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Rezension: “To kill a Mockingbird” – Harper Lee

 

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Titel: To kill a Mockingbird
deutscher Titel: Wer die Nachtigall stört
Autorin: Harper Lee
Verlag: Arrow Books, 5. Oktober 1989/ erstmals erschienen bei William Heinemann Ltd, 1960
Seitenzahl: 320 Seiten
Preis: 6,69€
ISBN: 978-0099419785
zu kaufen auf Amazon.
Der erste Eindruck: 4,5sterne
Die Story: 5Sterne
Die Charaktere: 5Sterne
Die Erzähltechnik:5Sterne
Der Schreibstil: 4,5sterne
Titel und Cover:5Sterne

Mein Fazit: 4,5sterne 4,8 Sterne  FAVORIT!

“Shoot all the bluejays you want, if you can hit ’em”, but remember, it’s a sin to kill a mockingbird.” – Atticus Finch (To kill a Mockinbird)

Hier möchte ich euch einen meiner bisherigen diesjährigen Lieblinge vorstellen:

“To kill a Mockingbird” von Harper Lee spielt in den 30er Jahren in Alabama.
Aus der Sicht der kleinen Jean Louise Finch, genannt Scout, werden wir Zeuge des langen, heißen, Südstaaten-Sommers voller Spiele, Mutproben und Streitereien mit ihrem Bruder Jem und dem Nachbarsjungen Dill, aber auch eines ständig wachsenden Drucks ausgehend von der erwachsenen Kleinstadtbevölkerung, deren Einstellungen geprägt sind von Heuchelei, Vorurteilen und Rassismus. Beginnend mit Scouts Einschulung scheint der Ernst des Lebens tatsächlich Einzug in die Kindheitsidylle zu erhalten…
Als Scouts Vater Atticus Finch, der Anwalt ist, einem Schwarzen als Pflichtverteidiger zur Seite gestellt wird, der angeklagt wird, ein weißes Mädchen vergewaltigt zu haben, ist es dann endgültig vorbei damit.
Atticus ist von seiner Unschuld überzeugt und setzt alles daran, den jungen Mann zu retten. Das trifft in der vom Rassismus dieser Zeit geprägten Kleinstadtbevölkerung natürlich auf Unverständnis, der sich auch seine Kinder zunehmend ausgesetzt sehen. Sie lernen früh wohin Vorurteile führen können und was es bedeutet für seine eigene Meinung und die Gerechtigkeit einzustehen. Atticus begleitet seine Kinder dabei als moralische Stütze.

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und hatte somit zu Beginn einige Schwierigkeiten, mich an den Südstaaten-Slang zu gewöhnen. Nach etwa 50 Seiten hatte ich mich jedoch eingelesen und war sofort von der Atmosphäre der fiktiven Kleinstadt Maycomb ergriffen. Ich habe die Hitze, das sepiafarbene Licht, das entstehen muss, wenn die Sonne auf den staubigen Boden fällt und die bedrückende Enge durch die ständigen Erwartungen und Vorurteile der Kleinstadtbewohner, z.B. wenn von Scout verlangt wird doch endlich ein Kleid zu tragen wie eine Lady, förmlich gespürt.
Aus der Sicht der zu Beginn knapp sechsjährigen Scout wird berichtet, wie sie mit ihrem Bruder Jem und dem Nachbarsjungen Dill, die Ereignisse in Maycomb erlebt.
Besonders beschäftigt sie immer wieder ein gewisser “Boo” Radley, ein Mann aus der Nachbarschaft, den sie noch nie gesehen haben, da er sein Haus nie verlässt, über den aber einige gruselige Gerüchte kursieren. Sie machen es sich zur Aufgabe, ihn herauszulocken oder wenigstens einen Blick auf ihn zu erhaschen.
Das schaffen sie natürlich nicht.
So reihen sich die Ereignisse aneinander, die alle mit viel Liebe fürs Detail beschrieben werden und somit alle einen wichtigen Stellenwert in der Geschichte bekommen. Langatmig erschienen mir diese Beschreibungen nie.
Irgendwann wird diese Idylle durch den Beginn des Prozesses unterbrochen und aus den bisher nur nervigen und heuchlerischen Ansichten der Dorfbewohner werden echte Bedrohungen.
Wie tief der Rassismus auch schon in den Kinderköpfen verwurzelt ist, wird meiner Meinung nach besonders schockierend in einer eigentlich unschuldig wirkenden Szene in der Schule dargestellt, als in Scouts Klasse das Hitler-Regime (das ja zur gleichen Zeit auf der anderen Seite des Atlantiks wütete) besprochen wird: Ein Junge kann nicht verstehen, was Hitler denn gegen die Juden habe, sie seien ja schließlich weiß!
Kleine Situationen wie diese, werden durch Scouts kindliche Augen erst einmal nur so hingenommen, später aber zunehmend auch durch die ernsten Gespräche mit ihrem Vater reflektiert.

