Mit der Vorfreude auf den Herbst, stieg bei mir auch wieder die Lust auf Gruselgeschichten. David Mitchells Horrorroman Slade House lag nun schon etwas länger auf meinem SuB und schien mir perfekt, um den schaurigschönen Leseherbst einzuleiten.

“Auf der einen Seite der Hohen Mauer liegt eine kleine, feuchte Gasse, auf der anderen ein sonnenbeschienener Garten. Dazwischen eine schmale schwarze Pforte. Du brauchst sie nur zu öffnen. Willkommen im Slade House!”

Slade House, David Mitchell, Klappentext

Worum geht’s?

Das Slade House ist nicht leicht zu finden. Schnell verfehlt man die enge dunkle Gasse, die dorthin führt. Noch leichter zu übersehen ist das kleine schwarze Eisentor, das doch eben noch nicht da war? Es hat keine Klinke, doch bei Berührung schwingt es auf.
Was auf der anderen Seite zu finden ist, wirkt surreal. Ein sonnenbeschienener großer Garten und ein stattliches Herrenhaus. Wie kann ein solches Grundstück in diese enge Nachbarschaft passen und warum ist es von der anderern Seite aus nicht zu sehen? Fragen, die schnell in Vergessenheit geraten, denn im Slade House wird man schnell von den netten Bewohnern abgelenkt. Erst wenn man doch wieder gehen möchte, merkt man, dass man es nicht mehr kann…
Wer durch die schwarze Pforte geht, kommt nicht wieder zurück. Alle neun Jahre, am letzten Samstag im Oktober, öffnet sich diese und ein Gast wird in das Slade House eingeladen… und verschwindet spurlos.
Was passiert mit den Menschen, die das Slade House betreten? Und wer sind die Bewohner?

Meine Meinung

Slade House ist der erste Roman von David Mitchell, den ich gelesen habe. Dementsprechend gespannt war ich, ob mir sein Stil gefallen würde.
Und tatsächlich kam ich sehr schnell in die Geschichte hinein. Der Aufbau des Buches führt dazu, dass wir es in jedem Kapitel mit anderen Charakteren zu tun haben. Doch jeder einzelne Charakter für sich sehr interessant und gut gezeichnet. Dass es jedoch nicht gut mit diesen Charakteren ausgeht, lässt bereits der Klappentext vermuten.
Nach und nach erfährt man mehr über das Geheimnis von Slade House und seinen Bewohnern und somit über den Grund, weshalb alle neun Jahre ein Gast eingeladen wird und was mit diesem geschieht.

Das Ganze ist in eine gruselige Atmosphäre verpackt. Besonders die Beschreibung des Slade House selber sowie der Geschehnisse darin, gefallen mir besonders. Nur langsam, gemeinsam mit den Charakteren merkt man, das etwas nicht stimmt und hat doch jedes Mal die Hoffnung, dass es diesmal anders enden könnte.
Da es sich um ein relativ kurzes Buch handelt, welches genau von diesen Elementen lebt möchte ich aber gar nicht zu viel darüber erzählen.

“Menschen sind Masken, hinter denen sich Masken verbergen, hinter denen sich Masken verbergen und immer so weiter.”

Slade House, David Mitchell, S. 119

Durch die sich mit verschiedenen Charakteren wiederholende Geschichte, wurde mir der Roman für eine Gruselgeschichte leider manchmal zu langatmig und konnte die Spannung nicht durchgehend aufrechterhalten.
Der Roman wird auch als Hommage an Klassiker wie Alice im Wunderland und die Rocky Horror Picture Show beworben. Und das stimmt, es lassen sich viele Elemente bekannter Schauergeschichten wiederfinden.
Dennoch habe ich etwas mehr von einer Art Gruselkabinett im Slade House erwartet und stattdessen eine weit darüberhinaus gesponnene Geschichte, die die Bewohner in den Mittelpunkt rückt, bekommen.

Fazit

Slade House überzeugt durch interessante Charaktere, einen flüssigen Stil und eine eindrucksvolle Atmosphäre. Auch wenn ich etwas leicht anderes von der Geschichte erwartet hatte und leider nicht durchgehend gefesselt war, habe ich eine interessant konzipierte Gruselgeschichte und ein unheimliches Ende bekommen. Perfekt für diese Jahreszeit, in der das Slade House alle neun Jahre seine Pforte für Besucher öffnet…

Angaben zum Buch // Werbung


Titel: Slade House
Autor: David Mitchell
Übersetzung: Volker Oldenburg
Verlag: Rowohlt
erschienen am: 15. Mai 2018
Seiten: 240
ISBN: 978-3498042769
Preis (Gebundenes Buch): 20,00€

(c) Buchcover: Rowohlt Buchverlag
Beitragsbild: Ricarda Schneider

Loading Likes...