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Rezension: “Die Geschichte der Bienen” von Maja Lunde

geschichtederbienencover

Titel: Die Geschichte der Bienen
Originaltitel: Bienes Historie
Autorin: Maja Lunde
Übersetzung (aus dem Norwegischen): Ursel Allenstein
Verlag: btb Verlag
erschienen am: 20. März 2017
Seiten: 512
ISBN: 978-3442756841
Preis (gebunden): 20,00€ (eBook: 15,99€)
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Inhalt

“Die Geschichte der Bienen” ist die Geschichte dreier Familien und der ganzen Menschheit verbunden durch die Bienen.

William ist ein Familienvater, Saatguthändler und Naturforscher im 19. Jahrhundert, der ausgelöst durch die fehlende Anerkennung seines Mentors in eine tiefe Depression verfallen ist und seit einiger Zeit das Bett nicht mehr verlässt. Erst als ihm durch Zufall ein Buch über die Bienen in die Hände fällt, eine Spezies mit der sich seine Forschung schon zuvor näher befasst hatte, schöpft er wieder Energie, um weiterzumachen – vor allem für seinen Sohn Edmund, den er versucht auch für die Forschung zu begeistern. Aber Edmund ist bereits dem Alkohol verfallen und zeigt kaum noch Interesse an irgendetwas außer seinem Bett und billigen Partys. Seine Tochter Charlotte hingegen beginnt die Bienen zu studieren und ihren Vater zu unterstützen.

George betreibt im Jahr 2007 eine große Imkerei in Ohio, von der er und seine Familie ganz gut leben können und die, wie er hofft, irgendwann von seinem Sohn Tom weitergeführt wird. Doch Tom ist am College und entwickelt sehr viel mehr Interesse für die Literatur und für umweltpolitische Themen als für die alte Bienen-Farm seines Vaters. Einmal im Jahr fährt George auch mit seinen Bienen zu einem befreundeten Blaubeer-Farmer, damit seine fleißigen Helferlein dort die Blüten bestäuben, eine Praxis, die andere Imker noch sehr viel exzessiver durchführen. Die Saison beginnt gut, doch dann findet er einen Bienenstock nach dem anderen leer vor…das große Bienensterben, der sogenannte CCD – Colony Collapse Disorder hat begonnen und leitet damit einen Wandel in der Welt ein, der in der Zukunft als der Kollaps bezeichnet werden soll…

…einer Zukunft im Jahr 2097, in der Tao mit ihrem Mann Kuan und ihrem Sohn Wie-Wen in einer kleinen Wohnung in China wohnt. Eine Zukunft, in der es keine Bienen mehr gibt, in der aufgrund der fehlenden Bestäubung und der somit fehlenden Pflanzen eine enorme Nahrungsmittelknappheit herrscht. Im Gegensatz zu Amerika und Europa hat China es geschafft die Handbestäubung durch Menschen durchzusetzen. Ein mühsamer Job, der aber auch Taos Lebensunterhalt sichert. An einem ihrer wenigen freien Tage passiert jedoch bei einem gemeinsamen Picknick etwas mit ihrem Sohn. Sie ließen ihn nur kurz aus den Augen und als sie ihn wiederfinden, ist er leichenblass und kann kaum atmen. Er wird mit einem Krankenwagen abgeholt und weggebracht…was mit ihm geschehen ist, will ihnen niemand sagen und so macht sich Tao auf die Suche nach Wei-Wen und nach der Wahrheit.

