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[Rezension] “Die Kakerlake” von Ian McEwan

Ian McEwans Polit-Satire Die Kakerlake könnte aktueller nicht sein. Sie wirkt wie eine spontane, verrückte Idee, die dem Autor im Angesicht des Brexit-Wahnsinns gekommen ist und einfach aufgeschrieben werden musste: kurz, bissig, skurril!

Worum geht’s?

McEwan dreht das Geschehen aus Franz Kafkas berühmter Erzählung “Die Verwandlung”, in der sich ein Mann in einen riesigen Käfer verwandelt, einfach um.
Eine Kakerlake wacht im Körper eines Menschen auf und ist zunächst ähnlich angewidert von der ihrer neuen Gestalt, wie der Protagonist in Kafkas Erzählung es von seinem neuen Insektenkörper ist – da endet der Zusammenhang zwischen den beiden Geschichten aber auch schon. Dieser Mensch, in dessen Körper sie erwacht, ist niemand Geringeres als der britische Premierminister und die Kakerlake hat eine Mission: endlich den von aller Welt als absurd erklärten und nie richtig ernst genommenen “Reversalismus” durchzusetzen. Für alle die sich jetzt fragen “Reser…Was bitte?”. Dabei handelt es sich um die Umkehr des Geldflusses. Für die Arbeit, die man leistet, soll man bezahlen, während man beim Einkaufen noch Geld dazu bekommt. Geld anzusparen wird unter Strafe gestellt. Das Ziel dieses bizarren Projekts sei es, alte Strukturen aufzubrechen und die Wirtschaft im Land ordentlich anzukurbeln. Das bringt natürlich ein paar Schwierigkeiten mit sich, gerade im Umgang mit Handelspartnern im Ausland, die es noch zu bewältigen gibt.
Aber die Kakerlake ist skrupellos und außerdem nicht allein und so rückt ein von keinem für möglich gehaltener politischer Umbruch immer näher…kommt einem das irgendwie bekannt vor? Vielleicht.

Meine Meinung

Auf kaum mehr als 100 Seiten packt McEwan, die Verwandlung eines Insekts in den britischen Premierminister, dessen geheime Mission, gemeinsam mit weiteren Artgenossen, das britische Parlament zu infiltrieren, eine haarsträubende politische Theorie, Intrigen und Bestechungen um Gegner aus dem Weg zu räumen und potentielle Verbündete zu gewinnen. Also ganz schön viel für so ein kleines Büchlein. Aufmerksamkeit ist also trotz der geringen Seitenzahl gefordert, wenn man die vielen Anspielungen und das Fädenziehen der Kakerlake richtig verstehen will! Nachdem ich die Geschichte zwischendurch kurz etwas holprig fand und mir die ganze Reversalismus-Idee fast schon etwas zu absurd vorkam, rundete das Ende sie wieder perfekt ab!
Nach anfänglichen Zweifeln, hat mich McEwan also mit der Aktualität des Themas, den zahlreichen Seitenhieben auf verschiedene Politiker und der bissigen Überzeichnung des für sich schon verrückten politischen Zeitgeschehens (inklusive Brexit-Chaos, Fake-News und Twitter) definitiv überzeugen können!

Titel: Die Kakerlake
Auto: Ian McEwan
Übersetzung: Bernhard Robben
Verlag: Diogenes
erschienen am: 27. November 2019
Seiten: 112
ISBN: 978-3257071320

Preis (gebundenes Buch): 19,00 €

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