόπος tópos „Ort“. Die mit Utopie beschriebene fiktive Gesellschaftsordnung ist meist positiv. Deshalb handelt es sich in dem Sinne um ein Sprachspiel zwischen Utopie und Eutopie aus εὖ (eu) „gut“ und τόπος. (Quelle: Wikipedia)

Eine Dystopie ist somit folglich das Gegenteil:

Eine Dystopie (zu griechisch dys- = schlecht und tópos = Platz, Stelle; englisch dystopia), auch Antiutopie genannt, ist ein Gegenbild zur positiven Utopie, der Eutopie, und in der Literaturwissenschaft eine fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung mit negativem Ausgang. (Quelle: Wikipedia)

Es handelt sich also um Geschichten, die in der mehr oder weniger fernen Zukunft spielen und eine Gesellschaftsordnung, ein Szenario darstellen, das für die allermeisten Menschen nicht unbedingt erstrebenswert ist. Der Fantasie, um was für ein System es sich dabei handeln kann, sind keine Grenzen gesetzt. Häufig sind es totalitäre Strukturen, die eine oder Großteile der Bevölkerung unterdrücken, dann gibt es Schicht-, bzw. Kastensysteme in denen Menschen anhand unterschiedlichster Merkmale und Eigenschaften unterschiedlichen Gruppe zugeordnet werden, für die dann wiederum bestimmte Regeln gelten. Die totale Überwachung ist zudem ein typischer Aspekt von Dystopien, denn nur so lassen sich die Strukturen ja aufrecht erhalten. Es gibt Dystopien, denen sozialistische Strukturen zugrunde liegen und solche, in denen der Kapitalismus die treibende Kraft ist. Manchmal sind diese Strukturen durch Kriege entstanden und mal nach Umweltkatastrophen und manchmal haben sie sich auch einfach langsam schleichend und zunächst fast unbemerkt durchgesetzt. Mal haben Dystopien Science-Fiction-Anteile und mal sogar Fantasy-Elemente, wieder andere bleiben ganz nah an unserer heutigen Realität.

Und was ist nun so faszinierend daran?

