Ricy's Reading Corner

Bücher. Serien. Musik & mehr

Schlagwort: Dystopie

[Rezension] “Die Hochhausspringerin” von Julia von Lucadou

Ein Buch, das ich für dieses Jahr eigentlich gar nicht mehr eingeplant hatte, über das ich aber einfach immer wieder gestolpert bin und dessen Beschreibung mich einfach so interessiert hat, dass ich es nicht weiter aufschieben konnte. Die Hochhausspringerin von Julia von Lucadou.

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[Rezension] “Utopia” von Thomas Morus

Jeder der hin und wieder mal auf meinem Blog vorbeigeschaut hat, weiß, wie gerne ich Dystopien lese. Schon vor einiger Zeit habe ich mir deshalb vorgenommen mal die erste Utopie zu lesen, die den Begriff an sich erst prägte: Thomas Morus’ 1516 erschienenes Utopia! Als diese Geschichte dann im Oktober in einer schönen kleinen Schmuckausgabe der Manesse Bibliothek, aus der sich auch bereits Mary Shelleys Frankenstein und Kafkas Das Schloss in meinem Regal befinden, erschien, dachte ich, dass die Zeit nun gekommen ist, mich endlich diesem Werk zu widmen.

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[Rezension] Der Wachmann von Peter Terrin

Dieses Buch wurde mir auf meiner Bücherladen-Tour durch Köln in der Buchhandlung Klaus Bittner empfohlen. Es sollte sich um eine versteckte Dystopie handeln, die unter den Krimis zu finden sei. Ein echter Geheimtipp!

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Was mich an Dystopien so sehr fasziniert…

Wer schon etwas länger meinem Blog folgt, der hat bestimmt bereits gemerkt, dass ich immer wieder für gute Dystopien zu haben bin. Nun möchte ich mir endlich mal die Zeit nehmen, meine Gedanken zu diesem Thema zusammenzufassen und zu erklären, was mich besonders daran fasziniert. Weiterlesen

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Rezension: “Leere Herzen” von Juli Zeh

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Titel: Leere Herzen
Autorin: Juli Zeh
Verlag: Luchterhand Literaturverlag (erschienen am 13. November 2017)
Seiten: 352
ISBN: 978-3630875231
Preis (gebundene Ausgabe): 20,00€ (eBook: 15,99€)

Rezensionsexemplar**
Hier geht’s zum Buch!*

“In einer Welt, in der sich die, denen es am besten geht, am beschissensten fühlen, ist etwas grundverkehrt.” (S. 107)

Inhalt

Die Handlung dreht sich um die Protagonistin Britta, die in einem Deutschland der Zukunft einem ganz besonderen Job nachgeht…
Im Jahr 2025 ist die Besorgte Bürger Bewegung an der Macht und schafft Stück für Stück die Demokratie ab. Die wenigsten kümmern sich großartig darum und noch weniger würden in Erwägung ziehen, etwas dagegen zu tun, wie z.B. wählen zu gehen.
Es gibt ein bedingungsloses Grundeinkommen, sodass es kaum noch normale Angestellte gibt, sondern sich die meisten mit irgendwelchen Ideen selbstständig gemacht haben. Erfolgreich sein müssen sie ja damit nicht, was auch gut so ist, denn richtige Ziele hat kaum einer mehr. Die allgemein verbreitete Gleichgültigkeit lässt sich am besten mit den Worten von Brittas bester Freundin auszudrücken: “Ich genieße es in vollen Zügen, dass mich die allermeisten Dinge nichts angehen.” (S. 155)
Irgendwie bedrückend, denkt man sich da. Ja, nicht jeder kann das ganze so positiv sehen wie Brittas Freundin. Manche sind sogar so deprimiert, dass sie diesem Leben ein Ende setzen wollen. Da kommt Brittas Psychotherapiepraxis ” Die Brücke” ins Spiel, die sie mit ihrem besten Freund Babak gegründet hat. Sie haben ein Programm für Selbstmordgefährdete entwickelt, welches auf der Konfrontationsmethode beruht und die allermeisten am Schluss doch von ihrem Plan abbringt und “geheilt” zurück in die Welt entlässt. Doch manche Teilnehmer lassen sich nicht belehren. Diese werden dann von Britta und Babak an Terrororganisationen vermittelt, um für einen höheren Zweck zu sterben. Ein ziemlich lukratives Geschäft.
Doch dann passiert ein Terroranschlag, mit dem die Brücke nichts zu tun hat. Gibt es Konkurrenz auf dem Markt?

