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Schlagwort: Margaret Atwood

Meine Lesehighlights 2018

Das Jahr neigt sich nun wirklich dem Ende zu und daher wollte ich mir die Zeit nehmen, mein Lesejahr Revue passieren zu lassen. In diesem Beitrag werde ich euch daher meine Lesehighlights vorstellen.
Zunächst muss ich sagen, dass 2018 ganz Allgemein gesehen schon ein “Lesehighlight” für mich war. Ich habe 45 Bücher gelesen, was im Vergleich zu anderen Buchbloggern wahrlich nicht viel, für mich aber dennoch eine Steigerung ist. Es kommt hinzu, dass ich unglaublich viele Bücher gelesen habe, die mich tief berührt und begeistert haben und selbst die “Flops” haben nicht weniger als drei Sterne bekommen, da ich ihnen immer etwas Gutes abgewinnen konnte!

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[Rezension] Alias Grace – Margaret Atwood

Worum geht’s?

Alias Grace beruht auf der wahren Geschichte von Grace Marks – einer jungen Frau, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Kanada wegen der Beteiligung an den Morden an Thomas Kinnear und seiner Haushälterin Nancy Montgomery, bei denen sie als Dienstmädchen angestellt war, zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.
Um diesen realen Kern hat Margaret Atwood eine spannende Geschichte gesponnen, die sich intensiv mit der Person Grace Marks beschäftigt.

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Rezension: The Handmaid’s Tale – Margaret Atwood

“Better never means better for everyone…it always means worse, for some.” – The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood

handmaid

 

Titel: The Handmaid’s Tale
deutscher Titel: Der Report der Magd
Autorin: Margaret Atwood
Verlag: Vintage Classics (erschienen: 07. Oktober 2010)
ursprünglich erschienen: 1985
Seiten: 336 (Taschenbuch)
ISBN: 978-0099511663
Preis (Taschenbuch): 8,99€ (eBook: 5,69€)

 

Inhalt

In Amerika wurde die Regierung gestürzt und eine neue gesellschaftliche Ordnung etabliert: Gilead – ein christlich-fundamentalistischer Staat. Eine Gesellschaft, in der Frauen nur eine Aufgabe haben und zwar Kinder zu kriegen. Da Umweltverschmutzung, radioaktive Strahlung und Geschlechtskrankheiten dazu geführt haben, dass ein Großteil der Frauen unfruchtbar geworden sind, muss das Kinderkriegen von den wenigen gesunden und fruchtbaren jungen Frauen übernommen werden, die als Mägde in den Häusern der Reichen und Wichtigen leben. Offred ist eine von ihnen und erzählt ihre Geschichte, denn sie hat den Umsturz miterlebt. Sie hatte einen Mann und eine Tochter und alles verloren, nur ihre Hoffnung nicht. Die Hoffnung, dass das alles wieder vorbeigehen wird, dass sie entkommen kann und die Liebe wiederfinden wird.

Meine Meinung

Dieses Buch hat mich umgehauen, angewidert, erstaunt und erschreckt. Ich war von der ersten Seite an gefesselt.
Offred, die nicht wirklich so heißt, lebt im Haushalt eines Commanders und seiner Ehefrau. Da diese keine Kinder bekommen kann, hat sie sich, wie so viele eine Magd angeschafft, die dies übernehmen soll. Der Name Offred zeigt schon das Besitzverhältnis an. Offred ist kein eigenständiger Mensch, sondern gehört dem Commander, der offenbar mit Vornamen Fred heißt. Sie gehört ihm wenigstens so lange, bis sie ihre Aufgabe erfüllt und sein Kind zur Welt gebracht hat, oder versagt hat, indem sie nach einer gewissen Zeit immer noch nicht schwanger geworden ist. Sollte so etwas öfter passieren droht auch ihr, wie so vielen anderen Frauen, die Abschiebung in eine der Kolonien, in denen sie früher oder später entweder durch die Umweltverschmutzung und Strahlenbelastung oder durch die harte Arbeit zu Grunde gehen wird. Dass auch die Männer unfruchtbar sein könnten, steht nicht zur Debatte.

