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[Rezension] “Bildung – eine Anleitung” von Jan Roß

Als ich über dieses Buch gestolpert bin, hat alleine schon das Cover mein Interesse geweckt.
Ich kann ehrlich gesagt nicht genau erklären, was ich mir genau von dem Buch versprochen hatte. Aber ich hatte nochmal Lust auf ein Sachbuch und dachte mir: “Bildung” ist doch ein spannendes und breit gefächertes Thema.
Der Klappentext gibt meiner Meinung nach nicht viel her, um das Buch besser einordnen zu können. “Wie wird man ein gebildeter Mensch?” Steht dort zu Beginn die Frage, die dieses Buch dann wohl beantworten soll. Das Buch soll einen laut Klappentext auf eine Reise ins antike Griechenland, nach Rom, zu Shakespeare, Kant und Mozart zu Wissenschaftlern wie Darwin oder Revolutionären wie Rosa Luxemburg begleiten und dem Leser zeigen, wie man das Vermächtnis dieser Dichter, Denker und Künstler zu Hilfe rufen kann, um sich im Leben zurechtzufinden. Dabei möchte er den Lesern zeigen, wie man Zugang zu dieser Welt der – ich nenne sie mal – klassischen Bildung finden kann.

Also zurück zu dem was ich erwartet habe: einen guten Überblick über die wichtigsten Intellektuellen, Künstler, Wissenschaftler und insgesamt bedeutsame Personen, der das Interesse weckt, sich näher mit dem ein oder anderen Thema oder Gedanken auseinanderzusetzen.
Total daneben lag ich damit auch nicht. Was ich allerdings so nicht erwartet habe, war, einen doch sehr persönlichen Bericht des Autors darüber, wie er eben Zugang zu dieser Welt der klassischen Bildung fand, vorzufinden.

Es ist nämlich so, dass Jan Roß keinesfalls aus einer bildungsfernen Familie stammt. Nein er entdeckte schon als Kind klassische Musik für sich, ging mit seinen Eltern ins Theater und in die Oper, besuchte ein humanistisches Gymnasium, studierte dann klassische Philologie, Philosophie und Rhetorik, arbeitete erst als Feuilletonredakteur der FAZ und nun im politischen Ressort der Zeit. Er ist also niemand, der erst spät und schwerlich Zugang zu dieser Welt finden musste. Er wurde dort eher hinengeboren und wurde zum Experte für das, was man als klassisches Bildungsgut bezeichnen könnte.

Zu Beginn stellt er auch klar, dass ihm bewusst ist, dass er eine besondere Form der Bildung genossen hat und keinesfalls mit seinem Wissen angeben möchte. Das kam für meinen Geschmack jedoch teilweise etwas anders herüber. Manchmal kam mir das Ganze etwas hochgestochen und eben sehr stark auf das humanistische Verständnis von Bildung bezogen bzw. beschränkt, vor. Ich denke, dass “Bildung” – zumindest heute – etwas weiter gefasst werden kann und dennoch muss ich dem Autor zustimmen, dass diese klassischen Bildungsinhalte sehr wichtig sind, da sie einen zeitlosen Wert besitzen und vieles, was danach kam sich immer darauf bezieht und man eben auch heute noch sehr viel daraus mitnehmen kann.
Trotz der persönlichen Note schafft Roß es nämlich in jedem Kapitel die Bedeutung dieser Bildungsinhalte für die Menschheit herauszustellen. Er erklärt, wie wichtig erfundene Welten und Geschichten sind, da wir uns in sie hineinversetzen und aus ihnen lernen, merken, dass wir mit gewissen Problemen nicht alleine sind. Er beschreibt die Bibel als Entwicklungsroman der Menschheit, Bücher als Freunde und den Wert von Wissenschaft und Philosophie, die mit ihren Entdeckungen, die Welt regelmäßig auf den Kopf stellen. Er hebt hervor, welche Bedeutung Kunst und die Bewunderung haben, dass Musik sich noch von anderen Künsten abhebt, weil sie direkt in die Seele geht und er erklärt, wie wir durch wichtige politische Vordenker und Rebellen Freiheit lernen konnten und können. Und am Schluss versucht er die Frage zu klären, ob Bildung uns denn nun zu besseren Menschen macht.
Zwar sind die Beispiele, die er nennt, eben die, die er persönlich für besonders Wichtig hält, mit denen er viel verbindet und dennoch schafft er es dann, die allgemeine Funktion und den Wert von Büchern, von Musik, wissenschaftlichen Entdeckungen, revolutionären Gedanken, Geschichten und Kunst hervorzuheben. Einfach ausgedrückt: Bildung passiert seiner Meinung nach nicht dadurch, dass man einen bestimmten Kanon von vermeintlich wichtigen Büchern liest, sondern dadurch, dass man beginnt, seinen Horizont zu erweitern, indem man überhaupt liest und sich in Geschichten hineinversetzt.

“Denn jenseits von Karriere, Politik und Angeberei bedeutet Bildung etwas sehr Einfaches: dass wir nicht allein sind beim Versuch, das Leben zu meistern und die Welt zu verstehen.”

Bildung – eine Anleitung, Jan Roß, S. 13

Obwohl mir zwischenzeitlich manchmal innerhalb der Kapitel der rote Faden etwas gefehlt hat und mich nicht alle Kapitel gleichermaßen fesseln konnten, muss ich dennoch sagen, dass dieses Buch einen sehr interessen Überblick bietet und vor allem den Wert der Bildung, ja vielleicht auch besonders den Wert und die Bedeutung dieser alten, klassischen, heute oft etwas verkannten Bildung darstellt.
Der Autor kommt geradezu ins Schwärmen, wenn er erklärt, was Bildung für in bedeutet und wenn er von bestimmten Schlüsselerlebnissen in seinem Leben erzählt, davon wie ein klassisches Stück ihn berührt, eine griechische Heldensaga ihn gefesselt oder die Geschichte einer Revolutionärin ihn beeindruckt hat. Und diese Fsazination steckt an! Man bekommt Lust, sich näher mit den Werken und den Personen, die er anspricht, zu beschäftigen!
Vielleicht sollte das Buch eher Bildung – eine Liebeserklärung heißen.
Denn meiner Meinung nach geht es darin vielmehr darum, den Wert und die Bedeutung von Bildung – gerade der klassischen – zu unterstreichen, als darum, eine “Anleitung” zu geben, wie man Zugang zu eben dieser finden kann. Es ist eher ein Denkanstoß, die Bildung, die man vielleicht zumindest ansatzweise in der Schule genossen hat, zu vertiefen und zu nutzen, indem man sie auf neue Situationen überträgt und ihren beständigen Wert zu erkennen, als darum, einen Leitfaden zu geben, wie man überhaupt erst einmal Bildungsinhalte kennenlernen kann.

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung meines Rezensionsexemplars!

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Titel: Bildung – Eine Anleitung
Autor: Jan Roß
Verlag: Rowohlt Berlin
erschienen am: 28.01.2020
Seiten: 320
ISBN: 978-3-7371-0047-2

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