Meine Meinung

Leere Herzen ist mein zweiter Juli Zeh – Roman. Ich habe ihn direkt im Anschluss an Unterleuten gelesen.
Was soll ich sagen, der Klappentext hat mich sofort fasziniert. Ich kann es nicht oft genug sagen, ich liebe skurrile und auch bedrückende Zukunftsvisionen und diese makabre Geschäftsidee fand ich einfach so originell, dass ich den Roman lesen musste.
Man wird ziemlich schnell in die Handlung geworfen, erfährt, was die Brücke ist und dann passiert auch schon der Terroranschlag, der Brittas solides Geschäft gehörig ins Wanken bringt.
Der trockene, sehr sarkastische Schreibstil, mit dem Juli Zeh unsere paradoxe Gesellschaft auf den Punkt bringt hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt ließ sich der Roman dadurch schnell und flüssig lesen.
Leider hat mir die Entwicklung der Geschichte nicht wirklich gefallen. Was mit einer meiner Meinung nach originellen und skurrilen Idee anfing, kam mir schnell überspitzt vor und wurde am Ende zu einer Moralpredigt.
Die Aussage, die ich aus dem Buch mitnehme ist die, dass wir uns nicht über diese Welt beschweren können, wenn sie uns egal ist. Konkreter: Wer nicht wählen geht, ist selber Schuld. Keine schlechte Aussage, aber mir gefiel die Art einfach nicht, wie sie einem am Schluss eingetrichtert wird. Die Story, die an sich viel Potenzial für eine gute Gesellschaftskritik hat, wird so zu einem Märchen, das scheinbar nur auf die “Moral von der Geschicht” ausgelegt ist.
Was wahrscheinlich ebenfalls dazu beigetragen hat, dass mir die Story mehr und mehr überspitzt vorkam, waren die Charaktere. Eigentlich hat mir nur ein Charakter richtig gut gefallen und das ist Julietta. Eine junge Frau, die nicht mehr leben möchte. Warum, weiß man eigentlich nicht genau, denn sie scheint eigentlich ganz fröhlich zu sein. Das machte sie irgendwie interessant.
Britta hingegen steckt für mich voller Widersprüche und ist meiner Meinung nach ein ziemlich oberflächlicher Charakter. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt und man soll als Leser durch sie am Ende, diese große Aussage verinnerlichen, obwohl ihr selbst eigentlich alles egal zu sein scheint, außer ihrer Firma. Ich konnte mit dieser Protagonistin einfach nicht warm werden. Natürlich soll sie kein sympathischer Charakter sein, das schließt ihr makabres skrupelloses Geschäft schon irgendwie aus, aber ich konnte ihre Art auch nicht mit der Aussage in Verbindung bringen. Das hat für mich irgendwie alles nicht gepasst.
Es hätte als Aussage genügt, wenn man das Geschäft mit den Selbstmördern vor dem Hintergrund einer Welt, in der es sich nicht lohnt zu leben thematisiert. Die Moralpredigt von Britta, die selbst so wenig Werte zu besitzen scheint, war für mich einfach zu viel des Guten.
Die Story hatte für mich einige interessante Details, die ich gerne etwas ausgeschmückter oder mehr in den Fokus gerückt gesehen hätte, nicht zuletzt der Charakter Julietta. Stattdessen wirkten diese unvollständig und schnell abgearbeitet, um am Ende auf eine übertriebene und meiner Meinung nach aus der Story nicht wirklich schlüssig hervorgehende Aussage hinzuführen.

Fazit

Leere Herzen ist alleine aufgrund der Idee eine spannende Gesellschaftskritik, von der ich jedoch mehr erwartet hätte. Die meiner Meinung nach eher unglaubwürdigen Charaktere und eine für die eigentliche Story zu überspitzte Aussage haben den Lesegenuss, den alleine der schöne Schreibstil mit einigen tollen Zitaten, die mir im Gedächtnis bleiben werden, eigentlich schon mit sich bringt, für mich aber letztlich etwas gedämpft.

Der erste Eindruck:

Die Story:

Die Charaktere:

Die Erzähltechnik:

Schreibstil:

Aussage/Bedeutung:

Titel/Cover dieser Ausgabe:

Fazit:

3,8 Sterne!

*Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung bleibt davon unberührt.
** Diese Verlinkung kennzeichne ich als Werbung

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Rezension: The Handmaid’s Tale – Margaret Atwood

“Better never means better for everyone…it always means worse, for some.” – The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood

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Titel: The Handmaid’s Tale
deutscher Titel: Der Report der Magd
Autorin: Margaret Atwood
Verlag: Vintage Classics (erschienen: 07. Oktober 2010)
ursprünglich erschienen: 1985
Seiten: 336 (Taschenbuch)
ISBN: 978-0099511663
Preis (Taschenbuch): 8,99€ (eBook: 5,69€)

 

Inhalt

In Amerika wurde die Regierung gestürzt und eine neue gesellschaftliche Ordnung etabliert: Gilead – ein christlich-fundamentalistischer Staat. Eine Gesellschaft, in der Frauen nur eine Aufgabe haben und zwar Kinder zu kriegen. Da Umweltverschmutzung, radioaktive Strahlung und Geschlechtskrankheiten dazu geführt haben, dass ein Großteil der Frauen unfruchtbar geworden sind, muss das Kinderkriegen von den wenigen gesunden und fruchtbaren jungen Frauen übernommen werden, die als Mägde in den Häusern der Reichen und Wichtigen leben. Offred ist eine von ihnen und erzählt ihre Geschichte, denn sie hat den Umsturz miterlebt. Sie hatte einen Mann und eine Tochter und alles verloren, nur ihre Hoffnung nicht. Die Hoffnung, dass das alles wieder vorbeigehen wird, dass sie entkommen kann und die Liebe wiederfinden wird.

Meine Meinung

Dieses Buch hat mich umgehauen, angewidert, erstaunt und erschreckt. Ich war von der ersten Seite an gefesselt.
Offred, die nicht wirklich so heißt, lebt im Haushalt eines Commanders und seiner Ehefrau. Da diese keine Kinder bekommen kann, hat sie sich, wie so viele eine Magd angeschafft, die dies übernehmen soll. Der Name Offred zeigt schon das Besitzverhältnis an. Offred ist kein eigenständiger Mensch, sondern gehört dem Commander, der offenbar mit Vornamen Fred heißt. Sie gehört ihm wenigstens so lange, bis sie ihre Aufgabe erfüllt und sein Kind zur Welt gebracht hat, oder versagt hat, indem sie nach einer gewissen Zeit immer noch nicht schwanger geworden ist. Sollte so etwas öfter passieren droht auch ihr, wie so vielen anderen Frauen, die Abschiebung in eine der Kolonien, in denen sie früher oder später entweder durch die Umweltverschmutzung und Strahlenbelastung oder durch die harte Arbeit zu Grunde gehen wird. Dass auch die Männer unfruchtbar sein könnten, steht nicht zur Debatte.

