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Rezension: “Flawed – Wie perfekt willst du sein?” – Cecilia Ahern

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Titel: Flawed – Wie perfekt willst du sein? (Teil 1)
Autorin: Cecilia Ahern
Übersetzerinnen: Anna Julia Strüh, Christine Strüh
Verlag: FISCHER FJB (29. September 2016)
Seitenzahl: 480
Preis: 18,99€ (Hardcover); 14,99 (eBook)
ISBN: 978-3841422354

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Der erste Eindruck: 4,5sterne
Die Story: 4Sterne
Die Charaktere: 2,5Sterne
Die Erzähltechnik:3sterne
Der Schreibstil: 3sterne
Titel und Cover:4Sterne
Mein Fazit:  3,5Sterne3,5 Sterne

Flawed ist der erste Teil von Cecilia Aherns Dystopie-Zweiteiler um die 17-jährige Celestine. Und da ich letzte Woche den zweiten Teil beendet habe, hier nun erst einmal  die Rezension zu Teil 1, den ich letztes Jahr gelesen habe.

Celestine wächst in einer Welt auf, in der sich alles darum dreht, perfekt zu sein.
Neben der Regierung hat sich daher “die Gilde” etabliert – eine Art Moralgericht, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen für “moralisch falsche” Entscheidungen zu bestrafen. Dazu sind überall im Land “Whistleblower” unterwegs, die fehlerhaftes Verhalten aufdecken sollen. Menschen die als fehlerhaft überführt wurden, werden nach einem eher wenig fairen Prozess mit einem “F” gebrandmarkt und leben fortan als Menschen zweiter Klasse nach strengen Regeln und unter ständiger Beobachtung eines für sie zuständigen Whistleblowers.

Bisher hat das Celestines Leben wenig berührt. Denn einfach alles ist “perfekt”: Sie ist hübsch, beliebt, hat sehr gute Noten in der Schule und mit ihrem Freund, dem Sohn des obersten Richters der Gilde, eine blühende Zukunft vor sich. Das Vorgehen der Gilde fand sie daher grundsätzlich nicht falsch, denn Fehlerhafte, müssen ja einen schwerwiegenden Fehler, einen Verrat an der Gesellschaft, begangen haben…oder?

Doch dann trifft sie eine Entscheidung aus reiner Menschlichkeit und bricht damit eine oberste Regel: sie hilft einem Fehlerhaften. Ihr droht eine Gefängnisstrafe und vielleicht sogar eine Brandmarkung. Sie hat die Möglichkeit, zu widerrufen, das alles als ein Versehen oder einen blöden Ausrutscher darzustellen und somit einer Strafe zu entgehen. Doch sie kann einfach nicht über ihre Überzeugung, das Richtige getan zu haben, hinwegsehen und beginnt, alles was sie kannte, in Frage zu stellen.
Das hat jedoch seinen Preis und Celestine muss anfangen zu kämpfen.

Dieses Buch war plötzlich überall. Wen wundert’s? Cecilia Ahern bringt zum ersten Mal einen Young Adult (oder All-Age?) Roman heraus und dann direkt eine Dilogie! Als ich dann den Klappentext gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich es lesen muss. Eine Dystopie! Ich liebe Dystopien!

Ich habe das Buch verschlungen. Es ist sehr leicht geschrieben und zudem total spannend. Langweilig wurde es wirklich nie. Es gab jedoch auch Vieles, das mich gestört hat.

Erzählt wird die Geschichte im Präsens aus der Ich-Perspektive von Celestine – eine Erzählform, die ich leider gar nicht mag und daher erst einmal abgeschreckt war. Nach ein paar Seiten hatte ich mich aber einigermaßen daran gewöhnt und es hat mich aufgrund der Spannung kaum noch gestört.
Was mich aber gestört hat, ist, dass  dadurch Eigenschaften natürlich oft wertend beschrieben anstatt gezeigt, Situationen schon analysiert, anstatt einfach erst einmal nur dargestellt werden.
Die Vorstellung, die der Leser von einer Person, oder einer Situation bekommen soll, wurde meiner Meinung nach somit oft irgendwie vorweggenommen, anstatt ihn seine eigenen Schlüsse aus der Handlung ziehen zu lassen. Das wirkte für mich dann oftmals eher plump. In Celestines inneren Monologen – un diese kommen sehr oft vor – werden ganze Szenen komplett rekapituliert, kommentiert und analysiert, was ich sehr oft als einfach zu viel empfunden habe. Ich hätte Celestine gerne mal zwischendurch gesagt: “Ja ich habe es auch gesehen/gehört – jetzt kannst du aufhören es mir zu erklären, ich kann selber denken!”. Das bringt die Erzählform natürlich einerseits mit sich, hätte aber vielleicht durch einen etwas weniger direkten oder erklärenden Schreibstil ausgeglichen werden können.

