Ricy's Reading Corner

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[Kurzrezension] Faust I – Johann Wolfgang von Goethe

“Da steh’ ich nun, ich armer Tor…” (S. 27, V. 5)

… und versuche, dieses große Werk der deutschen Literatur zu rezensieren.

Vielleicht fangen wir erstmal mit der Handlung an…

Worum es geht…

Dr. Faust ist Wissenschaftler. Aber kein Wissen der Welt scheint ihm die Befriedigung, die Erleuchtung zu bringen, die er anstrebt. Da er aber auch verlernt hat, Freude in anderen Zerstreuungen zu finden, will er sich das Leben nehmen. Bei seinem Selbstmordversuch wird er allerdings gestört. Auf einem Spaziergang läuft ihm dann ein Pudel über den Weg. Faust nimmt ihn mit nach Hause und es stellt sich heraus, dass es sich dabei um den Teufel höchstpersönlich handelt. Der hat übrigens mit Gott gewettet, dass er es schaffen würde Faust zu verführen. Faust verspricht dem Teufel seine Seele, wenn der es schafft, ihm wieder zu Lebensglück zu verhelfen.
Um den Rest kurz zu fassen: Faust trifft eine junge Frau und verliebt sich in sie, er überredet den Teufel, sie zu verkuppeln. Das funktioniert und stürzt alle ins Unglück.

Mein Fazit

Ja, jetzt kommt die Stelle, an der ich mir vorgestellt hatte, davon zu schwärmen, wie sehr dieses Werk – eins der bekanntesten der deutschen Literatur – mich begeistert hat…
Aber leider hatte ich damit so meine Schwierigkeiten und es konnte mich nicht so faszinieren, wie ich es erwartet hatte.
Wenn man bedenkt, dass Goethe es 1808 veröffentlichte, dann ist das natürlich schon ein Wagnis etwas Bahnbrechendes, so offen wie darin über Religion und die Abkehr von dieser gesprochen wird und ja,  die eigentliche Aussage ist wichtig und aktuell wie eh und je: Faust verkauft seine Seele im Streben nach Glück und Erkenntnis, für das kurze Glück und stürzt damit alle in ein großes Unglück…Wann wird ein solches Thema nicht mehr aktuell sein? Trotz der wie erwartet schweren Sprache lässt sich das Stück relativ schnell lesen, zumindest, wenn man den Versuch aufgibt, jedes sprachliche Bild zu analysieren und genauestens verstehen zu wollen und das Stück eher als Ganzes auf sich wirken lässt. Wenn man sich Zeit nimmt, es wirklich genauer zu analysieren, dann fallen einem natürlich unglaublich viele sprachliche Bilder und symbolische Bedeutungen auf, die es eben neben der zeitlosen Aussage zu dem Klassiker machen, der er ist – man regelrecht damit überschüttet. Beim “einfach mal Lesen und auf mich wirken lassen”, hat mir aber weder die sehr schwere Sprache, noch die Handlung wirklich gefallen.
Im Großen und Ganzen blieb die treibende Kraft, die mich zum Weiterlesen zwang, das Gefühl: “Komm’, das muss man mal gelesen haben.”. Und dieses Gefühl mag ich nicht. Ob nun bei Klassikern oder bei aktueller Literatur und Belletristik. Ich wollte dieses Buch unbedingt mögen, da mich sonst Geschichten, die einen Pakt mit dem Teufel oder Ähnliches beinhalten immer irgendwie faszinieren…und nun ja, auch einfach deswegen, weil es nunmal Goethes Faust ist!
Aber es hat mich einfach nicht berührt. Weder fand ich es sprachlich besonders ansprechend, noch könnte ich die Handlung als besonders schön ausgeschmückt oder gar spannend beschreiben. Natürlich muss man auch berücksichtigen, dass es sich um ein Theaterstück handelt. Alleine die Form führt dazu, dass man beim “nur Lesen” nicht so sehr in eine Geschichte hineingezogen wird, wie bei einem Roman…Und trotzdem fallen mir auch auf Anhieb einige Dramen ein, die mich mehr begeistern konnten.

Und dennoch: die Aussage dieses Stückes bleibt aktuell und wird es wohl immer bleiben, solange wir Menschen menschlich bleiben und blöde Entscheidungen treffen. Es geht um Gut und Böse und wie beide Seiten bei der Verzweifelten Suche nach Glück an uns Menschen zerren.
Ich kann mir auch vorstellen, dass Faust als tatsächliches Theaterstück sehr eindrucksvoll umgesetzt werden kann, wenn man z.B. die verzweifelten Monologe bzw. Dialoge mit den Geistern von Faust oder Gretchen nimmt. Ein guter Schauspieler, kann da bestimmt für Gänsehautmomente sorgen. Auch Mephisto lässt sich sicherlich als sehr interessante Rolle darstellen. Die Aussage und der grobe Rahmen der Handlung lassen sich zudem bestimmt auch in Form neuer Interpretationen auf interessante Weise auf heutige Situationen übertragen.

