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Rezension: “Sumerland Band 2: Prinz Zazamael” – Johannes Ulbricht


 Titel: Sumerland Band 2: Prinz Zazamael
(zur Rezension von Band 1: Prinzessin Serisada)
Autor: Johannes Ulbricht
Verlag: Panini (erschienen am 22. August 2016)
Seiten: 368 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3833233708
Preis (Taschenbuch): 14,99€ (eBook: 11,99€)

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Klappentext

Serisada ist verschwunden, als das flüssige Silber ihr Stadtviertel überflossen hat. Damit gilt ihr Tod als hundertprozentig gewiss, denn das Silber ist der geheime Schrecken und das schmutzige Geheimnis hinter der glamourösen Fassade der Stadt. Das Silber wartet unten im Stadtkegel, um früher oder später alles aufzunehmen, was die Zivilisation von Waylhaghiri produziert. Prinz Zazamael ist seit jeher von Prinzessin Serisada besessen, weil nur sie für ihn ein gleichwertiges Gegenüber sein kann und keine Marionette – nur durch sie kann er den „wilden Wein“ erlangen und die große Fusion zur Verschmelzung von Traum und Realität herbeiführen. Die Nachricht vom Tod von Prinzessin Serisada führt dazu, dass er sich selbst und sein Königreich verkommen lässt. Serisada hat aber entgegen alle Wahrscheinlichkeit überlebt. Stockwerk für Stockwerk, Zivilisationsepoche für Zivilisationsepoche kämpft sie sich den Stadtkegel empor und schafft es schließß – lich, in Waylhaghiri eine Revolution auszulösen. Sie endet im Zweikampf mit Zazamael. Die Stadt geht in einer unkontrollierten großen Fusion unter und Sumerland und Waylhaghiri, Wirklichkeit und Traum, Natürlichkeit und Ästhetik verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit. Beide Königskinder finden sich in einer menschenleeren Welt auf der anderen Seite des Silberspiegels wieder und entdecken dort, was aus all den Dingen und Leuten geworden ist, die im Lauf der Jahrhunderte in das flüssige Silber gestürzt sind. Die Entwicklungen in den beiden phantastischen Königreichen haben spürbare Auwirkungen auf unsere alltägliche Zivilisation, die ja nichts anderes als ein Zerrbild der dahinterliegenden eigentlichen Wirklichkeit ist. Ob spielende Kinderbanden in den Sommerferien oder eine vierzigjährige Single-Frau auf der Suche nach der einen großen Liebe – wir alle spüren die Wahrheit von Sumerland und Waylhaghiri tief in unserem Blut. Das Wissen um die dahinterliegende Wirklichkeit von Sumerland und Waylhaghiri liefert die Erklärung für Vieles in unserer Gesellschaft, das bei genauerer Betrachtung weniger selbstverständlich ist als eigentlich sogar ziemlich sonderbar.

Auch bei Band zwei finde ich, dass der Klappentext wieder viel zu viel verrät, weshalb ich auch getrost auf eine Zusammenfassung des Inhalts verzichten kann.
Nachdem Band 1 in großen Teilen verwirrend war, bekam ich mit Band 2 das Gefühl, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag, dass man die Geschichte als große kapitalismuskritische Metapher und ein Spiegelbild unserer Gesellschaft verstehen kann. Das war eigentlich schon in Band 1 klar, doch, das ganze Ausmaß wird erst hier richtig deutlich. Zudem werden einige Orte besser beschrieben und ach die Spannung nimmt zu, die Erzählstränge wechseln sich häufig ab und das Erzähltempo zieht somit an. Sehr schön werden die Tiefen der Stadt beschrieben, von wo aus sich die Prinzessin nun erneut hochkämpfen muss und man bekommt endlich ein besseres Bild von der Trichterstadt. Gleichzeitig werfen diese Gegenden, die eine Art Zwischenwelt darstellen und nicht richtig zur Stadt gehören, auch weitere Fragen auf und lassen weitere Assoziationen zu unserer Welt zu.
Die Charaktere blieben für meinen Geschmack aber weiterhin etwas schwach, doch die Geschichten hatten sich nun schon soweit verselbstständigt, dass ich irgendwie besser darüber hinwegsehen konnte, wie wenig man eigentlich über sie weiß.
Es wird immer deutlicher, das Susannes Spiel genau die Geschehnisse im Sumerland beinhaltet, weshalb der Verdacht aufkommt, dass alle Menschen eigentlich nur ein Haufen ganz in ihrem Spiel versunkener Kinder sind? Wer weiß?
Desweiteren werden die Gegensätze von Sumerland und Waylhaghiri verdeutlicht aber auch ihr Zusammenhang dargestellt und erklärt.
Der Handlungsstrang um die namenlose Ich-Erzählerin störte mich weiterhin ein bisschen, da er, in der Scheinwelt (also der uns bekannten ‘realen Welt’) spielend, sehr von den anderen Handlungssträngen losgelöst wirkte. Statt Zusammenhänge zu erklären, verwirrte er mich nur weiterhin. Aber auch dieser beinhaltete wieder sehr schöne satirische Elemente, wie z.B. dass die namenlose Protagonistin eine Firma gründet, die in einer Datenbank natürliche Erlebnisse speichert und wiederum damit Geld macht, dass Leute diese Erlebnisse teilen und sogar Merchandise-Artikel dazu kaufen. Das sind dann so Erlebnisse, wie morgendliches Vogelgezwitscher beim Waldspaziergang oder Sonnenstrahlen auf der Haut im Straßencafé. Das erinnert doch sehr an die heute scheinbar tatsächlich verbreiteten ungeschriebenen Gesetze wie “Wenn du es nicht in social- media postest, ist es nicht passiert”. Kleine Anmerkung: dies ist nur ein Detail von vielen bemerkenswerten kritischen und satirischen Aspekte, die in der Story verteilt sind. Ein weiterer verbirgt sich schon in der Architektur des Turms dessen Böden nach oben hin immer abschüssiger Richtung Trichterinnenseite werden, ganz nach dem Motto: wer höher kommt, kann tiefer und vor allem schneller fallen?