Offred erzählt diese Geschichte wie sie immer wieder sagt rückblickend, sodass es sich nicht um Tagebucheinträge handelt, obwohl dies manchmal den Anschein macht. Denn Schreiben ist den Frauen ebenso wie Lesen strengstens verboten. Überall gibt es Spione, die jedes kleine Vergehen sofort anzeigen.
Ihre alltäglichen Berichte sind immer wieder von Rückblenden in die Zeit davor und in die Zeit die sie im sogenannten Red Center, einem Ausbildungszentrum der Mägde, in das viele fruchtbare Frauen verschleppt wurden, verbrachte unterbrochen.
Von Offreds Charakter bekommt man somit einen ziemlich guten Eindruck. Während sie in den alltäglichen Berichten zwar sehr unglücklich, aber doch auch irgendwie angepasst wirkt, erfahren wir in den Rückblenden, dass sie in der Zeit davor eine ganz normale junge Frau gewesen ist, die einen Job hatte, ihre eigene Wohnung, eine beste Freundin, eine Affäre und spätere feste Beziehung mit einem Mann und sogar eine Tochter…alles etwas, das den Frauen in Gilead oder zumindest den Mägden strengstens untersagt ist. Das alles macht sie zu einem sehr interessanten Charakter.
Der Umsturz begann langsam, indem die Freizügigkeit und Dinge wie z.B. Pornographie immer stärker eingeschränkt wurden, dann wurden zweite Ehen und unverheiratete Partnerschaften verboten – natürlich nur, um die Frauen zu schützen. Es handelt sich somit wieder einmal um eine Dystopie in der die angebliche Sicherheit der Menschen als Grund für die Unterdrückung genannt wird. Der Zweck heiligt die Mittel?

“There ist more than one kind of freedom,” said Aunt Lydia.
“Freedom to and freedom from. In the days of anarchy, it was freedom to. Now you are being given freedom from. Don’t underrate it.”

Die Erniedrigung der Mägde, die in dieser Geschichte mit einem Frauenbild einhergeht, das die Frau ja so sehr wertschätzen soll, in der eine schwangere Frau fast wie eine Heilige behandelt wird, verlangt dem Leser wirklich starke Nerven ab.

Auch die anderen Bevölkerungsgruppen sind durch zentrale Charaktere vertreten. Da gibt es den Commander, der selbst zu dieser gesellschaftlichen Ordnung beigetragen hat, aber scheinbar auch nicht sonderlich glücklich damit ist. Und seine Frau Serena Joy, die durch ihre Rolle der Ehefrau eines wichtigen Mannes zeigt, wie sehr auch Frauen dazu beitragen können, in einer männerdominierten Welt andere Frauen zu unterdrücken.

Außerdem erfahren wir durch die Konstellation des Haushalts, in dem Offred gelandet ist, dass es auch Frauen gibt, die als Dienerinnen bzw. Haushälterinnen tätig sind.
Dann ist da noch Moira. Offreds beste Freundin aus der Zeit davor. Eine Frau, die eigentlich den Widerstand verkörpert. Offreds und ihr Weg kreuzen sich auch nach dem Umbruch wieder.

Dass die Erzählungen Offreds immer wieder durch ihre Erinnerungen an früher unterbrochen werden, steigert die Spannung enorm. Auch, dass das ganze gesellschaftliche Gefüge und die Geschichte, wie es dazu kam nur aus den Erzählungen einer einzelnen Frau deutlich wird, machte das Buch für mich besonders. Es dauert ziemlich lange bis sich Erinnerungsfetzen und Berichte über Offreds Alltag zu einem Gesamtbild zusammensetzen und man ganz versteht, was eigentlich los ist.
Atwoods Schreibstil hat mir gut gefallen, da er durch seine Nüchternheit sehr gut zu der Geschichte passte und für mich die bedrückende Stimmung greifbar machte. Trotz dieser Nüchternheit enthält er einige wunderbare Bilder und mir blieben viele Zitate im Gedächtnis, die diesen Schrecken dieser Welt in der Offred lebt einfach wunderbar auf den Punkt bringen.

Fazit

Für jeden, der Dystopien so sehr mag, wie ich, ist dieses Buch ein absolutes Muss und lässt sich für mich problemlos in eine Reihe mit 1984 und Brave New World stellen. Gerade die feministische Kritik in diesem Roman hebt es aus der Masse der Dystopien hervor und macht es meiner Meinung nach zu einem besonders wichtigen Werk.

Unbedingt lesen!

Der erste Eindruck:

 

Die Story:

Die Charaktere:

Die Erzähltechnik:

Schreibstil:

Aussage/Bedeutung:

Titel/Cover dieser Ausgabe:

Fazit:

4,5 Sterne!

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Rezension: “QualityLand” von Marc-Uwe Kling

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Titel: QualityLand
Autor: Marc-Uwe Kling
Verlag: Ullstein
Erschienen am: 22.09.2017
Seitenzahl: 384 Seiten
Preis: 18,00€ (eBook: 14,99€)
ISBN: 9783550050152

Hier geht’s zum Buch bei Amazon und beim Verlag.

 