  1. Die Szenarien sind NIE einfach so aus der Luft gegriffen. Es gibt immer irgendeinen Anhaltspunkt in unserer Realität, der einen glauben lässt, dass so eine Weltordnung tatsächlich so oder so ähnlich eintreten könnte. Nehmen wir als Beispiel 1984. Der berühmte Slogan, der sogar als Aufhänger für ein Trash-Reality-TV-Format der 90er-Jahre genutzt wurde, “Big Brother is watching you!” stammt aus diesem Roman. Big Brother, eine nicht genau bekannte Kontrollinstanz, beobachtet die Menschen in dieser Zukunftsvision immer und überall,  sogar in ihren eigenen vier Wänden. Zudem werden Nachrichten und sogar geschichtliche Ereignisse immer wieder verändert, um der Bevölkerung immer ein gezielt eingesetztes Bild der Realität vorzugaukeln und klare Feindbilder zu schaffen.
    Und heute? Wir werden vielleicht nicht direkt von einer diktatorischen Kontrollinstanz namens Big Brother überwacht – die braucht ja auch niemand mehr – unsere Daten, unsere Vorlieben, Wünsche und Sorgen, sind sowieso gespeichert, wir geben sie ja meist freiwillig preis, indem wir Google, Facebook und Co. nutzen. Unser Big Brother ist das Internet. Man googelt nach Waschmittel und wird auf Facebook direkt auf einen Interessanten Beitrag zu “Omas besten Tipps zum Fleckentfernen” aufmerksam gemacht.  Man nutzt einen Staubsaugerroboter aus China und schon ist auf irgendeinem chinesischen Server der Grundriss unserer Wohnung gespeichert. Wie gut das alles genutzt werden kann, um die Massen zu manipulieren, sollte spätestens der Facebook/Cambridge Analytica Skandal gezeigt haben.
  2. Dystopien sind unglaublich vielfältig. Wie bereits in der Einleitung gezeigt, gibt es kaum Grenzen bei den vorstellbaren Möglichkeiten, was alles mit dieser Welt geschehen könnte.
  3. Diese Geschichten gehen nicht immer gut aus! Und das ist jetzt gut oder was? Ja, denn das ist realistisch. Auch wenn das Motto “Et hätt noch immer jot jejange!” (Hochdeutsch: Es ist noch immer gut gegangen) als Kölnerin bei mir tief verwurzelt ist, gewinnt doch die Realistin in mir oft die Oberhand. Es wird nicht immer alles gut. Wenigstens nicht, wenn die Gedankenpolizei auf den Trichter kommt, dass du nicht wirklich an den Mist glaubst, den man dir vorsetzt und du es zu dem Zeitpunkt zufällig  noch nicht geschafft hast, heldenmäßig ganze Armeen von Protestlern zu mobilisieren. Ja, ich habe wirklich einige Dystopien gelesen, die eben nicht gut ausgegangen sind, aber gerade das macht sie so erschütternd!
  4. “Homo homini lupus”, noch so ein Satz, der sich seit der Schulzeit in meinem Gehirn festgebrannt hat – diesmal in Philosophie – und der in  der Staatstheorie von Thomas Hobbes  eine wichtige Rolle spielt. Übersetzt bedeutet er soviel wie: “Der Mensch ist des Menschen Wolf”. Und er kommt mir einfach so oft in den Sinn wenn ich Dystopien lese…
    Man blickt in guten Dystopien in die tiefsten menschlichen Abgründe, denn meistens sind es Menschen, die diese Zustände herbeigeführt haben. Ja es gibt auch Dystopien, in denen Naturkatastrophen, für die tatsächlich mal die Menschen keine Verantwortung tragen, dazu geführt haben, dass es die Welt wie wir sie heute kennen nicht mehr gibt. Sehr wohl sind es dann aber meist die Menschen, die sich daraufhin dann weiter das Leben schwer machen. Weil sie plötzlich ihre Chance erkennen, die Macht an sich zu reißen, weil sie sich gegenseitig weiter bekämpfen oder weil sie sich einfach nur selbst am nächsten sind.
  5. Der kritische Blick oder aber auch die “Scheuklappen” der ProtagonistInnen und Nebencharaktere. In den meisten Dystopien haben wir es mit ProtagonistInnen zu tun, die in dieser dystopischen Welt aufgewachsen sind bzw. sich dort eingelebt haben. Irgendein Schlüsselereignis führt dann dazu, dass sich Zweifel entwickeln, bis sie irgendwann das ganze System in Frage stellen.  In wieder anderen Geschichten erleben die Charaktere den Umsturz selber mit, fragen sich wann man spätestens hätte merken müssen, was da geschieht oder wie man es hätte verhindern können. So oder so: Entweder leben sie dann, wenn sie merken, dass da etwas nicht stimmt, in einem stummen Protest oder – und dieses Szenario ist offenbar auf der aktuellen Hype-Welle das beliebteste – sie zetteln eine Revolution an. Dann gibt es aber auch – allerdings eher selten – die ProtagonistInnen, häufiger ist dies der Fall bei Nebencharakteren, die wirklich an das System glauben. Beides finde ich auf seine Weise unglaublich spannend. Es führt dazu, dass man selber mit wacherem Blick durch die Welt läuft und bedenkliche Strukturen entdeckt, womit wir wieder bei Punkt 1 wären: viele Dystopien sind nicht weit von unserer Realität entfernt!

So, nachdem das jetzt raus ist habe ich das Gefühl, dieses Genre noch viel mehr zu lieben, als es mir bewusst war! Deshalb möchte ich euch auch nicht einige meiner liebsten Dystopien vorenthalten:

1984 von George Orwell

Winston Smith arbeitet für das Ministry of Truth in London. Big Brother starrt von diversen Postern und die Thought Police entdeckt sowieso jeden Verrat. Winston hat sich in diesem Leben eingerichtet und sich damit abgefunden. Jeder Tag läuft nach dem gleichen Schema ab, wodurch einem auch kein Fehltritt passieren kann. Doch dann verliebt er sich in Julia und merkt, dass das Leben nicht so sein muss. Beide fangen an das System und die Partei in Frage zu stellen. Aber Big Brother akzeptiert keine andere Meinung und sei sie nur in Gedanken.
Ein Klassiker, 1948 geschrieben und immer noch aktuell!