Besonders schön finde ich auch, wie sich Susannes Geschichte immer mehr mit der Geschichte von Sumerland und Waylhaghiri verknüpft, bis beide Erzählstränge am Ende etwa am selben Punkt ankommen, was wiederum einige Geschehnisse erklärt. Genauso rasen die Erzählstränge von Serisada und Zazamael auf ihre Begegnung zu, welche ebenfalls bedeutungsvolle Zusammenhänge freilegt.
Wenn jedoch die Entwicklungen im Sumerland unsere alltägliche Zivilisation beeinflussen sollen, wie es der Klappentext erklärt, wundert es mich, dass die namenlose Erzählerin, die ja in dieser lebt, nicht wirklich etwas davon mitzubekommen scheint…andererseits…vielleicht stellt ihr Sinneswandel, nicht mehr dem Erfolg und dem großen Geld hinterherzulaufen, sondern sich mit weniger zufrieden zu geben, den Niedergang Waylhaghiris dar? Hier fehlen mir wieder andere unwissende Charaktere, die ganz in dieser alltäglichen Illusion leben, um das deutlich werden zu lassen. Ihr seht, ganz hat sich meine Verwirrung immer noch nicht verflüchtigt und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Anspielungen, Metaphern und parallelen zu unserer Welt sowie Zusammenhänge in der Geschichte fallen mir auf.

Und genau das ist es, was das Buch meiner Meinung nach zu etwas ganz Besonderem macht und weshalb die Duologie als Gesamtpaket noch einige Schwächen aus dem ersten Band wieder gut macht…man kann so unglaublich viel Kritik an unserer Gesellschaft und unserem Konsumverhalten, unserem blinden Ehrgeiz und dem Abwenden von jeglicher Natur einerseits und dem fast schon wieder ausufernden ökonomischen Konsum natürlicher Dinge und der Natur selbst andererseits darin erkennen.

Fazit

Am Ende sind einige Fragen beantwortet und Zusammenhänge erklärt, doch bleibt eine große Frage offen und das finde ich gar nicht schlimm, da jedem die Interpretation selbst überlassen bleibt und die Geschichte somit unglaublich viel Stoff zum Nachdenken liefert.
Ich jedenfalls habe nun auch das Gefühl, immer wieder Fetzen vom Sumerland und von Waylhaghiri hinter unserer Realität zu erkennen.
Johannes Ulbricht hat unsere tatsächlich manchmal unglaubliche Realität mit ihren alltäglichen Manipulationen, Fassaden und Sachzwängen genommen und eine fantastische Geschichte darum gesponnen, die zum Nachdenken anregt.
Ein einfaches Fantasy-Abenteuer sollte man hier nicht erwarten, wer aber bereit ist, hinter die Kulissen zu schauen, nachzudenken, immer wieder die Geschichte mit unserer Welt zu vergleichen und sich auf seine eigenen Interpretationen zu stützen und nach Zusammenhängen zu suchen, der wird diese Saga lieben!

Der erste Eindruck:  4,5sterne
Die Story:  4Sterne
Die Charaktere: 1,5sterne
Die Erzähltechnik: 5Sterne
Schreibstil: 4,5sterne
Aussage/Bedeutung:  5Sterne
Titel/Cover dieser Ausgabe: 4Sterne

Fazit:  4,5sterne   4,1 Sterne!

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar, Johannes Ulbricht!

 

 

 

 

 

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3 Kommentare

  1. Nachdem dein Fazit zum zweiten Band doch so gut ausgefallen ist, ist mein Interesse an dieser Reihe absolut geweckt! Vor allem der gesellschaftskritische Aspekt und die relativ freie Interpretation reizen mich :) Weißt du zufällig, ob es bei einem Zweiteiler bleibt oder ob mehr Bände in Planung sind?
    Liebste Grüße,
    Ida

    • Ich denke es ist ein Zweiteiler. Nach Band 2 gibt es schon einen Abschluss auch wenn man diesen frei interpretieren kann.
      Bisher habe ich nichts gegenteiliges gehört, die Saga wird überall als Zweiteiler oder Duologie genannt…:)

      • Danke dir! Stimmt, verschiedene Internetseiten haben es als Band 1/2 von 2 angegeben – dann ist es wohl als Zweiteiler schon vollständig. Wie ich mich kenne, werde ich da jetzt noch eine Weile drum herum schleichen, bevor es dann doch auf der Wunschliste landet :D

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