Inhalt

QualityLand ist ein Land der Zukunft, in dem alles durch Algorithmen berechnet und automatisiert ist. Es gibt Online-Versandhandel, die schon wissen, was du kaufen möchtest, Partnerbörsen, die dir den perfekten Partner vorschlagen (Leute die sich „analog“ kennen lernen gelten schon als merkwürdig) und jede Menge künstliche Intelligenzen, die den Großteil aller Jobs übernommen haben. Je nach Vermögen, Bekanntheitsgrad oder Nützlichkeit für die Allgemeinheit etc. sind die Menschen in Level eingeteilt. Ganz oben in den 90ern befinden sich die wohlhabendsten und bekanntesten Menschen, alle Menschen unter Level 10 gelten als Nutzlose. Zu ihnen gehört auch der Protagonist Peter Arbeitsloser, Gebrauchtwarenhändler mit Schrottpresse für kaputte Roboter, nachdem seine Freundin Sandra Admin, die Nachrichten schreibt, die eigentlich nur zu Werbezwecken dienen, ihn verlassen hat. Eines Tages bekommt er – natürlich voll automatisch –  ein Paket mit einem rosafarbenen Delfinvibrator zugeschickt, den er natürlich nicht gewollt hat. Er versucht das Ding zurückzugeben, was sich als nicht ganz so leicht herausstellt, denn er muss ihn gewollt haben, das System macht keine Fehler! Oder doch?
Und währenddessen ist, passend zum Erscheinungsdatum des Romans, auch noch Wahlkampf,  bei dem ein rechtspopulistischer Politiker gegen einen eher links-orientierten Androiden der Fortschrittspartei antritt…
Sowohl durch Peter und seine Mitstreiter (kaputte Roboter, wie eine Drohne mit Flugangst oder ein Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung, die sich eigentlich von ihm verschrotten lassen sollten und Kiki, eine Frau die es sich zur Aufgabe gemacht hat, möglichst undurchschaubar für das System zu sein) als auch John, den Präsidentschaftskandidaten-Androiden und seine Assistentin Aisha, bekommen wir immer tiefere Einblicke in das System, das außer Konsum, wohl keine Werte kennt.

Meine Meinung

Ich war während des Lesens ständig in dem Zwiespalt, ob ich nun lachen oder weinen soll.
Unsere Realität ist einfach schon so nah dran an dieser Dystopie, dass eigentlich nur noch die allgegenwärtigen künstlichen Intelligenzen und ein paar Gesetze, die uns unserer Rechte an unseren Daten noch mehr und vor allem offiziell berauben, denen wir einfach durch ein Häkchen bei den AGBs zustimmen, fehlen.
Wenn man sich sozial nicht abschotten will, muss man verschiedene Dienste nutzen, diese Dienste kann man nicht nutzen wenn man den AGBs nicht zustimmt. Das Problem ist bereits real. In QualityLand gibt es deshalb auf jede Frage, die dir im Netz begegnet nur die Antwortmöglichkeit „OK“.
Kling schafft es aber mal wieder, diese unschönen Wahrheiten über unsere Gesellschaft und unsere Welt mit unglaublich trockenem Humor in einer erfrischenden Satire zu verpacken.

Peters Mitstreiter in seinem Unternehmen, einen ungewollten pinken Delfinvibrator zurückzugeben, den er von „The Shop, dem weltweit beliebtesten Versandhändler“ zugeschickt bekommen hat, da er ihn laut Algorithmus wollte, sind eine Reihe von kaputten Robotern, die er eigentlich hätte verschrotten müssen: Eine Drohne mit Flugangst, ein Kampfroboter mit Posttraumatischer Belastungsstörung, eine E-Poetin (Autoren-Roboter) mit Schreibblockade und ähnlich skurrile Gestalten. Auch dass einer der Präsidentschaftskandidaten in Klings Zukunftsszenario ein Androide ist, ist eine erschreckende Vorstellung, die wie er beweist aber auch durchaus lustige Aspekte haben kann. Und auch vielleicht die bessere Wahl ist, je nach Kontrahent?
Die richtigen Menschen bleiben in ihrer charakterlichen Ausarbeitung meiner Meinung nach jedoch etwas oberflächlich, was aber bei einer Satire dieser Art gar nicht schlimm ist, da sie ja Stereotypen darstellen, die die verschiedenen Teile unserer Gesellschaft repräsentieren und gleichzeitig kritisieren.

Der Erzählstil und Aufbau des Romans ist besonders hervorzuheben. Die Erzählstränge, die Peter, sowie John und Aisha beim Wahlkampf und zwischendurch Martyn Vorstand, reichen Sohn und Parteimitglied in Johns Partei, begleiten, werden immer wieder von „Nachrichten“ unterbrochen, die von Peters Ex-Freundin geschrieben werden. In diesen Nachrichten geht’s jedoch nicht wirklich darum, die Menschen über das Weltgeschehen zu informieren, sondern eher mit einer aufmerksamkeitsheischenden Schlagzeile (die nicht unbedingt viel Wahrheit enthalten muss) Leser anzulocken und dann möglichst viel Werbung im Text zu verpacken. Auch Leserkommentare zu diesen Nachrichten finden sich jeweils im Anschluss, die sehr schön die Sinnhaftigkeit der meisten Online-Kommentare parodieren. Außerdem werden immer wieder Artikel aus einem QualityLand-Reiseführer eingeschoben, die dem Leser einige Dinge erklären, z.B. was es mit den Levels auf sich hat, wie verschiedener technischer Schnickschnack funktioniert oder welchen Sinn er hat, was es für gesellschaftliche und politische Richtungen gibt etc.
Dieser Aufbau lockert die Erzählung auf, fügt einige witzige Aspekte hinzu und trägt zu einem angenehmen Lesefluss bei.

Der Schreibstil ist dabei wunderbar Kling-typisch ironisch und trocken.

Dieser Roman zeigt uns, wo wir schon angekommen sind und wo das Ganze noch hinführen kann. Es ist eine Karikatur der jetzt schon gegebenen digitalen Vernetzung aber vor allem der kapitalistischen Auswüchse, die dadurch entstehen, dass unsere Daten aus sozialen Netzwerken etc. zu Werbezwecken genutzt werden. Aber es geht sogar noch weiter, denn es zeigt auf, wie sehr wir dadurch wiederum manipuliert werden. Welche Suchergebnisse werden uns überhaupt angezeigt und warum werden uns diese angezeigt? Und was machen wir damit? Beeinflussen wir mit unserer Meinung das, was uns das Netz zeigt oder beeinflussen diese Dinge uns? Fragen, die sich wahrscheinlich jeder schon mal gestellt hat…
Außerdem wird uns eine Zukunft gezeigt, in der es die meisten heutigen Jobs nicht mehr gibt, da sie von Robotern übernommen wurden – ebenfalls ein sehr reales Thema, dass in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft bei Bundestagswahlkämpfen diskutiert wird…
Kling greift das alles in einem meiner Meinung nach großartigen und lustigen Roman auf, vielleicht müssen wir drüber lachen, um es besser zu erkennen.

