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[Rezension] Magpie Murders – Anthony Horowitz

Wieder mal ein Buch, welches mich durch sein schönes Cover auf sich aufmerksam machte. Nachdem ich dann den Klappentext gelesen hatte, war ich mir sicher, einen sowohl spannenden Thriller als auch eine Hommage an die alten Mystery Novels im Stile Agatha Christies in der Hand zu halten und so wanderte der Roman mit entsprechend hohen Erwartungen in meine Einkaufstasche. Ob er diese erfüllen konnte, könnt ihr hier lesen.

“I always loved whodunnits […] You must know that feeling when it’s raining outside and the heating is on and you lose yourself, utterly, in a book. You read and read and you feel the pages slipping through your fingers until suddenly there are fewer in your right hand than there are in your left and you want to slow down but you still hurtle on towards a concclusion you can hardly bear to discover.” (S. 181, Rahmenhandlung)

Worum geht’s?

Susan Ryeland ist Lektorin bei einem kleinen Londoner Verlag, der die beliebte Krimi-Reihe des Autors Alan Conway um den Detektiv Atticus Pünd herausgibt. Dieser ermittelt vor allem im ländlichen England der 50er Jahre, wobei sowohl seine Vorgehensweise, als auch sein Charakter in vielerlei Hinsicht an Hercule Poirot aus den Agatha Christie Romanen erinnert. Nun hält Susan endlich das neueste Manuskript des Autors für einen weiteren Atticus-Pünd Roman in den Händen und freut sich auf ein Wochenende, an dem sie in den spannenden Krimi eintauchen kann. Was sie nicht erwartet hat, ist, dass dieser Roman alles verändert. Obwohl es sich um ein typisches Whodunnit mit ein paar Leichen und einer ganzen Bande Verdächtiger handelt, scheint mehr darin zu stecken, als nur ein rein fiktionaler Krimi. Denn dann kommt es im wahren Leben zu einem Todesfall in Susans Umfeld und ihr fallen immer mehr Parallelen  zwischen dem Buch und der Realität auf. Will der Autor vielleicht mehr mit seiner Geschichte ausdrücken? Susan ist der festen Überzeugung, dass sich die Lösung der Rätsel um die jüngsten Ereignisse in Conways neustem Roman finden lassen…

“Life may imitate art – but it usually falls short of it” (S. 233, Rahmenhandlung)

Meine Meinung

Magpie Murders ist ein doppelter Krimi.
Nachdem Susan das Manuskript aufgeschlagen hat, nicht ohne den Leser vorher darauf hinzuweisen, dass dieses Buch ihr Leben verändert hat, und zwar nicht in der romantischen Art, die man seinen Lieblingsbüchern gerne zuspricht, steigt man sofort in den neuesten Krimi Alan Conways ein, der “Magpie Murders” heißen soll. Nur um danach festzustellen, dass es in Susans Umfeld an diesem Wochenende, das sie versunken in dem spannenden Manuskript verbracht hat, einen Todesfall gegeben hat. Während im Roman der sehr eigene Detektiv Atticus Pünd versucht, in perfekter Poirot-Manier einen grausamen Mord in einem kleinen verschlafenen Nest irgendwo in der Nähe von Bath  aufzudecken, sieht sich Susan nach der Beendigung dieser Lektüre gezwungen, selbst die Rolle der Detektivin anzunehmen.
Mehr kann ich zur Handlung gar nicht sagen, denn auch der Klappentext gibt nur sehr wenig her. Lasst euch überraschen!

Anders als bei anderen Büchern, die mit dem Wechsel von Erzählebenen arbeiten, springt man hier nicht ständig hin und her. Die ersten knapp 300 Seiten beinhalten, nach einer kurzen Einleitung durch Susan, ausschließlich das Manuskript, sodass man richtig in dieser Mystery-Atmosphäre eines Agatha Christie Romans versinkt: ein schrulliger Detektiv, ein paar rätselhafte Morde und ein ganzes Dorf voll sehr spezieller Verdächtiger. Fast jeder hat ein Motiv und jeder war zum Tatzeitpunkt in der Nähe. Die Handlung wird aus der Perspektive der verschiedenen Verdächtigen und des Detektivs erzählt und dennoch bekommt man nicht die geringste Ahnung, wer es hätte sein können. Und so beobachtet man gespannt den cleveren Detektiv und wartet darauf, dass er Licht ins Dunkel bringt und die ganzen losen Fäden irgendwie zusammenstrickt und dann am Ende eine klassische cluedomäßige Auflösung hinlegt und sich dann zu fragen: warum habe ich das nicht bemerkt? Die typischen stilistischen Mittel sowie die Art und Weise der Ermittlung aus den bekannten Whodunnits des frühen 20. Jahrhunderts finden sich hier wieder. Das wirkt zunächst, vielleicht wie ein merkwürdiger Abklatsch, die überspitzte Ähnlichkeit stellt sich aber später als geschickt eingesetzte gewollte Verbindung heraus.

“One for sorrow,
Two for joy,
Three for a Girl,
Four for a Boy,
Five for silver,
Six for Gold,
Seven for a secret,
Never to be told.”