Ich habe selten ein Buch gelesen in dem die Charaktere so gut gewählt und so glaubwürdig erschienen. Scout ist das kleine, rebellische Mädchen, das sich weigert ein Kleid zu tragen und lieber mit ihrem Bruder durch die Gärten streift, als sich mit Teepartys und Nachbarschaftsgeschwätz auseinanderzusetzen. Aus ihrer Sicht werden die Geschehnisse liebevoll und mit einer kindlichen Naivität berichtet, die unwillkürlich die Scheinheiligkeit und Irrationalität der Einstellungen der Erwachsenenen immer wieder entlarvt.
Jem, der große Bruder, distanziert sich zunehmend als Spielpartner von Scout und nimmt immer mehr die Rolle des Beschützers und des Vorbilds ein.
Aufgrund zusätzlicher Erfahrungen steckt er die Ereignisse nicht so gut weg wie Scout und verliert immer mehr seinen Glauben an das Gute. Seine Zerrissenheit wird dem Leser auch durch Scouts Augen sehr gut deutlich, obwohl diese sie nicht ganz einordnen kann.
Und dann ist da Atticus, die Moral in Person, der sich dem Hass der Gemeinde aussetzt im festen Glauben das Richtige zu tun. Er versucht auch seine Kinder nach den nach seinem Gewissen richtigen Maßstäben zu erziehen und stößt dabei als alleinerziehender Vater oft auf Widerstand. Doch dem Leser ist klar, dass nicht er, sondern die Gesellschaft das Problem ist. Als seine Kinder von ihm Luftgewehre zu geschenkt bekommen, ermahnt er Jem, niemals eine Nachtigall zu töten, da dies eine Sünde sei. Scout, die noch nie gehört hat, dass ihr Vater etwas als Sünde bezeichnet, lässt sich dies später von einer Nachbarin erklären, welche sagt, ihr Vater habe recht, weil eine Nachtigall nichts Böses tue, wie z.B. den Garten aufzufressen oder im Kornspeicher zu nisten, sie würde den Menschen durch ihren Gesang nur etwas Gutes tun.

Dies ist gleichzeitig der Titel als auch die Hauptaussage des Buches: die Nachtigall als Metapher für einen Menschen, der niemandem etwas zu Leide tut und dem dementsprechend auch kein Leid angetan werden sollte. Eine Maxime nach der Atticus Finch lebt und die er versucht an seine Kinder weiterzugeben.
Die “Nachtigall” ist in diesem Buch zum einen Tom Robinson, der zu Unrecht Verurteilte und zum anderen “Boo” Radley, den die Kinder schon zu Beginn des Buches immer wieder versuchen herauszufordern, obwohl er niemandem etwas getan, ja sich seit Jahren nicht einmal mehr gezeigt hat, der aber später eine noch viel größere Rolle spielt, die ich nicht vorwegnehmen möchte.

Es ist ein Buch über die ersten Auseinandersetzungen eines Kindes mit Gut und Böse, über das Hineinwachsen in eine von Vorurteilen geprägte Welt und einen Vater der versucht, seine Kinder bestmöglich darauf vorzubereiten.
Der Schreibstil ist durch die kindliche Art leicht lesbar, warm und oftmals witzig.
Der Südstaaten-Slang hat mir die Lektüre auf Englisch zwar teilweise sehr erschwert, trägt aber auch zur Atmosphäre bei.
Es gibt eigentlich nichts, was mir an dem Buch nicht gefallen hat. Ich wünschte, ich hätte es früher gelesen.

4,8 Sterne gibt es von mir und somit gehört das Buch zu meinen absoluten Favoriten!
Der minimale Abzug kommt nur daher, dass ich es zeitweise sehr anstrengend fand, was eventuell anders gewesen wäre, hätte ich es auf Deutsch gelesen!

 

 

 

 

 

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6 thoughts on “Rezension: “To kill a Mockingbird” – Harper Lee”

  1. Es freut mich, dass du hierzu auch eine Rezension hast. Ich kann dir da auch weitestgehend nur zustimmen!
    Ich habe das Buch auf Deutsch gelesen und es nicht als sonderlich anstrengend empfunden. Ich fand die Sprachweise ganz angenehm (wenn auch abweichend von heutigen Stilen, ist ja klar) und die Sicht eines so jungen Kindes ziemlich interessant.

    Wie dem auch sei, ich fand es ziemlich gut und empfehle auch die Verfilmung mit Gregory Peck als Atticus Finch (natürlich nachdem man das Buch gelesen hat ;)).

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