Ich könnte so viel mehr aufzählen, das mir gefallen hat, denn die Satire sitzt in diesem Buch in jedem kleinsten Detail, aber ich wüsste daher nicht wo ich anfangen und aufhören sollte. Man achte z.B. nur auf die Namen. Der Nachname einer Person entspricht in QualityLand dem Beruf des Vaters bzw. der Mutter (abhängig davon, ob es ein Sohn oder eine Tochter ist) während der Zeugung! Eine berühmte Fernsehmoderatorin, die bevorzugt nackt auftritt, da das natürlich die Zuschauerzahlen in die Höhe treibt, heißt Julia Nonne…soviel zum Witz im Detail! Und das ist nur eins von unglaublich vielen Beispielen.
Das Ende kam mir dann allerdings etwas zu schnell und plötzlich…

Fazit

Die teilweise unschönen Wahrheiten über unsere Welt werden uns von Kling mal wieder mit einer unglaublichen Ironie und trockenem Humor in einer schrägen und witzigen Geschichte vor Augen geführt.
Ich kann das Buch wirklich jedem nur empfehlen, der sich gerne mit ernsten Themen auseinandersetzt und trotzdem lachen will!!!

Der erste Eindruck: 5Sterne

Die Story:4Sterne
Die Charaktere: 4,5sterne

Der Erzählstil: 5Sterne

Der Schreibstil: 5Sterne

Die Aussage: 5Sterne

Titel und Cover:5Sterne
Mein Fazit: 4,5sterne4,8 Sterne!

Dieses Buch habe ich als Vorabexemplar auf vorablesen.de gewonnen!

 

 

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Kurzrezension: “The Circle” von Dave Eggers – Roman und Verfilmung

Am 07. September kam die Verfilmung von Dave Eggers’ Bestseller “The Circle” in die deutschen Kinos.
Da mir das Buch, als ich es vor drei Jahren gelesen habe, ziemlich gut gefallen hat, wollte ich die neue Verfilmung zum Anlass nehmen, eine klitzekleine Kurzrezension zu verfassen und direkt auch die Verfilmung anzusprechen, die im Gegensatz zu den Buchkritiken, die den Dystopie-Roman immer wieder als modernes “1984” beschrieben und ihn oft positiv mit Orwells Werk oder Aldous Huxley’s “Schöne neue Welt” verglichen, eher Bewertungen unter dem Titel “1984 für Dumme” (Süddeutsche) erhielt. Zu Recht? Damit möchte ich mich hier auseinandersetzen.

The Circle

Titel: The Circle
Autor: Dave Eggers
erschienen: 10.10.2013
Verlag: Penguin
Seitenzahl: 494 Seiten
Preis: 6,99€ (Taschenbuch)
in Deutschland erschienen am: 08.10.2015
Verlag: KiWi-Taschenbuch
Preis: 10,99€

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Inhalt

Mae Holland kann ihr Glück kaum fassen, als ihre College-Freundin Annie ihr mitteilt, dass sie ihr einen Job beim größten Internetunternehmen “The Circle” verschaffen konnte. Voller Elan stürzt sie sich in die neue Arbeit bei einem Unternehmen, das einfach alles vereint. Accounts bei Social-Media-Foren, Online-Banking, E-Mail-Diensten etc. werden dank “TruYou” in einer Internetidentität zusammengefasst und für seine Mitarbeiter hält der Circle neben dem Arbeitsplatz auch eine unendliche Vielzahl an Freizeit-Möglichkeiten bereit. Neben ihren Aufgaben in der “Costumer Experience” bemerkt Mae schnell, dass digitale und reale soziale Interaktion genauso sehr zum Arbeitsalltag gehören. Nach Feierabend geht das Leben beim Circle erst so richtig los. Da werden rauschende Partys gefeiert, man kann shoppen gehen und verschiedensten Sportaktivitäten nachgehen – natürlich alles komplett kostenlos. Ach ja, und übernachten kann man in den luxuriösen Schlafräumen auf dem Campus natürlich auch. Das wichtigste ist, dass man alles teilt, kommentiert und bewertet, denn: “Secrets are lies. Sharing is caring. Privacy is theft.” Das sind die Leitsätze des Circles…Deshalb wird auch das “SeeChange”-Projekt ins Leben gerufen, dass darin besteht, dass weltweit überall Minikameras verteilt werden, die live ins Internet – für jeden auf der ganzen Welt sichtbar – übertragen.

Meine Meinung (ich beziehe mich auf die englische Ausgabe)

Als großer Fan von George Orwells “1984” bin ich natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung an diesen Roman herangegangen und zugegeben, er kam lange nicht daran. Dennoch hat er mir ziemlich gut gefallen und zeichnete für mich unabhängig von anderen Dystopien ein nicht weniger beklemmendes Zukunftszenario.