The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood (dt. Titel: Der Report der Magd)
Offred lebt als Magd in Gilead, ein Staat, in der Frauen, wieder all ihrer mühsam erkämpften Rechte beraubt wurden und nur noch dafür da sind,  für die einflussreichen Familien Kinder zu gebären, da die Geburtenrate stark zurückgegangen ist. Aber Offred hat den Umsturz miterlebt und erinnert sich an die Zeit davor, als sie einen liebenden Ehemann hatte und eine kleine Tochter, als sie einen Job hatte und eigenes Geld und als sie sich noch frei entscheiden konnte, wie ihr Leben aussehen soll. Unglaublich beklemmend und beängstigend.
Die Serien-Adaption finde ich übrigens auch sehr gelungen! Hier kommt ihr zu meiner Rezension!

QualityLand von Marc-Uwe Kling
Eine lustige Dystopie? Die gibt es!  Wer mal eine Zukunftsvision lesen möchte, über die man einfach lachen muss, weil sie das, wohin unsere Gesellschaft steuert, einfach total überspitzt und parodiert, der muss dieses Buch einfach lesen. Aber seid gewarnt: man weiß manchmal nicht, ob man lachen oder weinen soll! Hier kommt ihr zu meiner Rezension!

Damit ihr einen möglichst genauen Eindruck bekommt zitiere ich hier:

Willkommen in QualityLand, in einer nicht allzu fernen Zukunft: Alles läuft rund – Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es dann Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller? Marc-Uwe Kling hat die Verheißungen und das Unbehagen der digitalen Gegenwart zu einer verblüffenden Zukunftssatire verdichtet, die lange nachwirkt. Visionär, hintergründig – und so komisch wie die Känguru-Trilogie.

Quelle: ullstein-buchverlage.de

The Circle  von Dave Eggers

Mae Holland ergattert einen Job bei dem großen Internet-Konzern “The Circle”. Dieser hat die Kontrolle über all unsere Internetaktivitäten. Mae ist fasziniert von der glamourösen Welt die sich ihr auf dem modernen Campus auftut und sie stürzt sich voll in ihre neue Arbeit und die diversen Freizeitaktivitäten, die das Unternehmen seinen Mitarbeitern direkt vor Ort anbietet.

Dieser Roman zeigt meiner Meinung nach sehr gut die Gefahren des heutigen  Social Media-Wahnsinns auf. Hierbei gefällt mir besonders, das man miterlebt, wie die Protagonistin langsam immer mehr von den Werten des Circles überzeugt wird. Eine Anleitung zum Brainwashing sozusagen! Hier gelangt ihr zu meiner Rezension und zur Filmbesprechung!

 

Und als nächstes möchte ich unbedingt The Power von Naomi Alderman lesen!

Gefällt euch das Genre auch so sehr? Welche Dystopien gefallen euch am besten? Ich freue mich immer über neue Empfehlungen!

 

(c): Buchcover: jeweiliger Verlag

Beitragsbilder: Ricarda Schneider

 

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33 Kommentare

  1. So ein toller Beitrag, liebe Ricy!
    Dystopien finde ich so faszinierend, und die Punkte, die du angesprochen hast, finde ich wahnsinnig interessant. Dass es sogar einen passenden Ausdruck dafür gibt, was die Darstellung der tiefsten menschlichen Abgründe in der Literatur angeht bzw. dass man den Ausspruch ‘Homo homini lupus’ lückenlos auf diesen Aspekt anwenden kann – wieder was gelernt, danke dafür! Falls du es nicht schon kennst, kann ich dir die dystopische Reihe “Oryx & Crake” von Margaret Atwood sehr empfehlen! Ihre anderen Werke warten noch darauf, von mir gelesen zu werden, aber diese Trilogie war mein erster Kontakt mit Atwoods Werken – und es war großartig, erschreckend und so unglaublich nah an dem, was ich mir als Worst Case Szenario für unsere Gesellschaft, unsere Welt und unser Überleben vorstellen kann.

    Liebste Grüße,
    Ida

    • Liebe Ida,

      danke für deinen Kommentar!
      Der Spruch “Homo homini Lupus” stammt ja glaube ich ursprünglich aus einer römischen Komödie. Thomas Hobbes hat ihn dann eigentlich genutzt, um in seiner Theorie das Verhältnis von Staaten untereinander zu beschreiben.
      Ich muss aber einfach immer an diesen Spruch denken, wenn ich etwas über menschengemachtes Elend lese :D was bei Dystopien natürlich sehr oft vorkommt ;) er passt einfach meiner Meinung nach so gut.