(S. 48/49, Manuskript)

Doch nach dieser Lektüre tun sich Susan noch ganz andere Rätsel auf und plötzlich findet man sich in einem Krimi der Gegenwart wieder. Wer aber jetzt denkt, dass auch der Stil und die Art der Ermittlung nun ein ganz anderer ist, der hat die Rechnung ohne Susan gemacht, die ein eingefleischter Fan des klassischen Whodunnits ist und von den vielen Krimis, die sie schon gelesen hat, profitiert.

Neben der Besonderheit, dass wir es hier mit zwei Krimis in einem Roman zu tun haben, ist es nämlich genau das, was für mich dieses Buch ausmacht: es liest sich wie eine Liebeserklärung an die alten Mystery Novels Agatha Christies, zu denen sich wirklich zahlreiche Referenzen finden. Ich mag den Stil dieser Geschichten sehr und konnte mich deshalb sehr gut in Susan hineinversetzen, die einfach ein unverbesserlicher Bücherwurm ist. Der Autor Alan Conway entwickelt sich hingegen, je mehr man über ihn erfährt, zu einem echten Widerling, der offenbar jeden den er kennt irgendwie in seinen Romanen verarbeitet hat, oft nicht auf sehr nette Art und Weise. Und so können wir Susan dabei beobachten, wie sie nicht nur einen Real-Life-Kriminalfall aufzulösen versucht, sondern auch immer mehr Hinweise und Anspielungen in Conways Romanen, die sie herausgebracht, mit denen sie seit Ewigkeiten gearbeitet hat herausfindet, sodass man auch noch gefühlt eine kleine Unterrichtsstunde im Kreativen Schreiben von Kriminalromanen und der Geschichte dieses Genres bekommt.

Whodunnits are all about truth: nothing more, nothing less. In a world full of uncertainties, is it not inherently satisfying, to come to the last page with every i dotted and every t crossed?” (S. 181, Rahmenhandlung)

Ich muss leider dazu sagen, dass der Bruch zwischen Manuskript und Rahmenhandlung den Lesefluss für mich zwischendurch etwas gestört hat und auch wer einen atemberaubend spannenden Thriller sucht, ist hiermit vielleicht nicht richtig bedient. Es gab immer wieder Passagen, die sich für mich ziemlich zogen, sich aber dann auch schnell wieder mit sehr spannenden Stücken abwechselten.
Der Schreibstil hingegen gefiel mir durchgehend sehr gut und mit Susan hat Horowitz eine gleichzeitig nachdenkliche wie humorvolle Protagonistin geschaffen.

“All of which said, it is the first law of whodunnits that the most likely suspect never turns out to be the killer” (S. 4, Rahmenhandlung)

Fazit

Magpie Murders ist für mich eher eine spannende Hommage an den Stil klassischer Whodunnits, als ein echter Thriller. Aber auch, wer noch keine Romane von Agatha Christie gelesen hat, wird seinen Spaß an diesem Buch haben und mit Sicherheit danach etwas von ihr lesen wollen.
Der Kriminalfall ist jedoch auch nicht wenig spannend und trotz eines teils holprigen Wegs dorthin verschlägt die grandiose Auflösung durch Susan, mit der sie den Detektiven ihrer Lieblingsbücher in nichts nachsteht, letztendlich doch den Atem.

“I always loved whodunnits […] You must know that feeling when it’s raining outside and the heating is on and you lose yourself, utterly, in a book. You read and read and you feel the pages slipping through your fingers until suddenly there are fewer in your right hand than there are in your left and you want to slow down but you still hurtle on towards a conclusion you can hardly bear to discover.” (S. 181, Rahmenhandlung)

 

Wer gerne etwas von Agatha Christie lesen möchte, um erstmal zu sehen, ob Magpie Murders den Geschmack treffen wird oder weil ihr Magpie Murders gelesen habt und jetzt unbedingt etwas von ihr lesen wollt, dem kann ich And then there were none empfehlen, meiner Meinung nach ein absolutes Meisterwerk! Hier geht’s zu meiner Rezension!

 


Titel: Magpie Murders
deutscher Titel: Die Morde von Pye Hall (erschienen am 11. März 2018 im Insel Verlag)
Autor: Anthony Horowitz
Verlag: Orion
erschienen am: 06. Oktober 2016
Seitenzahl: 509
ISBN: 978-1409159445
Preis: 7,99 € (Taschenbuch)

 

(c) Buchcover: Orion
Beitragsbild: Ricarda Schneider

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3 Kommentare

  1. Hey :)

    Ich glaube, jetzt nach dem Lesen deiner Rezi ist es soweit, dieses Buch zu besorgen :D. Ich kenne zwar nicht alle Christies (Kunststück, bei der Menge an Büchern, die sie geschrieben hat), aber ich mag diese Art der Krimis schon immer wieder sehr gern. Und Story in der Story? Sowas find ich auch immer sehr spannend!

    Liebe Grüße
    Ascari

    • Hallo Ascari,

      ich kenne selbst auch nur ein paar Geschichten von ihr und dennoch kann ich sagen, dass auch mir einfach die Art sehr gut gefällt. Man weiß einfach, was man bekommt und es ist doch immer wieder spannend :D

      Liebe Grüße
      Ricy

  2. “der Bruch zwischen Manuskript und Rahmenhandlung den Lesefluss für mich zwischendurch etwas gestört hat und auch wer einen atemberaubend spannenden Thriller sucht” – DANKE! Dieser Satz ist für mich ein Hinweis, dass dieses Buch genau richtig für mich ist. ;-)

    beste Grüße
    Erika

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