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Rezension: “We are okay” von Nina LaCour

Zugegeben, dieses Buch war ein absoluter Cover-Kauf. Seit ich es zum ersten Mal auf Instagram gesehen hatte, war ich fasziniert von diesem schönen, geheimnisvollen Cover und die Story hörte sich auch spannend an. Am Ende war es anders als ich erwartet hätte.

Worum es geht…

Es geht um Marin, die nach ihrem High School Abschluss plötzlich einfach verschwindet ohne sich von irgendwem zu verabschieden. Niemand weiß, was in den letzten Wochen vor ihrem Aufbruch passiert ist, nicht einmal ihre beste Freundin Mable.
Marin hat sich langsam in ihrem neuen Leben an einem College tausende Meilen von Zuhause entfernt eingerichtet und sich an ihre Einsamkeit und an ihre Mitbewohnerin, die sie ablenkt, wenn sie es braucht, aber keine Fragen stellt, gewöhnt. Doch nun steht Weihnachten vor der Tür und alle Mitstudenten fahren für die Feiertage und die Semesterferien nach Hause zu ihren Familien, nur Marin nicht. Sie wird einen Monat alleine im Studentenwohnheim verbringen, zumindest nachdem Mable wieder abgereist ist, die sich für ein paar Tage zum Besuch angekündigt hat. Ein Zusammentreffen, dass Marin gar nicht geheuer ist, denn es bedeutet, dass sie sich dem, was passiert ist, stellen muss, es aussprechen muss, um ihrer besten Freundin zu erklären, warum sie alles zurückgelassen hat.

“The trouble with denial is that when the truth comes out you aren’t ready.”

We are okay – Nina LaCour

Meine Meinung

“We are okay” ist ein ungewöhnlich ruhiges Jugendbuch, so ruhig, dass man die Einsamkeit, in der Marin sich befindet, förmlich spüren kann. Marins Geschichte wird abwechselnd in der Gegenwart und in der Vergangenheit, dem letzten Sommer, erzählt, bis beide Erzählstränge langsam dahingehend zusammenfinden, dass Marin Mable erzählt, was am Ende dieses Sommers, als Mable schon am College war, passierte.
Die Atmosphäre dieses Romans hat mir sehr gut gefallen, das verschneite, verlassene College an der Ostküste, spiegelt sehr gut Marins Gefühls- und Gedankenwelt und steht im starken Kontrast zu den unbeschwerten Erlebnissen rund um den Schulabschluss im sonnigen, sommerlichen San Francisco bevor das passierte, was Marins Leben so aus der Bahn warf.
Der Schreibstil, die Atmosphäre, die dieser auslöste und die Art, wie die Geschichte erzählt wird, haben mir sehr gut gefallen. Insgesamt ist es sehr poetisch.
Leider konnten mich aber sowohl die Charaktere, als auch die Art, wie mit dieser recht kurzen Geschichte, scheinbar so viel ausgesagt werden soll, nicht überzeugen.
Wenn man den Klappentext ließt, erwartet man große Geheimnisse, interessante Wendungen…diese gab es auch, sie waren jedoch keineswegs so überraschend, wie ich sie erwartet hätte. Vielmehr als ein müdes “Ach…okay.” konnten sie mir nicht entlocken.
Es kam hinzu, dass ich Marins Verhalten oft nicht ganz nachvollziehen konnte, auch nicht, nachdem herauskam, was denn passiert war.
Insgesamt wollte mir das Buch einfach zu viel aussagen, was ich nicht wirklich fühlen konnte, dafür war die Geschichte allgemein zu kurz. Dafür, dass zu Beginn alles so ruhig anfing, passierte am Ende einfach zu schnell, zu viel, das emotional so aufgeladen war, dass ich mich an einen Hollywoodfilm erinnert gefühlt habe. Es geht um Einsamkeit und Trauer, um Identität, um Freundschaft, um Sexualität, denn es behandelt auch eine LGBTQ*-Beziehung, die jedoch nicht so sehr in den Mittelpunkt gestellt wird, um Minimalismus, um Vergebung, um den Wert der Familie…und das alles auf nicht einmal 250 Seiten – aber mit einem filmreifen Ende. Und das, obwohl es so ruhig beginnt.

Fazit

Obwohl mir der Stil des Romans und die dadurch heraufbeschworene Atmosphäre sehr gut gefallen haben, konnte es mich letztendlich nicht wirklich überzeugen. Das im Gegensatz zum Rest der Geschichte zu schnelle Ende war für mich irgendwie zu viel des Guten. Mir hätte es besser gefallen, wenn das Buch etwa 100 Seiten länger gewesen wäre und etwas mehr Wert auf die Charakterentwicklung gelegt hätte, anstatt sich so viele Themen vorzunehmen und zuletzt mit einem für mich etwas unglaubwürdigen Ende seine Bedeutung noch zu schmälern. Dennoch ist es ein schön geschriebenes Buch über Trauer und Identität, in das ich nach der sehr nachdenklichen ersten Hälfte wahrscheinlich einfach zu hohe Erwartungen gesetzt hatte.

3sterne

Angaben zum Buch

we are okay

Titel: We are okay
Autorin: Nina LaCour
Verlag: Dutton Books (14. Februar 2017)
Seiten: 240
ISBN: 978-0525425892
Preis (gebundene Ausgabe): 14,41€ (Taschenbuch: 8,99€; eBook: 6,49€)

 

 

(c)Buchcover: Dutton Books
Beitragsbild: Ricarda Schneider

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