Offred erzählt diese Geschichte wie sie immer wieder sagt rückblickend, sodass es sich nicht um Tagebucheinträge handelt, obwohl dies manchmal den Anschein macht. Denn Schreiben ist den Frauen ebenso wie Lesen strengstens verboten. Überall gibt es Spione, die jedes kleine Vergehen sofort anzeigen.
Ihre alltäglichen Berichte sind immer wieder von Rückblenden in die Zeit davor und in die Zeit die sie im sogenannten Red Center, einem Ausbildungszentrum der Mägde, in das viele fruchtbare Frauen verschleppt wurden, verbrachte unterbrochen.
Von Offreds Charakter bekommt man somit einen ziemlich guten Eindruck. Während sie in den alltäglichen Berichten zwar sehr unglücklich, aber doch auch irgendwie angepasst wirkt, erfahren wir in den Rückblenden, dass sie in der Zeit davor eine ganz normale junge Frau gewesen ist, die einen Job hatte, ihre eigene Wohnung, eine beste Freundin, eine Affäre und spätere feste Beziehung mit einem Mann und sogar eine Tochter…alles etwas, das den Frauen in Gilead oder zumindest den Mägden strengstens untersagt ist. Das alles macht sie zu einem sehr interessanten Charakter.
Der Umsturz begann langsam, indem die Freizügigkeit und Dinge wie z.B. Pornographie immer stärker eingeschränkt wurden, dann wurden zweite Ehen und unverheiratete Partnerschaften verboten – natürlich nur, um die Frauen zu schützen. Es handelt sich somit wieder einmal um eine Dystopie in der die angebliche Sicherheit der Menschen als Grund für die Unterdrückung genannt wird. Der Zweck heiligt die Mittel?

“There ist more than one kind of freedom,” said Aunt Lydia.
“Freedom to and freedom from. In the days of anarchy, it was freedom to. Now you are being given freedom from. Don’t underrate it.”

Die Erniedrigung der Mägde, die in dieser Geschichte mit einem Frauenbild einhergeht, das die Frau ja so sehr wertschätzen soll, in der eine schwangere Frau fast wie eine Heilige behandelt wird, verlangt dem Leser wirklich starke Nerven ab.

Auch die anderen Bevölkerungsgruppen sind durch zentrale Charaktere vertreten. Da gibt es den Commander, der selbst zu dieser gesellschaftlichen Ordnung beigetragen hat, aber scheinbar auch nicht sonderlich glücklich damit ist. Und seine Frau Serena Joy, die durch ihre Rolle der Ehefrau eines wichtigen Mannes zeigt, wie sehr auch Frauen dazu beitragen können, in einer männerdominierten Welt andere Frauen zu unterdrücken.

Außerdem erfahren wir durch die Konstellation des Haushalts, in dem Offred gelandet ist, dass es auch Frauen gibt, die als Dienerinnen bzw. Haushälterinnen tätig sind.
Dann ist da noch Moira. Offreds beste Freundin aus der Zeit davor. Eine Frau, die eigentlich den Widerstand verkörpert. Offreds und ihr Weg kreuzen sich auch nach dem Umbruch wieder.

Dass die Erzählungen Offreds immer wieder durch ihre Erinnerungen an früher unterbrochen werden, steigert die Spannung enorm. Auch, dass das ganze gesellschaftliche Gefüge und die Geschichte, wie es dazu kam nur aus den Erzählungen einer einzelnen Frau deutlich wird, machte das Buch für mich besonders. Es dauert ziemlich lange bis sich Erinnerungsfetzen und Berichte über Offreds Alltag zu einem Gesamtbild zusammensetzen und man ganz versteht, was eigentlich los ist.
Atwoods Schreibstil hat mir gut gefallen, da er durch seine Nüchternheit sehr gut zu der Geschichte passte und für mich die bedrückende Stimmung greifbar machte. Trotz dieser Nüchternheit enthält er einige wunderbare Bilder und mir blieben viele Zitate im Gedächtnis, die diesen Schrecken dieser Welt in der Offred lebt einfach wunderbar auf den Punkt bringen.

Fazit

Für jeden, der Dystopien so sehr mag, wie ich, ist dieses Buch ein absolutes Muss und lässt sich für mich problemlos in eine Reihe mit 1984 und Brave New World stellen. Gerade die feministische Kritik in diesem Roman hebt es aus der Masse der Dystopien hervor und macht es meiner Meinung nach zu einem besonders wichtigen Werk.

Unbedingt lesen!

Der erste Eindruck:

 

Die Story:

Die Charaktere:

Die Erzähltechnik:

Schreibstil:

Aussage/Bedeutung:

Titel/Cover dieser Ausgabe:

Fazit:

4,5 Sterne!

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