      Über Oryx & Crake habe ich jetzt schon so viel Gutes gehört und da ich seit The Handmaid’s Tale sowieso von Margeret Atwood angetan bin, wird die Reihe jetzt mal ganz schnell in den Einkaufskorb wandern :)

      Liebste Grüße
      Ricy

  2. Hey Ricy!
    Ein richtig toller & informativer Beitrag :)
    Deine Lieblingsdystopien stehen alle in meinen Regalen, oder mindestens auf der Wunschliste. Ich sollte sie also ganz bald mal lesen.
    Besonders auf Der Report der Magd bin ich sehr gespannt.
    Meine liebste Dystopie ist (aktuell) Nation Alpha, weil dort Rassismus aufgegriffen und schonungslos ehrlich thematisiert wird.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    • Hallo Nicci,

      danke für deinen netten Kommentar! “Nation Alpha” habe ich mir direkt mal angesehen und es klingt wirklich sehr spannend. Ist direkt auf meine Wunschliste gewandert :)

      Liebe Grüße
      Ricy

  3. Huhu,

    ein spannender Beitrag, auch wenn viele deiner Argumente genau der Grund sind, warum ich Dystopien nicht mag und mir wünschte, es würde tatsächlich (mehr) utopische Romane geben, die auch bis zum Ende wirklich utopisch sind. Denn Brave New World beispielsweise wird ja als beides definiert. (Zumindest haben wir es damals als Utopie gelesen.)

    Und so sehr ich mir auch bewusst bin, dass es GUT ist, mal solche Gedankenspielereien zu machen, und sie aufzuschreiben, um den Menschen vor Augen zu halten, in welche Art Gesellschaft wir uns vielleicht entwickeln, auf welchem Weg wir möglicherweise sind, würde ich mir doch auch neben diesen Warnungen Mutmacher wünschen. Bücher, die erkunden, welche Wege es gibt, die Welt tatsächlich besser zu machen.
    (Andererseits, würde irgendjemand wirklich so einen Weg erdenken können, würde er ihn wohl auch umsetzen, daher kann ich sehr gut verstehen, warum wir immer mehr Dystopien kriegen, aber keine Utopien. Eventuell startet ja jeder dystopische Roman damit, dass ein Autor eigentlich versucht, eine Welt zu bauen, die besser ist, und dann feststellt, dass die von ihm gebaute Welt ziemliche Fehler hat?)

    Die einzige Dystopie, die ich bisher mochte, war übrigens tatsächlich Qualityland. Panem habe bisher nur als Filme gesehen und fand die Welt … spannend, aber zu nah an meinem Studium. (Ich hatte unter anderem auch, wie die Medien die Leute beeinflussen in Politologie. Medienstrategien, Propaganda, … ) Und Brave New World fand ich FURCHTBAR, aber das lag vermutlich schlicht daran, dass ich eine Welt, in der Sex quasi Pflicht und DER Freizeitspaß ist, widerlich finde. Als Asexuelle war das halt von der ersten Seite an nicht meines, da musste ich nicht mal bei den verschiedenen Kasten landen, um von der dargestellten Welt angeekelt zu sein und mich gar nicht reindenken zu wollen.

    Aber ich freue mich, dass du Dystopien magst. Ehrlich. Denn ich glaube, dass es ganz gut ist, wenn es Leute gibt, die sowas gern lesen. Die können einen am Ehesten drauf hinweisen, wenn die Menschheit wirklich in eine in den Büchern prognostizierte Richtung steuert, und dann vielleicht noch das Ruder rumreißen.

