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[Rezension] “Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle” von Stuart Turton

Als dieser Lesevorschlag von Netgalley in mein E-Mail Postfach hereinflatterte, war ich vom Klappentext sofort begeistert. Die Sieben Tode der Evelyn Hardcastle klang für mich nach einem spannenden Krimi in bester Agatha Christie-Manier, der den Leser herausfordern würde mitzurätseln. Leider konnte der Roman meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen.

Klappentext

Maskenball auf dem Anwesen der Familie Hardcastle. Am Ende des Abends wird Evelyn, die Tochter des Hauses, sterben. Und das nicht nur ein Mal. Tag für Tag wird sich ihr mysteriöser Tod wiederholen – so lange, bis der Mörder endlich gefasst ist.
Familie Hardcastle lädt zu einem Ball auf ihr Anwesen Blackheath. Alle Gäste amüsieren sich, bis ein fataler Pistolenschuss die ausgelassene Feier beendet. Evelyn Hardcastle, die Tochter des Hauses, wird tot aufgefunden. Unter den Gästen befindet sich jemand, der mehr über diesen Tod weiß, denn am selben Tag hat Aiden Bishop eine seltsame Nachricht erreicht: »Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.« Tatsächlich wird Evelyn nicht nur ein Mal sterben. Bis der Mörder entlarvt ist, wiederholt sich der dramatische Tag in Endlosschleife. Doch damit nicht genug: Immer, wenn ein neuer Tag anbricht, erwacht Aiden im Körper eines anderen Gastes und muss das Geflecht aus Feind und Freund neu entwirren. Jemand will ihn mit allen Mitteln davon abhalten, Blackheath jemals wieder zu verlassen.

Meine Meinung

Ein altes abgelegenes Anwesen in England, ein Maskenball und ein Mord, der zunächst gar nicht nach einem Mord aussieht. Viele Gäste mit pikanten Geheimnissen und jeder könnte es gewesen sein. Das sind die perfekten Zutaten für einen Krimi nach meinem Geschmack. Ein klassisches Whodunnit, bei dem man ordentlich miträtseln kann, mit einer hoffentlich spektakulären und schlüssigen Auflösung. Das war es was ich erwartet habe.
Leider habe ich beim Lesen des Klappentextes den notwendigen Fantasy-Anteil nicht wirklich bedacht. Immerhin wacht der Protagonist jeden Tag in einem anderen Körper auf. Eine spannende Idee, die Umsetzung gefiel mir jedoch nicht so sehr.
Aiden weiß weder, wer er ist, noch wieso er eigentlich auf Blackheath ist. Auch sein Name und die Tatsache, dass er nicht einer seiner Wirte ist, ist ihm nicht sofort bewusst. Erst als ein mysteriöser Mann in einem Pestdoktor-Kostüm an ihn herantritt und ihm erklärt, dass er den Mord an Evelyn Hardcastle aufklären muss, wenn er Blackheath jemals wieder verlassen will, kommt etwas Licht ins Dunkel. Er erfährt, dass er so lange jeden Tag im Körper eines anderen aufwachen wird und dass er außerdem Konkurrenten in Blackheath hat, die das gleiche versuchen wie er und ihn am Entkommen hindern wollen.
Erst ziemlich zum Schluss erklärt sich – ohne spoilern zu wollen – dann zumindest warum Aiden und die anderen da sind. Übrigens eine ziemlich spannender Ansatz, der aber leider nicht weiter ausgeführt wird. Ich könnte sehr gut damit leben, wenn sich herausstellen würde, daß Aiden mit einem Fluch belegt wurde oder wenn Blackheath eine Art Virtual Reality wäre, in der Aiden wie in der Matrix gefangen ist. Mit ein bisschen Fantasy oder Science Fiction hätte ich kein Problem, wenn es denn erklärt würde. Aber leider erfährt man nicht viel zum Hintergrund.
Mit 605 Seiten ist die Geschichte auch nicht gerade kurz und obwohl mir der Schreibstil wirklich gefallen hat, musste ich mich ziemlich durchkämpfen. Auf Und täglich grüßt das Murmeltier-Art ein und den selben Tag immer wieder zu erleben, hat mich irgendwann genervt, vor allem, weil ich mit Aiden, der ja durch seinen Gedächtnisverlust keine wirkliche Identität hat, aber in seinem Charakter immer wieder von den unterschiedlichen Wirten beeinflusst wird, nicht richtig warm werden konnte. Die offenen Fragen werden immer mehr, der Tag wiederholt sich immer wieder, während man über weite Teile des Buches nicht das Gefühl ha, dass Aiden der Lösung näher kommt, obwohl es spannend ist, die unterschiedlichen Blickwinkel präsentiert zu bekommen.
Ich habe es bei der Komplexität, all den verwirrenden Wendungen und losen Fäden kaum für möglich gehalten, aber zumindest ist die Aufklärung des Mordes letztlich sehr schlüssig, weshalb das Buch am Ende doch noch einen fetten Pluspunkt von mir bekommt. Insgesamt lässt sich der Roman flüssig lesen, denn der Autor überzeugt mit einem schönen Schreibstil, der einen in die düstere Atmosphäre des Anwesens nachempfinden lässt. Dennoch muss man gut aufpassen, da eine Vielzahl an Personen eingeführt wird und der Protagonist oft schon einen Schritt weiter ist, ohne seine Handlungen zu erklären. Die verschiedenen Personen, die unterschiedlich viel wissen, und die Komplikationen, die darauf beruhen, dass Aiden ein und den selben Tag, acht Tage hintereinander durchlebt und somit für die Handlungen mehrerer Personen an diesem einen Tag verantwortlich ist (na, schon durcheinander?), führten bei mir oft zu großer Verwirrung und manche Kleinigkeiten konnte ich bis zum Schluss nicht ganz nachvollziehen. Das hat den Lesegenuss etwas getrübt.

Fazit

Ein spannender und komplexer Mordfall, der auf sehr unübliche und oft sehr verwirrende Weise aufgelöst wird. Ich würde den Roman nicht als den klassischen Krimi bezeichnen, den ich mir erhofft hatte. Die mysteriöse Art und Weise, wie Aiden in Blackheath festgehalten und gezwungen wird, den selben Tag immer wieder in anderen Körpern zu durchleben, gehen natürlich über einen klassischen Krimi hinaus.
Mich haben die fehlenden beziehungsweise nur angekratzten Erklärungen des Hintergrundes des Protagonisten und der anderen wichtigen Personen sowie der Endlosschleife, in der sie sich befinden leider doch etwas gestört, sodass ich mich nicht ganz auf die Geschichte einlassen konnte. Die wirklich schlüssige und komplexe Auflösung des Mordfalls, haben dann, trotz des verwirrenden und anstrengenden Weges dorthin, für mich einiges wieder gut gemacht.

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