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[Rezension] „Der Weg der Highlanderin“ von Eva Fellner

Enjas Geschichte geht weiter! Für alle, die Band 1 noch nicht kennen: Hier kommt ihr zu meiner Rezension zum ersten Band.

In Band 1 „Die Highlanderin“ lernten man die junge Enja kennen, die in frühester Kindheit auf eine Schiffsreise mit unbekanntem Ziel von Island aus geschickt wird und, nachdem das Schiff verunglückte, von Menschenhändlern gerettet und in den Orient verschleppt wird. Dort machte sie vieles durch. Sie flieht aus einem Harem, lebt auf der Straße, lernt an der Seite eines Medicus die orientalische Heilkunst und wird zuletzt zur Assassinin ausgebildet. Durch die Zeitsprünge, die es bereits in Band 1 gibt, bekommt man zudem bereits Einblicke in das Leben, das Enja später in Schottland auf der Burg Caerlaverock führt. Auch dort macht der Krieg zwischen den Engländern und den schottischen Clans keinen Halt macht, obwohl Enja eigentlich nur eins will: Ihre Unabhängigkeit und Freiheit.

Worum geht’s?

In Band 2 „Der Weg der Highlanderin“ begleiten wir Enja nun auf der einen Zeitebene zunächst auf Ihrer Reise aus dem Orient zurück nach Schottland und dann in die immer enger werdenden Verstrickungen des Schottischen Unabhängigkeitskrieges.
Sie trifft alte Verbündete und alte Feinde wieder und muss sich letztendlich doch klar für eine Seite entscheiden. Welche das sein wird, entscheidet sich recht schnell, als sie wieder auf den Clanführer James Douglas trifft, den sie seit ihrer ersten Begegnung nicht mehr vergessen konnte. Immer wieder sind es ihre klugen Einfälle und ihr kämpferisches Geschick, die ihren Verbündeten aus der Patsche helfen und doch steht ihr, als es dann darauf ankommt wieder eines im Weg: sie ist eine Frau, in einer Welt, in der Frauen nur ein hübsches Anhängsel der Männer sein sollen. Und während ihre Heilkünste noch weitverbreitetes Ansehen finden, soll sie dem Schlachtfeld doch bitte fern bleiben. Aber Enja wäre nicht Enja, wenn sie das einfach so hinnehmen würde.

Meine Meinung

Wie ich bereits in meiner Rezension zum ersten Band erklärte, gehören historische Romane eigentlich gar nicht zu meinen bevorzugten Genres. Irgendwas, hat mich jedoch an der Figur Enja sofort angesprochen, weshalb ich mich entschied, den Büchern eine Chance zu geben.
Und Enja ist auch weiterhin das, was die Bücher für mich besonders macht und mich dazu gebracht hat, weiterzulesen. Ich wollte einfach wissen, wie es für sie weitergeht!

Viele historische Romane, die im Mittelalter spielen, haben weibliche Protagonistinnen. Meist sind es dann jedoch Hebammen, Heilerinnen [hier bitte sonstiges, das damals für Frauen irgendwie angebracht war einfügen] oder Töchter von irgendwem. Enja aber ist eine ausgebildete Kriegerin, die zunächst niemanden hat, außer sich selbst, ihr Pferd und einen alten Freund. Sie hat keine Wurzeln und gleichzeitig sehr viele, die sie in sich zusammenfügt.
Und sie ist nicht „die Eine“ große, gottgleiche Kriegerin, sondern sie versammelt andere Frauen um sich, die sie bestärkt und ebenfalls in Kampf- und Heilkunst ausbildet. Das finde ich in diesem allgemein, aber für Frauen insbesondere düsteren Setting des Mittelalters einfach eine sehr schöne Vorstellung.

Dennoch muss ich sagen, dass auch dieser zweite Band für mich einige Schwächen hatte und mir etwas weniger als der erste gefallen hat.
Ich hatte zunächst große Schwierigkeiten wieder in die Geschichte hineinzukommen. Denn wie schon im ersten Band gibt es viele Zeit- und Ortswechsel. Die Bücher haben ein sehr hohes Tempo, was einerseits gut ist und zur Spannung beiträgt aber auch verwirrend sein kann und manchmal verhinderte, dass ich in manchen Situationen überhaupt richtig ankommen konnte.