    LG
    Taaya

    • Hallo Taaya,

      erstmal danke für diesen ausführlichen Kommentar! :)
      Erstmal kann ich dir was Brave New World angeht nur zustimmen: ich war ähnlich angewidert! und trotzdem hat das ganze Thema mich irgendwie fasziniert.
      Was Utopien und Dystopien angeht, denke ich, dass man da schlecht eine klare Linie ziehen kann. Dabei fällt mir ein gutes Zitat aus The Handmaid’s Tale (eine Geschichte von der ich übrigens ähnlich angeekelt war, die ich dennoch als Dystopie sehr zu schätzen weiß) von Margaret Atwood ein: “Better never means better for everyone… it always means worse for some.”. Und genau das ist die Sache, wie du selbst schon schreibst: selbst wenn man sich eine wunderbare Welt vorstellt, gibt es immer wieder Punkte, an denen man doch bestimmten Menschen oder auch großen Bevölkerungsteilen in ihren Vorstellungen und Wünschen nicht gerecht wird. Man könnte sich z.B. eine Welt vorstellen, in der alle Menschen glücklich sind. Erstmal: wie schafft man das? Vielleicht durch Drogen (wie z.B. bei Brave New World)? Dann ist der Mensch aber auch nicht frei in seinen Entscheidungen, das Glücklichsein wird im aufgezwungen. Ist das dann gut? Wer entscheidet das? Vielleicht bin ich da auch zu pessimistisch, aber ich glaube nicht, dass es die eine Utopie gibt, mit der alle Menschen zufrieden wären und die zudem funktionieren würde, solange Menschen menschlich bleiben und immer nach mehr streben etc. Zudem legen alle Menschen ja Wert auf unterschiedliche Dinge. Viele auch Utopische Vorstellungen lassen sich ja dennoch nur durch einen gewissen Zwang aufrecht erhalten, durch strenge Gesetze z.B.. Das ist dann aber wieder ein Eingriff in die Freiheit des Menschen, die für viele den höchsten Stellenwert hat. Man dreht sich einfach immer im Kreis. Wie der Vater einer Freundin mal sagte: Wer immer weiter links abbiegt, kommt irgendwann rechts raus.
      Und dennoch kann ich deinen Wunsch, auch mehr Utopien zu lesen gut verstehen. Ich denke, dass man solche utopischen und dennoch glaubwürdigen Geschichten aber vielleicht eher im Kleinen findet. In Romanen, in denen ein Einzelner sein Lebensglück findet oder in Liebesgeschichten mit Happy End oder bei Familiengeschichten, in denen eben eine Familie gemeinsam glücklich wird…ich halte es nur einfach für “utopisch”, dass man eine Weltordnung findet in der alle hundertprozentig glücklich sind ;)

      LG
      Ricy

  4. Ein toller Beitrag. Ich bin ja mittlerweile auch auf den Geschmack gekommen, hänge aber noch etwas hinterher und habe deshalb “Report der Magd” oder “The Circle” noch gar nicht gelesen (beides steht aber auf meiner Lesewunschliste). Am Genre mag ich genau das was du hier aufzählst und finde es ebenfalls gut wenn es mal kein wirkliches Happy End gibt. Das mochte ich ja so an Panem, das war kein allglattes und nun sind sie glücklich bis an ihr Lebensende, sondern so ein Mittelding und hat irgendwie zur Reihe gepasst. Von Report der Magd habe ich bisher nur die Serie gesehen und finde die schon schockierend, da reizt mich natürlich auch das Buch, vor allem weil es ja unterschiede gibt.

    QualityLand kannte ich bis dato noch gar nicht und finde das hört sich echt sehr unterhaltsam an. Muss ich mir echt mal merken.

    Lg Nicole // Litnetzwerk

    • Hallo Nicole,

      danke für deinen Kommentar! :)

      Dafür habe ich Die Tribute von Panem tatsächlich noch nicht gelesen, sondern kenne nur die Filme. Die Bücher möchte ich aber unbedingt noch lesen!
      Die Serienadaption von “Der Report der Magd” fand ich richtig klasse. Zunächst hat mich gestört, dass die Schauspielerin von Offred immer so “gegrinst” hat, aber es passte eigentlich sehr gut, da sie ja sehr zynisch ist und sich neben ihrer Trauer fast schon über alles lustig macht. Das kommt allerdings im Buch besser rüber finde ich. Ansonsten ist die Serie finde ich ein bisschen spannender gemacht als das Buch. Das Buch ist wirklich manchmal sehr bedrückend.

      Liebe Grüße
      Ricy

  5. Interessanter Beitrag! Eine Weile war ich großer Fan von Dystopien, aber grad im YA-Bereich ähnelten sich viele doch sehr. Deswegen lese ich nur noch gelegentlich welche.

    Bei der Empfehlung für “The Handmaid’s Tale” von Margaret Atwood stimme ich dir auf jeden Fall zu, das Buch ist sehr eindrucksvoll und dabei ziemlich zeitlos. “QualityLand” von Marc-Uwe Kling höre ich grad, wenn auch nicht sonderlich schnell. Bin jetzt im letzten Drittel und habe immer noch keine Ahnung, wie die Geschichte enden wird. “1984” von George Orwell plane ich schon ewig zu lesen.

