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Rezension: “Leere Herzen” von Juli Zeh

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Titel: Leere Herzen
Autorin: Juli Zeh
Verlag: Luchterhand Literaturverlag (erschienen am 13. November 2017)
Seiten: 352
ISBN: 978-3630875231
Preis (gebundene Ausgabe): 20,00€ (eBook: 15,99€)

Rezensionsexemplar**
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“In einer Welt, in der sich die, denen es am besten geht, am beschissensten fühlen, ist etwas grundverkehrt.” (S. 107)

Inhalt

Die Handlung dreht sich um die Protagonistin Britta, die in einem Deutschland der Zukunft einem ganz besonderen Job nachgeht…
Im Jahr 2025 ist die Besorgte Bürger Bewegung an der Macht und schafft Stück für Stück die Demokratie ab. Die wenigsten kümmern sich großartig darum und noch weniger würden in Erwägung ziehen, etwas dagegen zu tun, wie z.B. wählen zu gehen.
Es gibt ein bedingungsloses Grundeinkommen, sodass es kaum noch normale Angestellte gibt, sondern sich die meisten mit irgendwelchen Ideen selbstständig gemacht haben. Erfolgreich sein müssen sie ja damit nicht, was auch gut so ist, denn richtige Ziele hat kaum einer mehr. Die allgemein verbreitete Gleichgültigkeit lässt sich am besten mit den Worten von Brittas bester Freundin auszudrücken: “Ich genieße es in vollen Zügen, dass mich die allermeisten Dinge nichts angehen.” (S. 155)
Irgendwie bedrückend, denkt man sich da. Ja, nicht jeder kann das ganze so positiv sehen wie Brittas Freundin. Manche sind sogar so deprimiert, dass sie diesem Leben ein Ende setzen wollen. Da kommt Brittas Psychotherapiepraxis ” Die Brücke” ins Spiel, die sie mit ihrem besten Freund Babak gegründet hat. Sie haben ein Programm für Selbstmordgefährdete entwickelt, welches auf der Konfrontationsmethode beruht und die allermeisten am Schluss doch von ihrem Plan abbringt und “geheilt” zurück in die Welt entlässt. Doch manche Teilnehmer lassen sich nicht belehren. Diese werden dann von Britta und Babak an Terrororganisationen vermittelt, um für einen höheren Zweck zu sterben. Ein ziemlich lukratives Geschäft.
Doch dann passiert ein Terroranschlag, mit dem die Brücke nichts zu tun hat. Gibt es Konkurrenz auf dem Markt?

Meine Meinung

Leere Herzen ist mein zweiter Juli Zeh – Roman. Ich habe ihn direkt im Anschluss an Unterleuten gelesen.
Was soll ich sagen, der Klappentext hat mich sofort fasziniert. Ich kann es nicht oft genug sagen, ich liebe skurrile und auch bedrückende Zukunftsvisionen und diese makabre Geschäftsidee fand ich einfach so originell, dass ich den Roman lesen musste.
Man wird ziemlich schnell in die Handlung geworfen, erfährt, was die Brücke ist und dann passiert auch schon der Terroranschlag, der Brittas solides Geschäft gehörig ins Wanken bringt.
Der trockene, sehr sarkastische Schreibstil, mit dem Juli Zeh unsere paradoxe Gesellschaft auf den Punkt bringt hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt ließ sich der Roman dadurch schnell und flüssig lesen.
Leider hat mir die Entwicklung der Geschichte nicht wirklich gefallen. Was mit einer meiner Meinung nach originellen und skurrilen Idee anfing, kam mir schnell überspitzt vor und wurde am Ende zu einer Moralpredigt.
Die Aussage, die ich aus dem Buch mitnehme ist die, dass wir uns nicht über diese Welt beschweren können, wenn sie uns egal ist. Konkreter: Wer nicht wählen geht, ist selber Schuld. Keine schlechte Aussage, aber mir gefiel die Art einfach nicht, wie sie einem am Schluss eingetrichtert wird. Die Story, die an sich viel Potenzial für eine gute Gesellschaftskritik hat, wird so zu einem Märchen, das scheinbar nur auf die “Moral von der Geschicht” ausgelegt ist.
Was wahrscheinlich ebenfalls dazu beigetragen hat, dass mir die Story mehr und mehr überspitzt vorkam, waren die Charaktere. Eigentlich hat mir nur ein Charakter richtig gut gefallen und das ist Julietta. Eine junge Frau, die nicht mehr leben möchte. Warum, weiß man eigentlich nicht genau, denn sie scheint eigentlich ganz fröhlich zu sein. Das machte sie irgendwie interessant.
Britta hingegen steckt für mich voller Widersprüche und ist meiner Meinung nach ein ziemlich oberflächlicher Charakter. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt und man soll als Leser durch sie am Ende, diese große Aussage verinnerlichen, obwohl ihr selbst eigentlich alles egal zu sein scheint, außer ihrer Firma. Ich konnte mit dieser Protagonistin einfach nicht warm werden. Natürlich soll sie kein sympathischer Charakter sein, das schließt ihr makabres skrupelloses Geschäft schon irgendwie aus, aber ich konnte ihre Art auch nicht mit der Aussage in Verbindung bringen. Das hat für mich irgendwie alles nicht gepasst.
Es hätte als Aussage genügt, wenn man das Geschäft mit den Selbstmördern vor dem Hintergrund einer Welt, in der es sich nicht lohnt zu leben thematisiert. Die Moralpredigt von Britta, die selbst so wenig Werte zu besitzen scheint, war für mich einfach zu viel des Guten.
Die Story hatte für mich einige interessante Details, die ich gerne etwas ausgeschmückter oder mehr in den Fokus gerückt gesehen hätte, nicht zuletzt der Charakter Julietta. Stattdessen wirkten diese unvollständig und schnell abgearbeitet, um am Ende auf eine übertriebene und meiner Meinung nach aus der Story nicht wirklich schlüssig hervorgehende Aussage hinzuführen.

Fazit

Leere Herzen ist alleine aufgrund der Idee eine spannende Gesellschaftskritik, von der ich jedoch mehr erwartet hätte. Die meiner Meinung nach eher unglaubwürdigen Charaktere und eine für die eigentliche Story zu überspitzte Aussage haben den Lesegenuss, den alleine der schöne Schreibstil mit einigen tollen Zitaten, die mir im Gedächtnis bleiben werden, eigentlich schon mit sich bringt, für mich aber letztlich etwas gedämpft.

Der erste Eindruck:

Die Story:

Die Charaktere:

Die Erzähltechnik:

Schreibstil:

Aussage/Bedeutung:

Titel/Cover dieser Ausgabe:

Fazit:

3,8 Sterne!

*Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung bleibt davon unberührt.
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