Noch mehr als im ersten Band – zumindest kommt es mir so vor – werden wir Lesenden auch mit historischem Hintergrundwissen versorgt, das helfen soll, die Ereignisse einzuordnen. Zwar ist die Autorin, wie sie auch selbst in ihrem Nachwort erklärt, mit vielen historischen Persönlichkeiten und deren Einordnung in ihre Geschichte, eher kreativ umgegangen, weshalb man hier keine historisch korrekte Abbildung erwarten darf. Dennoch lässt sie auch immer wieder bestimmte Situationen – in diesem Band vor allem im Kontext der Schottischen Unabhängigkeitskriegen – einfließen, die laut ihrer Aussage tatsächlich so belegt sind. Das fand ich einerseits spannend, im Zusammenhang mit der sowieso schon action- und temporeichen Geschichte aber manchmal auch etwas viel.

Zudem kommt es wieder in vielen eigentlich ausweglosen oder zumindest sehr brenzligen Situationen sehr schnell zu Auflösungen zugunsten von Enja und ihren Verbündeten, die mich dann manchmal doch ungläubig den Kopf schütteln ließen. Andererseits diente natürlich auch dies wieder der guten Unterhaltung und führte dazu, dass ich das Buch etwa ab der Hälfte, fast in einem Rutsch las, da ich einfach wissen wollte, wie es jetzt für Enja ausgeht.

Nun ja, was soll ich sagen. Es passieren einige Dinge – vor allem zum Ende hin-, die ich teilweise so habe kommen sehen, aber gehofft habe, dass ich nicht Recht behalte, da ich sie manchmal zu vorhersehbar und manchmal auch irgendwie unpassend fand. Genauer kann ich hier nicht darauf eingehen, ohne zu spoilern.

Im Gegensatz zum ersten Band, bekommen wir hier noch eine richtige Liebesgeschichte dazu, die sich natürlich in Band 1 schon andeutete. Ich kann, wie gesagt, bei historischen Romanen nicht auf große Erfahrungswerte zurückgreifen, aber ich war überrascht über die doch teils sehr detailliert beschriebenen Liebesszenen, die mich eher an New Adult Romance Romane erinnerten. Das hätte ich persönlich nicht gebraucht, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Im Gegensatz zu Enja, die ein sehr detailliert beschriebener, wenn auch fast zu makelloser und in ihren Werten fast schon übermenschlicher Charakter ist, bleibt James Douglas für mich hingegen etwas farblos und opportunistisch, weshalb ich mich manchmal fragte, was eine so außergewöhnliche Frau wie Enja, an ihm eigentlich so interessiert, dass sie bereit ist, für ihn ihre hart erkämpfte Freiheit wieder einzuschränken. Gut, bei den politischen Verstrickungen hatte sie auch sonst keine große Wahl.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es einiges gibt, das mich an diesem Buch gestört hat und es mich nicht ganz überzeugen konnte und dennoch habe ich es ab der zweiten Hälfte wieder einmal verschlungen. Enja ist einfach eine mitreißende Figur, das vom Krieg gebeutelte mittelalterliche Schottland und die Landschaftsbeschreibungen schafften es doch irgendwann mich in ihren düsteren Bann zu ziehen und die spannungsreiche Geschichte hatte einfach einen großen Unterhaltungswert.
Für Leser*innen, die historische Romane mögen und auch auf eine Liebesgeschichte nicht verzichten möchten, kann ich diesen Roman trotz einiger Schwächen durchaus empfehlen.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an die Autorin und den Aufbau Taschenbuch Verlag.

Anzeige// Angaben zum Buch

Titel: Der Weg der Highlanderin
(Band 2)
Autorin: Eva Fellner
erschienen am: 11. Oktober 2021
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Seiten: 501
ISBN: 978-3-7466-3830-0
Preis (Taschenbuch): 15,00€

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