    Hm, Empfehlungen … ich fand die “Red Rising”-Trilogie von Pierce Brown sehr gut, insbesondere der zweite und dritte Teil beschäftigen sich auch intensiv mit der Gesellschaft. Sehr gut gefiel mir auch “The Girl With All The Gifts” von M.R. Carey. Zu beiden Büchern findest du auch Rezensionen in meinem Blog :)

    • Hallo Elena,

      ja, ich stimme dir zu, dass die meisten Dystopien im YA-Bereich, die versuchen auf dieser Hype-Welle mitzuschwimmen, sich tatsächlich alle sehr ähneln. Deshalb besteht für mich die Kunst darin, sich noch die besonderen herauszupicken :)

      Von Red Rising habe ich den ersten Teil gelesen und war begeistert. Der zweite steht schon im Regal, aber bisher bin ich einfach nicht dazu gekommen, ihn zu lesen :D dank deiner Empfehlung wandert der jetzt aber erstmal ein ganzes Stück weiter nach oben auf meiner Leseliste! Von The Girl with all the Gifts hab ich schonmal gehört, mich aber noch nicht näher mit beschäftigt. Ich werde mir deine Rezensionen auf jeden Fall mal durchlesen! :)

      Liebe Grüße
      Ricy

  6. Ich finde Dystopien auch unglaublich interessant, gerade wegen der Verbindung zur echten Welt. In letzter Zeit habe ich keine gelesen, möchte das demnächst aber wieder ändern und von deinen Empfehlungen stehen bei mir auch alle auf dem Plan. 1984 habe ich auch schon gelesen, aber das ist schon eine ganze Weile her und ich weiß dass ich nicht alles verstanden habe, darum möchte ich das noch mal tun.
    Dabei finde ich es auch spannend, dass es noch mal Untergenres gibt und sich die Jugenddystopien wie “Die Bestimmung” immer noch extrem von z.B. “Schöne neue Welt” abheben. Da gibt es wirklich viele Möglichkeiten und es wird nicht zwangsläufig langweilig.

    • Hallo Jacquy,

      das ist genau der Punkt, sie sind so unglaublich vielfältig, da wundert man sich immer, was man sich sonst noch alles so für den Fortgang der Menschheit einfallen lassen kann! :D gerade heute wurde mir im Buchladen wieder ein Buch empfohlen, das eigentlich unter der Kategorie Krimis zu finden ist, aber durchaus dystopische Züge hat :) Eine Dystopie lässt sich einfach nie ganz klar von anderen Genres abgrenzen, da die Weltordnung, ja nur das Setting der Story ausmacht…den Rahmen vorgibt und zeigen soll, was das mit den Menschen macht, wie es sie beeinflusst und je nach Buch rückt dann eine Liebesgeschichte, ein Krimi oder auch ganz andere Dinge dabei in den Vordergrund.

      Liebe Grüße
      Ricy

  7. Und genau deswegen mach ich Dystopien auch so gerne, aber irgendwie komme ich nicht dazu sie so oft zu lesen. Die Bücher die du vorgestellt hast, stehen bei mir leider alle noch ungelesen herum und eigentlich würde ich sie ja so gerne lesen.
    Du hast mir auf jeden Fall wieder Lust darauf gemacht!
    Alles Liebe,
    Julia

    #litnetzwerk

    • Hallo Julia,

      es freut mich, dass ich dich wieder auf den Geschmack bringen konnte :) Wenn du die Bücher oben sowieso schon im Regal stehen hast dann: lesen, lesen, lesen!
      Vielleicht fängst du nicht unbedingt mit The Handmaid’s Tale oder 1984 an, die finde ich zwar genial, aber sie sind recht bedrückend, düster und dadurch manchmal etwas schleppend zu lesen. Qualityland ist unglaublich witzig, aber dadurch nicht weniger dystopisch – man kann es aber auf jeden Fall sehr schnell lesen! :)

      Liebe Grüße
      Ricy

  8. Hey :)
    Dystopien sind wirklich ein sehr interessantes Thema und es ist ein wirklich sehr vielseitiges Genre. Ich habe lange Zeit Dystopien verschlungen, gerade weil sie im Jugendbuch-Bereich eine Zeit lang ja einen richtigen Aufschwung hatten, aber irgendwann war ich einfach übersättigt. Inzwischen fühle ich mich aber wieder bereit für Dystopien und dein Artikel erweckt meine Lust auf Dytopien extrem. Bis auf Qualityland und The Circle standen alle anderen Bücher, die du empfohlen hast, schon auf meiner Wunschliste. Ich glaube aber, dass ich The Circle und Qualityland auch mal hinzufüge.

