Ricy's Reading Corner

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[MusikMittwoch] Songs and Books #2: “Verfallen”

“Shining” von Stephen King und “Verfallen” von ASP

Vor einiger Zeit hatte ich mir für den MusikMittwoch eine Beitragsreihe zum Thema “Songs, die von Büchern inspiriert wurden” überlegt. Bisher blieb es jedoch bei diesem ersten und einzigen Beitrag. Nun habe ich mir daher überlegt, diese Unterkategorie einfach auf “Songs and Books” zu ändern, um mehr Möglichkeiten zu haben, um sowohl über die von den Künstlern beabsichtigte als auch die von mir subjektiv wahrgenommenen Ähnlichkeiten berichten zu können, wie zum Beispiel im heutigen Beitrag: Der  Grund ist nämlich der, dass ich über die Ähnlichkeit eines Albums zu einem Buch schreiben wollte, dieses jedoch nicht offiziell als von dem Buch inspiriert bekannt ist. Es geht um die “Verfallen”-Alben der Band ASP und Stephen Kings großen Horrorklassiker “Shining”.

Ich finde nirgends eine Angabe dazu, ob diese Ähnlichkeit, diese Verbindung von den Künstlern gewollt ist. Tatsächlich und offiziell inspiriert ist das Doppel-Album nämlich eigentlich von einer Kurzgeschichte des Autors Kai Meyer (besonders bekannt durch die Arkadien-Reihe), mit dem die Band bereits vorher zusammengearbeitet hatte. Und dennoch ist diese Ähnlichkeit einfach so deutlich, dass ich darüber schreiben muss, weil es mich so faszinierte, weil mich beide Geschichten so sehr faszinierten und weil ich beim Lesen des Buches immer die wunderbar schaurigen Songs dieser Band im Kopf hatte.

Im März habe ich endlich Stephen Kings großes Meisterwerk “Shining” gelesen. Nachdem ich zunächst skeptisch war, weil ich bisher doch hin und wieder feststellen musste, dass Stephen Kings Geschichten nicht so meins sind, war ich letztendlich unglaublich gefesselt von diesem Roman. Und wie gesagt, musste ich immer wieder an die Konzeptalben “Verfallen” von ASP denken. ASP lassen sich dem Gothic-Rock-Genre zuordnen und meiner Meinung nach insgesamt als sehr literarische Band bezeichnen, so haben sie wie bereits erwähnt schon mit dem Autor Kai Meyer zusammengearbeitet und zu denneuen Alben gibt es immer wieder sehr umfangreiche Booklets, in denen ASP seine literarische Ader auslebt.

Um die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Verfallen-Alben von ASP und dem Roman Shining soll es in diesem Beitrag nun gehen.

Worum es in “Shining” geht…
Jack Torrance, ein trockener Alkoholiker und Familienvater, hat seinen Job als Hochschullehrer verloren. Die Hausmeisterstelle im prestigeträchtigen Hotel Overlook, die er durch einen Freund erhält, scheint die perfekte Chance auf ein neues Leben zu sein. Kurzerhand zieht er daher mit seiner Frau Wendy und dem kleinen Danny nach Colorado. Dieser Job beinhaltet aber auch, dass Jack und seine Familie den gesamten Winter alleine im Hotel verbringen müssen. Der Betrieb ist nämlich über die langen Winter eingestellt, in denen das Hotel mitten in den Bergen teilweise monatelang von der Zivilisation abgeschnitten ist. Dafür zu sorgen, dass das Hotel in dieser Zeit nicht an ernsten Verwitterungsschäden zerfällt, ist die Aufgabe des Hausmeisters. Beim letzten Hausmeister hat das zu keinem guten Ende geführt…Jack hofft aber, dass diese Ruhe sich positiv auf seine Familie und besonders seine akute Schreibblockade auswirken könnte, sodass sein Traum vom eigenen Buch, das ihn in die akademischen Kreise zurückbringen würde, vielleicht doch noch wahr werden würde. Dabei hat er die Rechnung aber ohne die Eigenarten des Hotels gemacht und auch nicht damit, dass ihn alte Schatten, derer er sich in dieser Abgeschiedenheit sicher fühlte, mehr und mehr wieder einholen. Dann beginnt sein Sohn Danny auch noch Dinge zu sehen, die nicht da sind, oder doch? Immerhin hatte er schon immer ein besonderes Gespür für Dinge, die für die meisten Menschen nicht so offensichtlich sind. Die unterschwellige Bedrohung führt langsam zu Rissen in der Einheit der Torrance Familie. (Hier geht’s zu meiner Rezension)

Und wovon handelt “Verfallen” von ASP?