Das führte unter anderem auch dazu, dass ich auch die Charaktere eher wenig authentisch oder nur oberflächlich bzw. plakativ beschrieben fand. Celestine beschreibt sich selbst als sehr gute Schülerin mit einem besonderen mathematischen Verständnis, dass ihr zugute kommt, da sie darauf bedacht ist, für alles eine Lösung zu finden und immer logisch denkt. Ihre Schwester Juniper hingegen habe eine viel bessere Menschenkenntnis als sie. Das sind Informationen, die ich als eher irrelevant empfunden habe und die mir die Charaktere daher kein bisschen näher gebracht haben. Vor allem weil Celestines Entscheidungen eher “Bauchgefühlentscheidungen” sind und ihre Handlungen vor allem emotional geprägt sind. Ich möchte den Charakter in Situationen erkennen und nicht erklärt bekommen, wie ich ihn bitte sehen soll.
Celestines Charakter habe ich als eher flach und ein bisschen sprunghaft empfunden und Carrick, den sie während ihrer Gefangenschaft (als Zellennachbar) kennen lernt ist der typische große, schweigsame und etwas miesepetrige (gut in Anbetracht der Situation ist das vielleicht angebracht) Unbekannte (mit einer ganz schlimmen Vergangenheit!). Bevor Celestine seinen Namen kennt, ist er für sie nur der “Krieger”. Ganz ehrlich, das ist ein Charakter, den ich so langsam nicht mehr sehen kann: Edward Cullen, Christian Grey…ja, ich weiß, dass das interessant macht und das kann ich auch nicht abstreiten ABER wo bleiben die netten und witzigen und “normalen” Jungs, die auch mal das Mädchen abbekommen…gerade in Jugendbüchern? Daraus könnte man jetzt eine Gender-Diskussion starten…aber das lassen wir hier mal. Über Carrick erfahren wir sowieso noch viel zu wenig, als dass ich mir ein Urteil bilden würde. Wenn er nicht Zeuge einer Situation wäre, mit der Celestine wirklich etwas gegen die Gilde in der Hand hat, würde ich mich sogar wundern, warum er für Celestine überhaupt eine so wichtige Rolle spielt. Ich hatte jedenfalls nicht das Gefühl, dass da ein romantischer Funke übergesprungen ist…
Celestine hingegen kann ich bei ihrer charakterlichen Entwicklung im Laufe des Buches einfach nicht abkaufen, dass sie vorher nie über die Situation der Fehlerhaften nachgedacht hat, ja sogar das System mehr oder weniger unterstützt hat. Abgesehen davon, hat es mich gestört hat, dass Celestine selbst die ganze Zeit auf ihre Veränderung hingewiesen hat, also würde die Situation nicht ausreichen, das zu zeigen. Ich frage mich nur woher das plötzlich kommt.
Interessant finde ich hingegen Celestine’s Schwester Juniper, von der man bei ihrer Beschreibung eigentlich viel eher eine “rebellische” Reaktion erwartet hätte, die sich im entscheidenden Moment aber zurückhält. Dieser Rollenwechsel, mach die Beschreibung der beiden Charaktere meiner Meinung nach wiederum unglaubwürdig. Juniper spielt insgesamt eine sehr untergeordnete Rolle in der Geschichte, was ich eigentlich schade finde.

Dass die Ereignisse wie ein Bericht mit Kommentaren erzählt werden, nimmt einem zwar das Denken ab, macht es dafür aber auch zu einer sehr spannenden und rasanten Erzählung. Die Geschichte ist kurzweilig und linear erzählt – es gibt keine komplizierten Ort- oder Zeitsprünge und man ist durch die Ich-Form direkt im Geschehen.

Die Story an sich ist meiner Meinung nach eine ziemlich originelle Idee, was auf dem Feld der Dystopien ja mittlerweile gar nicht mehr so einfach ist. Hier haben mir nur wenige Dinge gefehlt, wie z.B. die Vorgeschichte: Wie kam es dazu, dass die Gilde, die ja tatsächlich neben der eigentlichen Regierung existiert und handelt, an die Macht kam? Und wie steht die Regierung eigentlich genau dazu? Und der Rest der Welt? Die Geschichte spielt an einem Ort namens Humming, der Hauptstadt von Highland. Aber wie sieht es im Rest der Welt aus?
Das wären Dinge, die ich ziemlich wichtig gefunden hätte, um die Geschichte logisch und schlüssig zu machen. Daher gibt’s auch bei der Story einen Stern Abzug.

Das Cover finde ich nicht besonders bemerkenswert. Ich finde es wirkt etwas zu romantisch und mädchenhaft für die Geschichte. Der “Feuerkreis”, in den die Silhouette des Mädchen hineingeht, deutet jedoch gut auf das Thema des Buches hin. Den Titel finde ich klasse. Kurz und Knackig (gut, dass wir im Deutschen eine Übersetzung haben, die ebenfalls mit “F” beginnt…Was hätten wir sonst nur mit dem Symbol gemacht?!). Der deutsche Untertitel hätte jedoch wirklich nicht sein müssen.

Insgesamt kann ich “Flawed” jedem empfehlen, der, wie ich, nicht genug von beunruhigenden Gesellschaftsszenarien bekommen kann. Über die meiner Meinung nach fehlende Tiefe der Charaktere und den oft sehr einfachen und viel zu erklärenden Schreibstil konnte ich dank der Spannung der Geschichte sehr gut hinwegsehen. Es hat mich zwar immer wieder genervt, weglegen konnte ich das Buch trotzdem nicht und das heißt schon was :)

Von mir gibt’s insgesamt 3,5 Sterne!

Habt ihr das Buch gelesen? Was haltet ihr davon?

 

 

Eure Ricy

 

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