Mae ist von Anfang an von der Welt des Circles fasziniert, kleine Zweifel wischt sie spätestens dann beiseite, wenn sie ihren Arbeitsplatz durch Konfrontationen gefährdet sieht. Sie wandert mit einer Naivität und Überzeugung durch diese Szenerie, die mich als Leser wirklich aufregte. Doch das machte das Buch nicht schlecht, vielmehr fand ich, dass es den Roman aus der Menge an Dystopien hervorhob. Bei Orwells 1984 oder Huxleys “Schöne neue Welt” und diversen anderen Dystopien lernen wir das Regime von Anfang an als etwas Bedrohliches, Totalitäres, Repressives kennen. Die Protagonisten sind in diesen Fällen, die Einzelfälle, die daraus hervorbrechen wollen, das Regime als etwas Böses erkennen und etwas verändern wollen. Nicht bei “The Circle” – hier ist es nicht die Regierung, die unterdrückt, sondern ein Unternehmen, das einfach nur Dienstleistungen anbietet, die jeder freiwillig nutzt und somit zum Machtaufbau beiträgt. Mae sieht die Produkte und Dienstleistungen nicht als gefährliche Instrumente zur Machtgewinnung an, sondern als Wunder der Technik, als etwas, dass die Welt zu einem besseren Ort machen kann und ist davon begeistert.
Zudem haben wir es hier mit einer Zukunft zu tun, die gar nicht so weit weg von unserer Realität ist, auch das habe ich schon als Kritikpunkt gelesen. Ich sehe das jedoch nicht so. Es zeigt doch erst recht, dass wir keine interkontinentalen Kriege, keine genetische Modifizierung des Menschen etc. brauchen, um uns eine totalitäre Welt zu erschaffen, in der nicht die Regierung unser Feind und Unterdrücker ist, sondern ein Unternehmen, das wir selber bereitwillig finanzieren und bei dem wir mitmachen.

Die Ausarbeitung der Charaktere zählt tatsächlich nicht zu den Stärken des Buchs, diese bleiben eher flach, wirkten für mich oft wenig nachvollziehbar und sind sehr stereotypisch. Mae ist sehr naiv und lässt sich leicht von der schillernden Welt des Circles beeindrucken. Annie ist schon ganz oben in der Führungsetage angekommen, zerbricht aber langsam an dem Druck und beginnt zu zweifeln. Maes Jugendfreund Mercer sträubt sich gegen jede Form des digitalen Fortschritts, was ihm recht schnell zum Verhängnis wird…Viel mehr erfahren wir aber nicht über ihr Leben. Ihre Eigenschaften werden dem Leser eher plump dargestellt. So möchte Mercer, der  Kronleuchter herstellt, diese z.B. nicht im Internet verkaufen, was seine Abneigung gegen die digitale Welt meiner Meinung nach sehr überspitzt, ihn nicht als vernünftigen “Zweifler” darstellt, sondern sofort als konservativen Sonderling…Die Charakterdarstellung war für mich somit eine ziemliche Schwarz-Weiß-Malerei. Leute die den digitalen Fortschritt auch als etwas Positives sehen und trotzdem nicht ihr ganzes Leben im Internet preisgeben wollen, gibt es scheinbar kaum. Die Figuren hätten wirklich etwas mehr Tiefe vertragen können.
Die Story war für mich dadurch aber nicht weniger bedrohlich, obwohl ich mich nicht mit Mae identifizieren konnte, konnte ich mir die Situation sehr gut vorstellen…und muss leider sagen, dass wirklich schon vieles davon wahr geworden ist oder wenigstens nicht unwahrscheinlich ist, in naher Zukunft wahr zu werden.

Der Schreibstil fand ich sehr einfach und flüssig, wodurch sich das Buch schnell lesen ließ.
Fazit
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Gerade die Realitätsnähe und Maes Naivität fand ich erfrischend für eine Dystopie. Gerade diese Naivität machte für mich die beklemmende Wirkung des Buches aus. Der einfache Schreibstil trägt zudem zur Spannung bei, die sich vor allem dadurch entwickelt, dass man die ganze Zeit darauf wartet, dass Mae endlich aufwacht und sieht wohin das ales führt…
Die leider insgesamt eher schlecht ausgearbeiteten Charaktere dämpften das Lesevergnügen für mich nur wenig.

4Sterne

Insgesamt würde ich dem Buch 4 Sterne geben.

Die Verfilmung

Kommen wir jetzt zur Verfilmung…

Am Wochenende habe ich dann endlich die Verfilmung gesehen, auf die ich gerade wegen der hochkarätigen Besetzung (Emma Watson UND Tom Hanks) schon lange hingefiebert habe…Da der Film bereits vor einigen Monaten in den USA herauskam, wurde meine Vorfreude allerdings schon etwas gebremst, als die die Vielzahl an schlechten Bewertungen las… ein imdb-Score von 5,3 (von 10) …ernsthaft?! Dennoch wollte ich mir natürlich selbst eine Meinung bilden.

Tja, was soll ich sagen. Der Film fing ganz gut, wenn auch sehr schnell an…und es ging immer schneller weiter. Ganze Szenen und Charaktere wurden weggelassen, ja ganze Handlungsstränge, wichtige handlungsweisende Beziehungen die die Protagonistin eingeht… Die Abfolge von Ereignissen wurde verändert und sogar das Ende wurde leicht abgeändert. Ich finde es ja gar nicht schlimm, wenn eine Verfilmung die Grundidee eines Buches aufgreift und daraus etwas “eigenes” macht. Aber diese Verfilmung hat genau das, was das Buch für mich so bedrückend machte, weggelassen. Das was für mich bei der Lektüre alle Hoffnung an ein gutes Ende zerstörte, kam gar nicht vor. Stattdessen stolziert die hübsche und fröhliche Emma durch den Circle und trägt zu seiner “Vollendung” bei, wirkt jedoch nicht, wie gerade einer Gehirnwäsche unterzogen, sondern, als wäre das alles ihre Idee gewesen, als sei sie die große Heldin. Natürlich wirkt auch das sehr bedrohlich, ließ ihren Charakter für mich aber noch oberflächlicher erscheinen.