    Liebe Grüße
    Isabell

  9. Hallo Ricy,
    herzlichen Dank , dass Du Dir die Mühe gemacht hast, den Begriff Dystopie einmal richtig unter die Lupe zu nehmen. Ich werde mir ein Lesezeichen dran machen. Und wenn ich mal wieder ein Buch in diesem Genre, das ich auch sehr gerne lese, besprechen will, werde ich Deinen Artikel als Messlatte anlegen. Toll!
    Beste Grüße
    Erika
    #litnetzwerk

  10. Hallo Ricy!

    Auch wenn ich noch keine der von dir genannten Dystopien gelesen habe, mag ich das Genre grundsätzlich sehr gerne.

    Mit gefällt, dass eine Möglichkeit der Zukunft aufgezeigt, die nicht aus der Luft gegriffen, für den Großteil der Menschen nicht positiv ist und es dennoch keine bloße Panikmache ist. Dystopien stimmen mich nachdenklich. Ich hinterfrage mein eigenes Handeln und sehe danach immer viele Möglichkeiten, was wir tun können, damit die Dystopie nicht Realität wird.

    Liebe Grüße
    Sabrina
    #litnetzwerk

  11. Ein toller Artikel!
    Ich mag das Genre auch sehr, auch wenn ich gestehen muss, dass ich noch nicht viele Dystopien gelesen habe, sondern eher gesehen.
    Aber The Circle und Der Report der Magd liegen beide auf meinem SuB. Und nach diesem Artikel hab ich richtig Lust drauf und werde wohl eins der beiden als nächstes lesen.
    Was an dem Genre so toll ist, ist wie du schon sagst, dass es Realität sein oder sogar werden könnte. Das ist beängstigend und begeisternd zu gleich.
    Und Happy Ends sind wirklich überbewertet. Mag die auch nicht so gern.

    • Hallo Cathy,

      ja die Sache mit den Happy Ends, ich hatte mal eine Freundin, die hat immer zuerst das Ende gelesen und wenn das nicht gut war, wollte sie das ganze Buch nicht lesen…sowas verstehe ich nicht :D
      Sowohl zu Report der Magd als auch zu The Circle gibt es ja auch Verfilmungen ;)
      Wobei ich die Serienadaption von Der Report der Magd sehr viel gelungener fand als den Kinofilm von The Circle…

      Liebste Grüße
      Ricy

  12. Hallo,
    1. ja
    2. ja
    3. ja
    4. hä?
    5. ja
    du hast ziemlich gut getroffen, was ich toll finde an Dystopien. 1984 habe ich gelesen aber jetzt werde ich wohl noch was nachholen. Wobei ich auch oft dystopische Comics lese.
    Viele Grüße
    Ariane
    #litnetzwerk

    • Hallo Ariane,

      ein dystopischer Comic ist auch bereits auf meiner Wunschliste. Hast du “Endzeit” gelesen? Nicci (Trallafittibooks: https://trallafittibooks.com/2018/05/10/rezension-olivia-vieweg-endzeit/ ) hat ihn empfohlen und den möchte ich unbedingt noch lesen!

      Zu Punkt 4: Thomas Hobbes benutzt den Spruch eigentlich, um in seiner Staatentheorie, das Verhältnis von Staaten untereinander zu beschreiben, außerdem hat er, so scheint es manchmal ein allgemein sehr pessimistisches Menschenbild.
      Wenn man mal ehrlich ist, ist das größte Problem der Menschen ja meist andere Menschen – ich finde in Dystopien, kommt das immer besonders gut rüber…und wenn ich sowas lese muss ich einfach immer daran denken: “Der Mensch ist des Menschen Wolf”…

      Liebste Grüße
      Ricy

      • Hallo Ricky,
        tatsächlich kannte ich den Spruch nicht aber es stimmt. In den meisten Dystopien hat es sich der Mensch selbst eingebrockt.
        Endzeit habe ich noch nicht gelesen aber ich kenne Niccis Beitrag. Es war ihr erster mit dem “Comics für Einsteiger” Label von Booknapping.de. Ich selbst nutze das Label schon lange.
        Viele Grüße
        Ariane

  13. Hallo

    Sehr gelungener Blogpost! Ich bin selbst auch ein Fan von Dystopie, auch wenn ich nicht immer alle gleich gerne mag. Kennst du “Die Optimierer” von Theresa Hannig? Das hat mir wirklich sehr gut gefallen, besonders weil es in sehr naher Zukunft spielt und erschreckend real wirkt.