Ich bleibe also trotzdem dabei, dass es sich lohnt, dieses Stück mal gelesen zu haben! Und den zweiten Teil werde ich sicherlich auch noch lesen.

 

Angaben zum Buch

Titel: Faust. Erster Teil
Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Verlag: Insel Verlag Berlin
erschienen: 1974
erstmals erschienen: 1808
Seiten: 271
ISBN: 978-3458317500
Preis (Taschenbuch): 7,50€

 

(c) Cover: Insel Verlag
Beitragsbild: Ricarda Schneider

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15 Kommentare

  1. KURZrezension? Dafür, dass es dir nicht gefällt, hast du dir wirklich tiefgehende Gedanken gemacht. 👍😀

    • Ja, das ist mir dann auch irgendwann aufgefallen. Zuerst hatte ich tatsächlich nicht viel dazu zu sagen bzw. wollte nicht viel dazu sagen, da es mir eben nicht so gut gefiel, ich wollte aber wenigstens eine KURZrezension dazu schreiben. Beim Schreiben überkam mich dann wieder dieses Gefühl, sehr gut begründen zu müssen warum es mir nicht gefiel und dennoch die guten Seiten hervorzuheben, weil es ja so ein Klassiker ist…da fühlt man sich dann irgendwie verpflichtet :D

  2. Ach, dass finde ich interessant, dass Du eine Rezension über Faust schreibst. Es war bei mir Abiturstoff inkl. Urfaust und Faust 2. Das ist schon ganz schön lange her;).
    Ich teile Deine Meinung auch und ich habe heute bei den sog. Klassikern immer noch eine Art Schul-Dejavu und kann sie gar nicht so frei lesen, sondern eher so durchquälen.
    LG Isabel
    #litnetzwerk

    • Hallo Isabel,

      wir haben es damals in der Schule nicht gelesen, weshalb es mir immer wie eine enorme Bildungslücke erschien, es nicht gelesen zu haben. Es ist bei mir nicht so, dass ich mich tatsächlich gezwungen fühle, diese Klassiker zu lesen, viele gefallen mir sogar richtig gut, jetzt, wo ich keine Klausuren mehr darüber schreiben muss :D und einige haben mir sogar damals trotz “Zwang” ganz gut gefallen. Ich habe nur immer ein bisschen Schwierigkeiten zuzugeben, wenn mir ein Klassiker eben nicht gefallen hat und denke, ich muss ja irgendwas Gutes daran finden oder ich hätte einfach was Wichtiges übersehen :D und meistens ist es ja auch so, dass man schon erkennen kann, warum es so ein bedeutendes Buch ist, das erhöht jedoch nicht immer unbedingt den Lesegenuss :D

      Liebe Grüße
      Ricy

  3. Eine tolle Rezension! Ich habe es leider noch nicht gelesen habe aber nun grosse Lust gekriegt ;D

  4. Hi Ricy,
    Ich durfte oder eher musste Faust in meinem letzten Schuljahr lesen. Ehrlich gesagt konnte ich gar nichts damit anfangen, dabei mag ich klassische Werke eigentlich schon. Lustigerweise erging es der ganzen Klasse so, aus dem Lehrer natürlich (wobei ich mir da im nachhinein nicht mehr so sicher bin).
    Die Grundidee fand ich auch sehr gut, aber für mich wurde die Geschichte einfach nicht richtig erzählt. Mir kam es so vor, als wäre Göthe während des Erzählens irgendwie vom Pfad abgekommen. Ich kann deine Rezension also voll und ganz so unterschreiben.
    Im zweiten Teil wird es übrigens nicht besser ;).
    LG Alex

    • Hallo Alex,

      dann überlege ich mir das vielleicht doch nochmal, ob ich den zweiten Teil tatsächlich lesen “muss” ;D Dein Gefühl kann ich voll und ganz nachvollziehen. Mir hat auch irgendwie der rote Faden gefehlt, der nötig gewesen wäre, um die Aussage richtig rüberzubringen…ich hatte allerdings gehofft, dass das im zweiten Teil nochmal deutlicher wird?!
      Ich hatte auch so Lehrer, bei denen man oft gemerkt hat, dass sie selbst nicht allzu viel von den Klassikern halten, allerdings mehr noch in Englisch. Ich fand das klasse, wir haben den Lehrplan schnell durchgezogen und dann noch Bücher gelesen, die uns interessierten! :D