Diese Alben enthalten die Geschichte von Protagonist Paul, der sein Leben in Leipzig neu beginnen will und fast magisch von dem alt-ehrwürdigen Astoria-Hotel angezogen wird. Dort wird ihm die Stelle des Hausmeisters angeboten, da der letzte durch einen tragischen Unfall ums Leben kam.
Paul kann sein Glück kaum fassen und fühlt sich endlich zuhause. Die Gefühle, die er für das Hotel entwickelt sind jedoch merkwürdig – als sei das Hotel eine Art Geliebte (YouTube: Astoria)….die plötzlich anfängt Forderungen zu stellen: zunächst nur “Souvenire” (YouTube: Souvenir) der Gäste, die Paul sammeln soll, später dann auch Menschenleben (YouTube: Loreley). Irgendwann entdeckt Paul die schaurige Wahrheit. Das Hotel hat ein Eigenleben entwickelt, es ist ein Dämon mit dem Herzen im Heizkeller (YouTube: Hinter den Flammen).

Jeder, der Shining gelesen hat, erkennt wahrscheinlich nun schon die Parallelen. Ein “verfluchtes” Hotel, das die Seelen seiner Bewohner haben möchte und in dem viele Einzelteile für diesen bösen Zweck zusammenarbeiten und als ganzes irgendwie ein Eigenleben entwickelt haben (YouTube: Kollektiv)…

Gerade “Verfallen Folge 1: Astoria” kann ich jedem empfehlen, der düster-tiefsinnigen (Gothic)Rock mag (obwohl ich das Album in diesem Fall eigentlich nicht auf das Genre festlegen würde). Verfallen Folge 2 hat mir leider weniger gefallen, die Geschichte hatte da für mich schon gefühlt den Höhepunkt überschritten und die Texte wurden mir einfach zu lang und anstrengend, während es der Musik – bis auf wenige Ausnahmen – an jeglicher Eingängigkeit fehlte…dennoch insgesamt eine schöne gut vertonte Schauergeschichte!! Außerdem werde ich nicht müde, diese Band sowieso jedem ans Herz zu legen. ASP überzeugen einfach mit wunderschönen Melodien und unglaublich tiefsinnigen, poetischen Texten – wer mehr dazu lesen möchte, wird hier fündig.

Link zu den Alben auf Amazon *Werbung*:

Verfallen Folge 1: Astoria

Verfallen Folge 2: Fassaden

ASP-Website: aspswelten.de

 

(c) Buchcover: Bastei Lübbe
Albumcover: ASP
Beitragsbild: Ricarda Schneider

 

 

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4 Kommentare

  1. Hey Ricy,
    früher war ich ein riesen Fan von ASP und höre die Musik immer noch sehr gerne. Auch wenn ich die neueren Alben nicht mehr ganz so intensiv mitbekommen habe wie früher die älteren Alben.
    Die Ähnlichkeit zu Shining ist mir daher auch noch nicht aufgefallen. Aber jetzt, wo du es sagst, fällt mir das auch auf. Da muss ich also wohl doch nochmal genauer hinhören :)
    LG
    Julia

    • Hallo Julia,

      juhu ein anderer ASP-Fan! :)
      Mir geht es auch so, dass ich ASP in der letzten Zeit nicht mehr so intensiv höre. Vor allem “Verfallen 2” und das neuste Album, habe ich mir nur mal ganz oberflächlich angehört. Ich gehe allerdings immer noch gerne regelmäßig auf ihre Konzerte und freue mich jedes Mal über die schönen alten Songs.
      Vom ersten “Verfallen”-Album war ich allerdings noch sehr fasziniert und ich muss sagen, es hört sich insgesamt wirklich eher wie ein musikalisch unterlegtes Hörspiel an und die Geschichte ist echt ein schönes Schauermärchen!
      Ich habe Shining ja erst vor kurzem gelesen (und habe tatsächlich auch den Film bisher noch nicht gesehen ) und kannte somit das Album vorher. Die Ähnlichkeit war für mich wirklich verblüffend. Ich kann dir nur empfehlen, dir die Alben mal genauer anzuhören :)

      Liebe Grüße
      Ricy

  2. Morgen Ricy,
    Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass Lieder auch von Büchern inspiriert werden können, was ein bisschen dumm ist. Spiele und Filme werden es ja auch, warum dann auch nicht Musik.
    Die Paralellen sind wirklich gravierend, wie ich finde. Ich wüsste nicht ob das wirklich nur Zufall ist.
    Ein schöner Beitrag

    Liebe Grüße
    Lilly
    #litnetzwerk

    • Hallo Lilly

      vielen Dank für deinen Kommentar :) Als ich zum ersten mal die Idee zu dieser Beitragsreihe hatte, habe ich mal nach Songs gegoogelt, die nachweislich von Büchern inspiriert sind….du würdest die wundern, wie viele das waren!

      Liebste Grüße
      Ricy

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