Meine Meinung

Die Idee hinter diesem Buch ist originell und sehr interessant. Es greift ein unglaublich wichtiges Thema auf, das meiner Meinung nach öffentlich noch viel zu wenig diskutiert wird. Der Colony Collapse Disorder ist keine Fiktion sondern durchaus problematische Realität. Genaue Ursachen können oft nicht wirklich festgestellt werden, aber auch Pestizide, Monokulturen und die Varroamilbe, die sich immer weiter ausbreitet, sind Realität und werden in diesem Roman als die Hauptursache angeführt.
Wenn es keine Bienen mehr gibt, werden keine Blüten mehr bestäubt, folglich gibt es keine Früchte mehr und Pflanzen können sich auch nicht mehr vermehren. Wenn es keine Pflanzen mehr gibt, können auch die ganzen Schweine und Rinder mehr gefüttert werden…wer dann am Ende dran glauben muss, kann sich jeder denken.
Diese Entwicklung über mehr als zwei Jahrhunderte anhand von familiären Schicksalen zu erzählen, die irgendwie mit den Tierchen verbunden sind, ist eine schöne und interessante Art, dieses ernste Thema aufzugreifen.

Leider hatte ich das Gefühl, dass wir bei den drei Familien nur an der Oberfläche kratzen. Die Charaktere werden nur knapp beschrieben und vor allem durch ihre Funktion im Buch definiert: Ihr Leben wird durch die Bienen bestimmt!

Tao ist die einzige Protagonistin, durch die ein bisschen Spannung aufkommt, die Stärke zeigt und bei deren Geschichte ich als Leser richtig mitgefiebert habe.

Der Roman ließ sich dank eines einfachen Schreibstils flüssig lesen und obwohl oft die Spannung fehlte, und ich die Charaktere als sehr flach wahrgenommen habe, konnte ich ihre Verzweiflung gut verstehen. Gerade bei George, für den seine Bienen der Lebensinhalt und nicht nur Existenzgrundlage sind, konnte ich sehr gut mitfühlen, als er die Kästen öffnet und feststellen muss, dass sie weg sind. Die häufigen Perspektiv- und Zeitwechsel führten zudem zu einem hohen Tempo der Erzählung und ließen keine Langeweile aufkommen. Mir hat sehr gut gefallen, dass man so immer mehr Zusammenhänge entdecken konnte.
Außerdem wird einem dadurch erschreckend bewusst, wo wir bereits stehen, wohin unsere heutige Landwirtschaft führen kann und dass sich schnell etwas ändern muss.

Nachdem die Geschichte anfänglich lange so vor sich hin geplätschert ist, kam mir das Ende dann etwas zu schnell, unerwartet war es für mich hingegen keineswegs. Mir war ziemlich direkt klar wohin die Geschichte führen würde. Ich war daher etwas enttäuscht, dass wir nicht noch ein bisschen mehr erfahren haben. Der Kollaps selber wird zum Beispiel nur als geschichtliches Ereignis angesprochen. Es wird erklärt, dass China die Krise durch die Handbestäubung weltweit am Besten abwenden konnte, aber was aus dem Rest der Welt geworden ist bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Die schockierende apokalyptische Atmosphäre, die dem Thema noch einmal Nachdruck verleihen würde, blieb somit aus. Einen nur kurzen Einblick erhaschen wir, als Tao versehentlich in die Randbezirke Pekings gerät…

Fazit

Ich kann auf jeden Fall empfehlen, dieses Buch zu lesen. Alleine wegen des Themas und seiner Relevanz ist es meiner Meinung nach ein Buch, dass sich jeder mal zu Gemüte führen sollte. Großartige Spannung oder eine toll ausgebaute Familiensaga sollte man aber nicht erwarten. Trotz einiger Kritikpunkte habe ich das Buch sehr gerne und zügig gelesen und immer wieder mit Freude zur Hand genommen. Auch wenn mich die Charaktere nicht hundertprozentig Überzeugen konnten, so haben mir die Bienen umso mehr am Herzen gelegen und ich wurde umweltpolitisch noch einmal richtig wachgerüttelt und berührt.

Der erste Eindruck:  4,5sterne
Die Story:  4Sterne
Die Charaktere: 3sterne
Die Erzähltechnik: 5Sterne
Schreibstil: 3,5Sterne
Aussage:  5Sterne
Titel/Cover dieser Ausgabe: 5Sterne

Fazit:   4,5sterne4,3 Sterne!

 

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich vielmals beim Blogger-Portal und dem btb Verlag!

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