      Liebe Grüße
      Ricy

      • Hi Ricy,
        also wenn du mich fragst, kannst du dir die Zeit sparen. Faust vergisst auch alles was im 1. Band passiert ist, also sind es eigentlich zwei unabhängige Bücher, nur eben mit derselben Hauptperson. Der rote Faden fehlt da auch komplett :/.
        Ich versteh selbst nicht so ganz, wieso Faust ein Klassiker wurde und vorallem sehr berühmt. Wenn dann lag es bestimmt nur an der Grundidee…
        Dann beneid ich dich um deine Lehrer. Wir haben uns damals ewig mit Faust aufgehalten, und fast nichts anders geschafft. Gut, ich gebe zu dass lag aber auch daran dass wir ständig Fragen gestellt haben, inbesonder bezüglich des roten Fadens ^^. Jetzt tut mir mein Lehrer ja fast leid ;).
        Viele Grüße,
        Alex

  5. Puuh ich musste das damals in der Oberstufe lesen und habe mich da echt durchgequält. Am Ende hat sich das aber zumindest gelohnt, da ich im Test über das Buch dann auch ziemlich gut abgeschnitten hatte. Aber warm werde ich damit nicht, weil ich es schwer finde mich für ein Buch zu begeistern das ich nicht verstehe. Klar hat sich im Anschluss bei der Besprechung im Unterricht die Verwirrung gelegt, aber während des Lesens war die einfach zu groß und ich auch zu faul nun alles nachzuschlagen.

    Am Ende bleibt bei mir wieder die Erkenntnis das Klassiker einfach nicht meine welt sind.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Ahh das freut mich zu hören <3. Dann habe ich mein Ziel ja erreicht ;). Also ich war ja ein großer Lucas Fan, von Peyton eher nicht so bzw. war es mit ihr ein kleines auf und ab, aber die Staffeln ohne die beiden sind echt mit die Stärksten der Serie. Hatte mich dann auch überrascht, wie gut sie mir doch gefallen, weil die neuen Charaktere echt allesamt interessant sind und sich gut einfügen. Kann dir echt nur empfehlen weiterzuschauen, schon alleine weil das Serienfinale echt wunderschön ist.

    • Hallo Nicole,

      ich bin ja echt froh, dass ich nicht die Einzige bin, der es mit Faust so ergangen ist :D
      Sonst mag ich schon einige Klassiker, die meisten jedoch eher aus dem englischen Sprachraum. Die großen deutschen Dichter wollen meiner Meinung nach meistens ein bisschen zu viel, als dass es auch nur annähernd als Unterhaltung gelten könnte :D

      Ich werde übrigens deinen Serien-ABC-Tag mal aufnehmen, weil ich das echt super finde und ich möchte schon länger eine eigene Serien-Kategorie hier auf meinem Blog erstellen, da ist das ein guter Aufhänger :) Wenn der Beitrag da ist, werde ich dir nochmal per Kommentar Bescheid geben ;D

      Liebe Grüße
      Ricy

  6. Hallo!
    Als ich letztes Jahr Faust begonnen habe, war ich fest davon überzeugt, dass ich auch eine Rezension schreiben werde. Allerdings gab es dann nie eine Rezension, sondern einen Beitrag dazu, wieso es keine Rezension geben wird, haha.
    Ich selbst fand den erste Teil ganz gut ( im Gegensatz zu Teil 2), aber ich will nicht wissen, wie viele Metaphern und Andeutungen ich nicht verstanden habe…

    Liebe Grüße,
    Pia

  7. Hallo!

    Ich finde es immer spannend, wenn jemand ein Buch rezensiert, dass schon so oft besprochen wurde, dass man es gefühlt schon in und auswendig kennt. Dass es durchaus schwieriger Stoff sein kann, verstehe ich. Die Sprache ist einfach so ganz anders, als wir es von heute kennen, noch dazu ein Drama, wo auch viel an der Umsetzung durch Schauspieler liegt …
    Ich selbst hab Faust I in der Schule gelesen und oute mich mal (dank einer ziemlich genialen szenischen Darstellung damals) als Fan von Mephisto ;-) Hab mir selbst vorgenommen, Faust demnächst nochmal (dieses Mal freiwillig) zu lesen. Mal sehen, ob es mich dann immer noch überzeugen kann oder ob es mir, dieses Mal ohne szenische Darstellung, doch eher wie dir geht.

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Hallo Sarah,

      ich würde es gerne mal als Theaterstück sehen, ich kann mir gut vorstellen, dass man es sehr interessant darstellen kann…und ja Mephisto kann ich mir wie gesagt mit dem richtigen Schauspieler als sehr interessante Figur vorstellen.
      Danke für deinen Kommentar!

      Liebe Grüße
      Ricy

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