    Liebe Grüsse

    Josia

    #litnetzwerk

  14. Hey :)

    Ich stelle gerade fest, dass wir da wohl etwas gemeinsam haben, denn auch wenn ich von deinen Dystopie-Empfehlungen zwar nicht alle gemocht habe (QualityLand hat schon einen recht eigenen Humor), habe ich sie immerhin alle gelesen – “Die Gabe” habe ich sogar erst vor kurzem in einer Online-Leserunde auf Twitter gelesen und danach rezensiert :).

    Einzig und allein bei den Klassikern habe ich noch Aufholbedarf, das weiß ich. Und ich gebe zu, ich habe auch nicht jede Jugenddystopie gelesen, weil ich nicht alle wirklich gelungen fand. Was mir in letzter Zeit in dem Bereich aber durchaus positiv aufgefallen ist, ist “Die Perfekten” von Caroline Brinkmann. Da bin ich wirklich gespannt, ob und wann es mit der Geschichte weitergeht.

    Liebe Grüße
    Ascari

    #litnetzwerk

    • Hallo Ascari,

      “Die Perfekten” muss ich mir mal anschauen – danke für den Tipp! :)
      Ja ich gebe dir Recht, dass Qualityland sehr speziell ist, ich denke, wer die Känguru-Chroniken mochte, wird mit dem Buch nichts falsch machen…man muss halt den Kling’schen Humor mögen :D
      Deine Rezension zu “Die Gabe” werde ich mir sofort mal ansehen! :)

      Liebe Grüße
      Ricy

  15. Hey Ricy,
    ein wirklich toller Beitrag.
    Ich mag Dystopien mittlerweile auch sehr gerne. Es gab mal eine Zeit, wo ich damit nicht so viel anfangen konnte, aber mittlerweile…
    Gerade dass es so “realitätsnah” ist oder eher sein kann, finde ich schon sehr erschreckend. Aber auch sehr interessant.
    1984 liegt immer noch auf meinem SuB. Eigentlich könnte ich es mir bald mal vornehmen.

    Hab einen schönen Abend!
    Ganz lieben Gruß
    Steffi
    #litnetzwerk

  16. Hallo Ricy,

    wie schön zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die Dystopien nach wie vor liebt! Ich habe manchmal das Gefühl, dass es inzwischen fast nur noch Leser gibt, die von Dystopien längst genug haben.

    Obwohl ich durchaus auch Dystopien für andere Zielgruppen kenne und mag, dürften meine liebsten Dystopien aber überwiegend aus dem Young Adult Genre stammen: Flawed/Perfect von Cecelia Ahern, Die Verratenen/Vernichteten/Verschworenen von Ursula Poznanski, The Program von Suzanne Young, Die Auslese von Joelle Charbonneau, Article 5 von Kristen Simmons und – natürlich – The Hunger Games von Suzanne Collins.

    ‘1984’ und ‘The Handmaid’s Tale’ möchte ich in Zukunft aber auch irgendwann noch lesen.

    Viele Grüße, Stephie

  17. Hallo Stephie,
    ja, man sollte meinen, irgendwann reicht es, aber ich kann einfach nicht genug davon bekommen :D
    Flawed/Perfect auch gelesen habe und von der Idee her sehr gut fand, mich hat nur die Protagonistin irgendwie genervt – sie hat immer alles so übertrieben “erklärt”, wenn du verstehst, was ich meine? Ich lese irgendwie allgemein nicht (mehr) so gerne Jugendbücher… vielleicht kenne ich aber auch bisher einfach zu wenig gute! :D Für Empfehlungen bin ich immer dankbar!
    “Die Auslese” möchte ich aber auch unbedingt noch lesen und die anderen werde ich mir definitiv mal anschauen.
    Danke für die Tipps! :)

    LG Ricy

  18. Ich bin auch ein grosser Fan von Dystopien! Bei mir fing die Faszination auch schon in der Schulzeit mit Geroge Orwell an. Weiter ging es dann viel spaeter mit den Tributen von Panem. Die Reihe “Die Bestimmung” mit dem Fraktionen System fand ich auch sehr gut. The handmaid’s tale find ich auch extreme spannend und gut.

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