Auf der anderen Seite wurden wenig dramatische Buch-Szenen, wahrscheinlich zu filmischen Zwecken, total aufgebauscht. So gerät Mae im Film mit einem gestohlenen Kajak in Seenot und wird dank der vom Circle überall verbreiteten Kameras gesehen und gerettet, was sie darin bestätigt, wie toll diese “Überwachung” doch ist. Im Buch hingegen schippert sie ohne Sturm oder ähnliches gemütlich zur Küste zurück und wird da von der Polizei erwartet, da sie dabei gesehen wurde, wie sie das Boot entwendete. Dieser Vorfall wird von der Führungsetage des Circles genutzt, um sie durch subtile Manipulation zu der Erkenntnis zu bringen, dass sie die Straftat nicht begangen hätte, wenn sie gewusst hätte, dass sie beobachtet wird. Diese Erkenntnis soll sie dann vor versammelter Circle-Mannschaft als Argument für das SeeChange-Programm vortragen: durch SeeChange könnte die Kriminalität weltweit stark dezimiert werden!
Ein Moment im Buch, der sie wirklich an der “vollkommenen Transparenz” zweifeln lassen könnte, nämlich, als ein unangenehmes Video von ihr ins Internet gestellt wird, kommt wiederum gar nicht im Film vor…

Der Film hat somit die sowieso teilweise sehr einfache und oberflächliche Geschichte und die darin vorkommenden Charaktere noch mehr vereinfacht, sodass dieser zu einem richtigen Lückentext wurde und für mich stark an Aussauge einbüßen musste.
Wer das Buch nicht gelesen hat kann mit dem Film wahrscheinlich kaum etwas anfangen, zu viele Dinge bleiben zu oberflächlich, zu wenig erklärt und somit unglaubwürdig. Der ganze Teil im Buch, in dem Mae sich in den Circle einfindet, ihren Ehrgeiz entdeckt und sich langsam zur “Mustermitarbeiterin” entwickelt, wird in zehn Minuten zusammengefasst, wichtige Elemente ganz weggelassen und das Bisschen, was doch vorkommt, meiner Meinung nach fast lächerlich überspitzt dargestellt. Subtil ist die Manipulation, der sie ausgesetzt ist, im Film wahrlich nicht!
Der Film hätte gut und gerne weitere 30 Minuten vertragen können und wäre dann immer noch nicht zu lang gewesen, hätte aber wenigstens etwas erklärt und die Geschichte etwas nachvollziehbarer gemacht.

Für Leute wie mich, die das Buch gelesen haben, kann er ganz unterhaltsam sein, obwohl ich am Schluss, vor allem wegen des Endes enttäuscht war.

Ich würde dem Film 2,5 von 5 Sternen geben.

2,5Sterne

Hier geht’s zum Trailer!

Habt ihr das Buch gelesen? Und vielleicht auch schon den Film gesehen? Dann würde ich mich über eure Meinung in den Kommentaren freuen! :)

 

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Rezension: “Perfect – Willst du die perfekte Welt?” – Cecilia Ahern

(Achtung!! – Es handelt sich hierbei um den zweiten Teil einer Reihe. Für alle, die Teil 1 noch nicht gelesen haben, enthält diese Rezension eventuell Spoiler!!)

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Titel:
 Perfect – Willst du die perfekte Welt? (Teil 2)
(Teil 1: Flawed – Wie perfekt willst du sein?)
Autorin: Cecilia Ahern
Übersetzerin: Christine Strüh
Verlag: FISCHER FJB (17. November 2016)
Seitenzahl: 480
Preis: 18,99€ (Hardcover); 14,99 (eBook)
ISBN: 978-3841422361

Hier geht’s zum Buch.

 

 

Der erste Eindruck: 4,5sterne
Die Story: 4Sterne
Die Charaktere: 3sterne
Die Erzähltechnik:3sterne
Der Schreibstil: 2,5Sterne
Die Aussage: 4,5sterne
Titel und Cover:4Sterne
Mein Fazit:  3,5Sterne3,6 Sterne

 

Inhalt

Celestine hat die Gnadenlosigkeit der Gilde am eigenen Leib erfahren.
Sie wurde gebrandmarkt, weil sie sich weigerte, ihre Menschlichkeit als Fehler darzustellen.
Doch anstatt sich nun den Regeln für Fehlerhafte zu unterwerfen und ein Leben als Mensch zweiter Klasse unter der ständigen Aufsicht ihrer Whistleblowerin zu führen, flieht sie und merkt schnell, dass sie nicht die Einzige ist, die dem System entwischt ist.
Bei ihrer Flucht hilft ihr Carrick, der Junge, der in Highland Castle die Zelle neben ihr bewohnt hat und der ungeplant Zeuge ihrer besonders grausamen Brandmarkung geworden ist.
Gemeinsam mit anderen Geflüchteten versuchen die Beiden nun alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Gilde zu stürzen. Und sie haben noch ein Ass im Ärmel. Eines das zeigen kann, dass die Gilde selbst fehlerhaft ist.

Meine Meinung

Der zweite Teil von Cecilia Aherns Dystopie behält definitiv die ständige Spannung seines Vorgängers bei und beginnt direkt mit einem kurzen Schockmoment. Dem Leser wird also sofort klar in welche Gefahr sich Celestine mit ihrer Entscheidung, sich gegen die Gilde zu wenden und zu fliehen, gebracht hat und wie schnell alle Hoffnung vorbei sein könnte.
Wieder einmal habe ich das Buch verschlungen und wollte es kaum aus der Hand legen.
Celestine wird als Galionsfigur für “Die Sache der Fehlerhaften” genutzt und durch ihre unverhältnismäßig harte Bestrafung und Verfolgung durch die Gilde und besonders Richter Crevan keimt in der Gesellschaft langsam Misstrauen bzw. Unverständnis dem System gegenüber. Dieser langsame Wandel und die immer wieder eingebauten Hinweise darauf, dass längst nicht jeder die Gilde unterstützt, haben mir gut gefallen.

Doch leider behielt Teil zwei auch die meiner Meinung nach eher oberflächliche Charakterdarstellung und die sehr erklärende Erzählweise aus Celestines Sicht aus Teil 1 bei. Zweiteres fand ich in diesem Teil sogar noch stärker ausgeprägt. Ich glaube man hätte “Flawed” gar nicht zuerst lesen müssen, um genau zu wissen was passiert ist, und wie Celestine das alles empfunden hat und welche Bedeutung das für den Verlauf der Geschichte hatte. Denn in ihren Monologen wird es immer wieder wiederholt.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Celestine und Carrick empfand ich weiterhin als sehr wenig authentisch. Bis zum Ende habe ich mich gefragt, was die Beiden eigentlich aneinander mögen. Carrick wollte Celestine (wenigstens zuerst) offensichtlich nur finden, weil sie sich als sehr wertvoll für die “Sache der Fehlerhaften” erwies. Und Celestine fühlt sich irgendwie mit ihm verbunden, weil er bei ihrer Brandmarkung dabei war und sie immer wieder aus ausweglosen Situationen rettet. Mehr ist da für mich nicht, außer dass Celestine irgendwie Mitleid für ihn empfindet, als sie mehr über seine Vergangenheit erfährt. Celsetine schwankt sogar weiterhin immer wieder zwischen ihren Gefühlen für Carrick und denen für Art, ihren Ex-Freund und Richter Crevans Sohn, der scheinbar die Seiten gewechselt hat…oder auch nicht…
Celestine bleibt für mich daher weiterhin ein sehr sprunghafter Charakter, den ich bis zum Ende nicht ganz durchschaut habe. Obwohl die ganze Geschichte aus ihrer Ich-Perspektive erzählt wird, könnte ich nicht genau sagen, was sie als Mensch ausmacht. Ja sie ist stark, das muss sie ja auch sein, in Anbetracht der Situation, in die sie verwickelt ist. Ansonsten bleibt es bei den Erklärungen ihres Charakters, die jedoch wie ich finde nicht authentisch gezeigt werden.
Carrick bleibt für mich ähnlich flach. Wie schon in meiner Rezension zu “Flawed” beschrieben, bleibt er führ mich das Klischee des großen, schweigsamen Retters, mit einer schlimmen Vergangenheit – ein Stereotyp, der die Romanwelt vor allem im Young Adult Genre heutzutage förmlich überschwemmt.

Man erfährt in diesem Teil endlich etwas mehr über die Geschichte der Gilde, allerdings nur, dass sie irgendwie eine Übertragung der Erziehungsmethoden von Crevans Vater zu sein scheint. Was mir jedoch immer noch fehlt, ist die Beantwortung der Frage, wie Crevan (oder sein Vater vor ihm) denn überhaupt an die Macht gekommen ist. Nur weil ein Vater sagt: “Hey, ich Erziehe meine Kinder, indem ich sie für ihre Charakterfehler demütige – das könnten wir doch mal auf die ganze Gesellschaft übertragen!”, macht ja nicht gleich jeder mit.
Außerdem frage ich mich weiterhin, was das Ausland dazu sagt. Wir erfahren, dass es dieses System nur in Highland gibt, im Ausland könnten die Fehlerhaften frei leben. Wir erfahren auch, dass sich die Position Highlands in der Weltwirtschaft seit der Einführung des Fehlerhaften-Systems laut Gilde-Propaganda extrem verbessert habe. Eigentlich schwer vorstellbar, werden Staaten, die die Menschenrechte missachten doch von der freien Welt (vertreten durch die UNO) eher sanktioniert…
Das sind kleine Logiklücken, die mich an der Story gestört haben.

Neben dem wirklich gut aufgebauten Spannungsbogen, gefällt mir aber besonders die Aussage, die dieses Buch vor allem durch sein Ende hat und die durch den Titel Perfect meiner Meinung nach noch einmal hervorgehoben wird.

Eigentlich ist Celestine laut Gilde von einem perfekten Menschen zu einem Fehlerhaften geworden. Die Titelfolge deutet aber eine andere Reihenfolge an. Celestine ist durch ihre Fehler perfekt geworden?
Das ist die Aussage des Buches: Menschen machen Fehler und lernen daraus, werden dadurch zu besseren Menschen. Ein System, das Fehler verbietet oder als etwas Verwerfliches darstellt, um eine “perfekte Gesellschaft” zu erschaffen, ist also in sich fehlerhaft.
Diese Aussage ist sehr logisch und als Celestine diese vor Highland Castle in einer Rede vertritt, zeigt sie tatsächlich ihr logisches Denken, dass sie zuvor immer wieder beschrieben hat: Indem sie es als logischen (und menschlichen!) Prozess darstellt, Fehler zu machen, um zu erkennen, was funktioniert und was nicht und es beim nächsten Mal besser machen zu können. Zudem können Fehler auch Stärken sein. Nur weil eine Charaktereigenschaft von einem als Schwache aufgefasst wird, heißt es, dass diese nicht in einem anderen Licht betrachtet auch eine Stärke sein kann.

Diese Aussage finde ich richtig toll und zudem noch verpackt in einer spannenden Story. Schön hätte ich gefunden, wenn die Fehlerhaften, die wir im Buch kennen lernen nicht nur eher irrelevante Fehler gemacht hätten bzw. solche, die nur in den Augen der Gilde schlimm sind. Wenig berücksichtigt wird hier, dass man als Mensch auch wirklich schlimme Fehler macht, die man tatsächlich aus tiefstem Inneren bereut und die trotzdem etwas Gutes hatten, nämlich, dass man sie nicht noch einmal macht. Es reichte mir aber auch so vollkommen als Denkanstoß – wie ihr seht!
Obwohl mich der Schreibstil und der Erzählstil, sowie die Ausarbeitung der Charaktere wie schon beim Vorgänger nicht so gut gefallen haben, kann ich dieses Buch definitiv weiterempfehlen!

3,6 Sterne!

 

 

 

 

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